E. Marlitt †

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Textdaten
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Autor: Die Redaction
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Titel: E. Marlitt †
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 450
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Todesnachricht von E. Marlitt
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[450] E. Marlitt †. Unsere „Gartenlaube“ hat einen tiefschmerzlichen Verlust erlitten: Eugenie John (E. Marlitt), die Schriftstellerin, die mit unserem Blatte aufs Engste verwachsen war, die seit Jahrzehnten unsere Leser durch ihr seltenes Erzählungstalent gefesselt hat, ist am 22. Juni in Arnstadt an den Folgen einer Rippenfell-Entzündung aus diesem Leben geschieden. Wie Wenige besaß sie die Lust am Fabuliren, den Reichthum der Phantasie, aus dem immer neue Geschichten und Gestalten hervorquellen – und sie selbst lebte glücklich in dieser Phantasiewelt, seitdem ein dauerndes Leiden sie von der äußern Welt mehr oder weniger abgeschlossen. Und doch – es herrschte keine mißmuthige Stimmung, keine düstere oder gar verzweifelte Weltanschauung in den Bildern, welche sie uns entrollte: es war so viel Lichtes und Anmuthendes in ihren Erzählungen, so viel Sonnenschein; niemals hat sie Grau in Grau gemalt; sie freute sich der bunten Farben des Lebens und ließ auch Andere sich daran erfreuen.

Nun ist sie dahingegangen, die Schöpferin so vieler holdseliger Mädchengestalten, die Erzählerin so wechselvoller Lebensschicksale, die unsere Leser und Leserinnen so lange Zeit in ihrem Banne gehalten, die Muse des „häuslichen Herdes“, welchen sie nie durch eine unreine Empfindung, ein unedles Wort entweihte.

Wir wissen, daß die Trauer um unsere erfolgreichste und treueste Mitarbeiterin von Allen getheilt wird, die unserem Blatte seit langen Jahren warme Anhänglichkeit bewahrt haben, und auch die Stimme derjenigen, welche ein anspruchsloses Schaffen glaubten verurtheilen zu dürfen, weil sie es mit dem Maße unberechtigter Ansprüche messen wollten, werden verstummen der Todten gegenüber, deren jetzt abgeschlossenes Wirken so bescheiden und doch in seltenem Maße einflußreich und weitreichend gewesen.

Wir werden noch ausführlicher auf das Leben und Schaffen von E. Marlitt eingehen, welche, soweit es ihre Krankheit verstattete, noch immer beeifert war, für unser Blatt zu dichten und uns ein neues Werk ihrer schöpferischen Phantasie zuzuwenden. Heute legen wir in Wehmuth und Trauer dies flüchtige Blatt mit unserem warmempfundenen Nachruf auf ihr frisches Grab – Friede ihrer Asche!
Die Redaktion.