Ein Bild von E. Schulz-Briesen

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Titel: Ein Bild von E. Schulz-Briesen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 88
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[84]
Die Gartenlaube (1881) b 084.jpg

Zur Untersuchung.
Nach seinem Oelgemälde auf Holz gezeichnet von Eduard Schulz-Briesen.

[88] Ein Bild von E. Schulz-Briesen. (S. 84 und 85.) Das große und wohlverdiente Aufsehen, welches das heute von uns reproducirte Bild auf den jüngsten Kunstausstellungen, namentlich auf der Düsseldorfer, hervorgerufen, rechtfertigt wohl die nachfolgende Wiedergabe der Hauptdaten aus dem Leben des talentvollen Künstlers, während die frappante Anschaulichkeit des in Situation und geistigem Inhalt für sich selbst sprechenden Bildes uns von jedem Eingehen auf dasselbe dispensiren dürfte. – Eduard Schulz-Briesen wurde am 11. Mai 1831 auf Haus Anstel bei Neuß in der Rheinprovinz geboren. Bis zu seinem elften Jahre blieb er im elterlichen Hause, wo er von seiner Mutter, einer vielseitig gebildeten und namentlich musikalisch hochbegabten Frau, den ersten Unterricht erhielt. Sein Vater, ein ehemaliger Officier, hatte ihn für den Soldatenstand bestimmt und schickte den kaum herangewachsenen Knaben in’s Cadettenhaus zu Bensberg. Die erste Anregung zu seinem gegenwärtigen Berufe empfing der junge Cadett in Berlin, wo sein Sinn für die bildende Kunst derart geweckt wurde, daß er, achtzehn Jahre alt, die Akademie zu Düsseldorf bezog. Nach zweieinhalbjährigem Aufenthalte daselbst ging er nach Antwerpen, um dort seine Studien fortzusetzen. Mit besonderer Vorliebe wandte er sich hier der Portraitmalerei zu, welcher Specialität er sich lange Jahre hindurch mit besonderem Eifer widmete. Ein längerer Aufenthalt in Paris und Berlin bot ihm Gelegenheit, sich nach der technischen Seite seiner Kunst hin zu vervollkommnen, während er gleichzeitig ein scharfer Beobachter der Situationen des menschlichen Lebens wurde. Schulz-Briesen gehört zu den Wenigen, welche sich ganz aus sich selbst in individueller Eigenart entwickelten, seine Bilder „Verlorene Ehre“, „Die Copistin“, „Im Herrenstübchen“ (welches in einer der nächsten Nummern unseres Blattes im Holzschnitte reproducirt werden wird), „Differenzen“, „Streit auf dem Tanzboden“, „Der Leckerbissen“, „Jugendfreundschaft“ und „Zur Untersuchung“ (unser heutiges Bild) geben vor anderen Werken des Meisters ein beredtes Zeugniß von dessen bedeutender Begabung und hoher Kunstfertigkeit.