Engel-Ehe

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Textdaten
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Autor: Theodor Storm
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Titel: Engel-Ehe
Untertitel:
aus: Neue Gedichte. In: Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft, 10. Band (1872) S. 540
Herausgeber: Ernst Dohm und Julius Rodenberg
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von A. H. Payne
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scan auf Commons
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          Engel-Ehe.


Wie Flederwisch und Bürste sie regiert!
Glas und Geräth, es blitzt nur Alles so
Und lebt und lacht; nur, ach, sie selber nicht;
Ihr schmuck Gesicht – dem Manne ihrer Wahl,

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Wenn ihre wirthschaftliche Bahn er kreuzt,

Gleich einer Maske hält sie’s ihm entgegen;
Und fragt er gar, so wirft sie ihm das Wort,
Als wie dem Hunde einen Knochen zu.
Denn er ist schuld an Allem, was sie plagt,

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Am Trotz der Mägde, an den großen Wäschen,

Am Tages-Mühsal und der Nächte Wachen,
Schuld an dem schmutz’gen Pudel und den Kindern.
Er aber weiß, wenn kaum der grimme Tod
Sein unverkennbar Mal ihm aufgeprägt,

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Dann wird, der doch in jedem Weibe schläft,

Der Engel auch in seinem Weib erwachen;
Ihr eigen Weh’ bezwingend, wird sie dann,
Was aus der Jugend Süßes ihr verblieb,
Heraufbeschwören; leuchten wird es ihm

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Aus ihren Augen, lind wie Sommerathem,

Wird dann ihr Wort zu seinem Herzen gehn.
Doch glaubet nicht, daß dies ihn tröste! Nein,
Den künft’gen Engel, gräulich haßt er ihn;
Er magert ab, er schlottert im Gebein,

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Er wird daran ersticken jedenfalls.

Doch eh’ ihm ganz die Kehle zugeschnürt,
Muß er sein Weib in Himmelsglorie sehn;
Die Rede, die er brütend ausstudiert,
Womit vor seinem letzten Athemzug,

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Jedwedes Wort ein Schwerdt, auf einen Schlag

Er alles Ungemach ihr hat vergelten wollen, –
Er wird sie nimmer halten; Segenstammeln
Wird noch von seinen todten Lippen fliehn.
Das Alles weiß er, und es macht ihn toll;

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Er geht umher und fluchet innerlich.

Ja, manches Mal, im hellsten Sonnenschein,
Durchfährt es ihn, als stürz’ er in das Grab.
Es war sein Weib, sie sprach ein sanftes Wort;
Und zitternd blickt er auf: „Oh, Gott sei Dank!

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Noch nicht! Noch nicht das Engelsangesicht!“