Entsagung (Uhland)

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Textdaten
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Autor: Ludwig Uhland
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Titel: Entsagung
Untertitel:
aus: Gedichte von Ludwig Uhland, Seite 155–156
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
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Originalherkunft:
Quelle: MDZ München = Commons.
Kurzbeschreibung:
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Entsagung.


Wer entwandelt durch den Garten
Bei der Sterne bleichem Schein?
Hat er Süßes zu erwarten?
Wird die Nacht ihm selig seyn?

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Ach! der Harfner ist’s, er sinkt

Nieder an des Thurmes Fuße,
Wo es spät herunterblinkt,
Und beginnt zum Saitengruße:

„Lausche, Jungfrau, aus der Höhe

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Einem Liede, dir geweiht!

Daß ein Traum dich lind umwehe
Aus der Kindheit Rosenzeit.
Mit der Abendglocke Klang
Kam ich, will vor Tage gehen,

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Und das Schloß dem ich entsprang,

Nicht im Sonnenstrale sehen.

Von dem kerzenhellen Saale,
Wo du throntest, blieb ich fern,
Wo um dich bei’m reichen Mahle

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Freudig saßen edle Herrn.

Mit der Freude nur vertraut,
Hätten Frohes sie begehret,
Nicht der Liebe Klagelaut,
Nicht der Kindheit Recht geehret.

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Bange Dämmerung entweiche!

Düstre Bäume, glänzet neu!
Daß ich in dem Zauberreiche
Meiner Kindheit selig sey.
Sinken will ich in den Klee,

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Bis das Kind mit leichtem Schritte

Wandle her, die schöne Fee,
Und mit Blumen mich beschütte.

Ja! die Zeit ist hingeflogen,
Die Erinnrung weichet nie;

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Als ein lichter Regenbogen

Steht auf trüben Wolken sie.
Schauen flieht mein süßer Schmerz,
Daß nicht die Erinnrung schwinde.
Sage das nur, ob dein Herz

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Noch der Kindheit Lust empfinde?“


Und es schwieg der Sohn der Lieder,
Der am Fuß des Thurmes saß;
Und vom Fenster klang es nieder,
Und es glänzt’ im dunkeln Gras.

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„Nimm den Ring, und denke mein,

Denk an unsrer Kindheit Schöne!
Nimm ihn hin! ein Edelstein
Glänzt darauf und eine Thräne.“