Frauentypen

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Textdaten
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Autor: Arthur Pserhofer
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Titel: Frauentypen
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 164–166
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Commons = Google-USA*
Kurzbeschreibung:
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[164]

Frauentypen.


     Die Herzlose.

Sie war bedacht mit allen Gaben,
Mit Schönheit, Geist und Witz; – allein,
Wo andre ihre Herzen haben,
Da sass bei ihr ein grosser Stein.

5
Sie glaubte nicht an reine Neigung,

Sie leugnete der Liebe Macht,
Und über jede Gunstbezeigung
Hat unbarmherzig sie gelacht.

»Nur der«, so rief sie einst beim Plaudern,

10
Könnt’ brechen meinen Widerstand,

Der unverzüglich, ohne Zaudem
Mir opfern würde seine Hand.«

Als tags darauf ein Jüngling, schaurig,
Mit abgehau’ner Hand erscheint,

15
Sagt lächelnd sie zu ihm: »Wie traurig! –

Ich hab’ die andere gemeint«



     Die Gutmütige.

Im Gatte hat mit Schmerz gehört,
Dass sie ihn kürzlich hat betrogen;
Er ist entrüstet und empört,

20
Es wallen seines Zornes Wogen.
[165]

Sie fleht ihn um Vergebung an
Und sagt in schüchternem Erröten:
»Ich hab’ es wirklich nur gethan,
Weil er mich gar so sehr gebeten«



     Die Aufrichtige.

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Verabschiedet hat sie die Gäste,

Zu Ende ist glücklich ihr Jour,
Und übrig bleibt von dem Feste
Ein einziger Leutnant nur.

Es glühen erregt seine Wangen.

30
Er lässt sich vor ihr anfs Knie,

Er will sie in Liebe umfangen,
Doch sie – sie schellt um Marie.

Marie ist eilig zur Stelle;
Sie nimmt sie bei Seite und spricht:

35
»Wenn später ich wiederum schelle,

Dann kommen sie freundlichst – nicht!«



     Die Unberechenbare.

Sie sah in ihren jungen Tagen
Zwei Werber für den Ehestand;
Sie hat den Reichen ausgeschlagen

40
Und gab dem Armen ihre Hand.


Sie hielt den heil’gen Schwur der Treue
Im ersten Jahre fest im Sinn,
Im zweiten – ebenso, aufs neue,
Im dritten – auch und weiterhin.

45
Sie blieb – ich bin kein Uebertreiber –

Sich gleich, bis sie gestorben war; –
Man sieht nur, das Geschlecht der Weiber
Ist eben unberechenbar.



     Die Abergläubische.

Sie litt an starkem Aberglauben;

50
Man mühte sich, ihn ihr zu rauben,

Und mehr als eine riet der Schönen,
Sie möge sich ihn abgewöhnen.

[166]

Allein sie sprach: »Das geht nicht gut;
Er steckt mir so in Fleisch und Blut,

55
Dass ich zum Beispiel meinen Mann

Am Freitag nicht betrügen kann.«

Arthur Pserhofer.