Friedrich Hecker (Die Gartenlaube 1873/1)

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Friedrich Hecker
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 17
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[017] Friedrich Hecker wird auch in diesem Winter Vorlesungen in Amerika halten und dann sein geliebtes Deutschland aufsuchen, um sein in der Schlacht von Chancellorsville verwundetes linkes Bein in einem deutschen Bade auszuheilen. „Sind auch Feuerherd und Dampfkessel noch im Stande,“ schreibt er dem Redacteur dieses Blattes, „so sind Kammräder, Kurbeln und Gestänge ausgeschafft und greifen nicht mehr recht. Ob die alte Maschine den Flickerlohn noch werth sei – wer weiß es, jedenfalls will ich’s probiren.“

„Wissen Sie,“ fährt er in seinem äußerst liebenswürdigen Schreiben fort, „daß mir eigentlich graut vor dem Mangel an Comforts auf Euren Eisenbahnen. Habe ich hier mein Billet für eine Reise von acht- bis elfhundert Meilen gelöst, meine Gepäckmarke erhalten und meinen Sitz im Schlafwagen gesichert, so bin ich in einem fahrenden Hôtel erster Classe, besonders wenn noch ein Speisewagen auf dem Bahnzuge sich befindet. Zur Zeit der Mahlzeiten meldet ein Aufwärter, daß das Essen bereit sei. Wer Lust und Appetit hat, verfügt sich in den Speisewagen und nimmt sein Mahl à la carte. Wer rauchen will, geht in den Rauchwagen oder den Rauchraum des Tafelwagens. Kommt Schlafenszeit, so wird der Sitz umgeklappt; Matratze, Betttücher, Decken, Kissen liefern ein gutes reines Bett, umrahmt von einem Vorhang. Vor dem Frühstück verfüge ich mich in das Waschcabinet und mache Toilette. Im Winter sind alle Wagen vortrefflich geheizt, im Sommer ventilirt. Wird mir das Sitzen lästig, so promenire ich den langen Car (Waggon) auf und ab. Frisches Wasser und Trinkgefäß findet sich in einer Ecke desselben, wie auch für alle sonstigen unaussprechlichen natürlichen Bedürfnisse gesorgt worden ist. Auf der letzten Station tritt der Gepäckmeister ein, fragt, ob ich Gepäck habe, ob ich dasselbe hier abgeliefert haben wolle und wo ich logire. Er notirt sich mein Hôtel oder meine Privatwohnung und tauscht meine Marke (check) ein. Bei der Ankunft steige ich in einen Omnibus oder eine Chaise und verfüge mich in mein Hôtel oder meine Wohnung; bald erscheint mein Gepäck; es wird mir auf die erhaltene Marke abgeliefert. Wo keine Speisewagen bei den Zügen sind (und das ist die Regel), wird an bestimmten Stationen zur Einnahme der Mahlzeiten gehalten. Das Bahnpersonal ist höflich und zuvorkommend. Damen, gleichviel welches Standes, werden mit besonderer Rücksicht behandelt.

Das Hôtel ist im Winter ganz geheizt, alle Gänge, Säle, jedes Zimmer nach Verlangen. Gaslicht ist in jedem Raume. Beim Eintritt in’s Hôtel treten Sie an den Zahltisch, schreiben Ihren Namen in ein Buch (Fremdenbuch) und erhalten Ihre Zimmernummer. Ihr Gepäck, wenn Sie wollen, sogar Hut, Stock, Ueberrock, geben Sie im Gepäckzimmer gegen Marke ab. Ein Aufwärter führt Sie in Ihr Zimmer und trägt von Gepäck, was Sie auf dem Zimmer haben wollen. Geld, Juwelen und dergleichen können Sie beim Wirthe sicher hinterlegen. Wer Sie besuchen will, giebt eine Karte am Counter (Zahltisch) ab; ein Diener bringt sie Ihnen. ‚Weisen Sie den Herrn hierher!‘ oder Sie gehen hinunter. Kein Mensch genirt Sie, bekümmert sich um Sie, wenn Sie es nicht verlangen. Sie frühstücken zwischen sieben und zehn Uhr, diniren zwischen ein und drei Uhr, soupiren zwischen drei und neun Uhr, können um neun oder zehn Uhr noch Thee nehmen.

Im Hôtel befinden sich: Eine Post-Box (Briefkasten), ein Zeitungs-, Bücher- etc. Händler, eine Rasir- und Frisirbude, Schuh- und Kleiderreinigung, Wäscherei-, Bade- und Telegraphenbureau, Salons für Herren und Damen, Lese- und Schreibzimmer, und um Ihnen das Treppensteigen zu ersparen, sind die Aufzüge da. Ein Zimmerchen mit gepolsterten Sitzen nimmt Sie auf, sofort geht das Ding auf oder ab, am Gange Ihres Stockwerkes wird Halt gemacht, eine Thür öffnet sich, Sie treten in Ihren Gang bei Ihrem Zimmer. Wollen Sie Billard und dergleichen spielen oder Einen hinter die Binde gießen, so ist dafür ein Billard- und ein Schänkzimmer vorhanden, in welchem Sie alle Arten Getränke haben können. Wollen Sie mit einem bestimmten Zuge oder Schiffe abreisen, so melden Sie es in der Office (Bureau). Sie werden zur rechten Zeit geweckt; das Frühstück ist fertig; Sie zahlen Ihre Zeche, so und so viel per Tag. Trinkgelder giebt’s nicht; der Wagen hält vor der Thür; Ihr Gepäck wird aufgeladen; Sie haben Ihren Sitz eingenommen und werden an der Bahn oder dem Schiffe rechtzeitig abgeliefert. Ich fürchte, daß man so angenehm und bequem drüben nicht reist; aber für einen alten Kerl ist das ein Hauptbedenken.“