Eine Säcular-Erinnerung

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Textdaten
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Autor: Robert Keil
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Titel: Eine Säcular-Erinnerung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 29, S. 480
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[480] Eine Säcular-Erinnerung. Es war im Herbste 1783, als der junge Barnabitenmönch Karl Leonhard Reinhold[1] – um dem Widerspruche, in welchen er nach seiner philosophischen und religiösen Ueberzeugung zu den Gelübden und Regeln des Ordens getreten war, durch Abschüttelung peinlichster Fesseln ein Ende zu machen und sich der wissenschaftlichen Forschung ganz und frei hinzugeben – dem Barnabitenkloster in Wien entfloh und zunächst nach der protestantischen Universität Leipzig, dann aber nach Weimar, unter Karl August’s Schutz, zu Wieland sich wandte, dessen Genosse in der Redaction des „Deutschen Mercur“ er wurde und dessen Tochter Sophie er bald darauf zur Gattin nahm. Als erster und bedeutendster Schüler und Commentator des großen Königsberger Philosophen Kant erwarb er sich um die Einführung, Verbreitung und Fortbildung der kritischen Philosophie unsterbliche Verdienste. Mit dem Augenblick, als er, der geistreiche Gelehrte, der vertraute Herzensfreund Wieland’s, der treue Freund Schiller’s, den philosophischen Lehrstuhl in Jena einnahm, begann für die thüringische Universität die in der Geschichte der Universitäten einzig dastehende große Glanzperiode, und mit der Einführung und Fortentwickelung der kritischen Philosophie die durchgreifende Reform des Denkens und Strebens auf allen Gebieten der Wissenschaft.

Im Herbst dieses Jahres vollendet sich seit jener Flucht vom Herbst 1783 ein Jahrhundert. Wohl ziemt es der deutschen Wissenschaft, ja jedem Gebildeten, des bedeutungsvollen Tages in dankbarer Verehrung des großen deutschen Gelehrten zu gedenken. Der Enkel desselben, Herr Landgerichtsrath Dr. Reinhold in Weimar, hat die Veröffentlichung der noch erhaltenen werthvollen Nachlaßpapiere des Großvaters freundlichst gestattet. Ein Theil davon, die interessanten Briefe der Wiener Jugendfreunde (der Gelehrten und Dichter von Born, Alxinger, Leon und Haschka) enthaltend, wird soeben von Unterzeichnetem unter dem Titel: „Wiener Freunde 1784 bis 1808; Beiträge zur Jugendgeschichte der deutsch-österreichischen Literatur“ in Wien herausgegeben. Der übrige handschriftliche Nachlaß Reinhold’s, darunter Briefe des letzteren selbst, sowie die Briefe Wieland’s, Fichte’s, Jacobi’s, Erhard’s, Niethammer’s, Schiller’s, Lavater’s, E.’s von der Recke, der Familie Reimarus und Anderer an Reinhold, wird demnächst als größeres Werk unter dem Titel: „Wieland und Reinhold“, mit einer Lebensskizze des großen Philosophen veröffentlicht werden. Mögen beide Publicationen zur Feier seines Andenkens dienen und jedem Freunde deutschen Geisteslebens, deutscher Wissenschaft willkommen sein.

Weimar, im Juli 1883.

Robert Keil.
  1. Vergl. „Gartenlaube“ 1869, S. 568: „Zwei Mönche einer protestantischen Hochschule“. „Ein Jesuitenzögling“ etc.
    A. d. R.