Du forderst viel, o Vaterland!

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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: Du forderst viel, o Vaterland!
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 40
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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„Du forderst viel, o Vaterland!“

„Gepackt, gesiegelt! Nun geh’ hin,
Erfreue meinen Herzensjungen!
Wär’ ich so jung wie alt ich bin,
Ich wär’ der Feldpost nachgesprungen,

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Gelaufen wär’ ich Tag und Nacht,

Hätt’ ihm dies Päcklein selbst gebracht.

Denn Alles, was ich denk’ und thu’
Vom Morgen- bis zum Abendsegen,
Eilt meinem Sohn, dem einz’gen zu,

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Der ist mein Alles allerwegen.

Und was ich für ihn thu’ und sinn’,
Das steckt in diesem Päcklein drin.

Die Jacke und die warmen Socken,
Die strickt’ ich selbst beim Lampenlicht.

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Das war des Kindes erst Frohlocken,

Die Augenlust vergess’ ich nicht.
Jetz siegl’ ich bei demselben Schein
Dem Kriegsmann seine Gabe ein.

Ein Päckchen Tabak, und dazu

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Ein Tütchen Kaffee, fein gemahlen,

O wenn er das erblickt! Im Nu
Wird ihm die Freud’ im Auge strahlen –
Gewiß, im Geiste sitzt er hier
Am trauten Tische neben mir.

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Das Geld, das ich für ihn gespart,

Wird seinen Blick zum Wandschrank wenden,
Wo schon der Vater aufbewahrt,
Was er erschwang mit harten Händen.
Jetzt ist’s der Wittwe karger Lohn,

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Den spart die Liebe für den Sohn.


Und ganz zu unterst, fast versteckt,
Liegt, was die Liebste ihm geschrieben.
Warum? Daß er es erst entdeckt,
Wenn er erkannt, daß meine Liebe

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Ihm heute noch am nächsten steh’ –

Wenn’s anders wär’, das thät’ mir weh!“

So hat das Mütterlein bewegt
Ihr Werk vollbracht in stillem Sehnen.
Ob auch der Mutterstolz sich regt,

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Auf’s Siegel fallen heiße Thränen,

Und zitternd preßt das Herz die Hand:
Du forderst viel, o Vaterland!

Friedrich Hofmann.