Frohe Erwartung

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Autor: Kurt Tucholsky
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Titel: Frohe Erwartung
Untertitel:
aus: Fromme Gesänge, S. 38-39
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1919
Verlag: Felix Lehmann
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Erscheinungsort: Charlottenburg
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck in: Die Weltbühne, 10. Oktober 1918
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Frohe Erwartung


Vater Wrangel[1], jener alte gute
General von Anno Dazumal,
zog beim Klange einer Aufstands-Tute
aus Berlin, weil man es so befahl.

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     Und sie drohten ihm sein Haus zu sengen,

     seine Frau Gemahlin zu erhängen,[2]
     bis er dann zu großem Gram
     der Rebellen wiederkam.
Heftig blasend ritt man durch die Linden,

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voller Sehnsucht, seine Frau zu finden.

Weich und lind entfuhrs dem alten Knaben:
     „Ob sie ihr wohl uffjehangen haben?“

Nimmer will mich dieses Wort verlassen,
Heut noch lebt die alte Reaktion.

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Heute noch ist sie so schwer zu fassen –

Brennglas, der versuchte es ja schon.
     So viel Jahre steck ich schon im Kriege,
     denke an die Panke meiner Wiege,
     an mein Preußen, an Berlin

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     und die Junker von Malchin.

Nie vergeß ich in dem fremden Lande
Mutter Reaktion und ihre Schande.
Voller Hoffnung sinn ich oft im Graben:
     „Ob sie ihr wohl uffjehangen haben?“

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Da zu Haus, bei Vatern auf dem Boden,

liegt ein großes buntes Fahnentuch,
mitten im Gerümpel der Kommoden,
in dem Schummer voller Staubgeruch …

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     Und beim Urlaub sagte mir der Alte,
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     oben hängt er durch die Bodenspalte

     seine Fahne in den Wind,
     wenn wir erst zu Hause sind.
Das war Fünfzehn. Und bei jedem frischen
Wechsel an den deutschen grünen Tischen

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bitt ich um die schönste aller Gaben:

     „Ob sie ihr wohl uffjehangen haben?“

Anmerkungen (Wikisource)

In der Weltbühne abgedruckt mit den Zusatz:

Dieses Gedicht ist zum Teil, bei dem rasenden Tempo der Ereignisse, von gestern auf heute überholt worden. – Siehe Commons

  1. Friedrich von Wrangel (1784-1877), preußischer Generalfeldmarschall
  2. Siehe die Revolution 1848