Geschichte von Kloster Heilsbronn/Die Brauereikapelle

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[221]
10.
Die Brauereikapelle[1]

ist so fest gebaut, daß sogar am Gewölbe bis zur Stunde fast nichts gewichen ist. Ihre Länge beträgt im Lichte 96, ihre Breite 31 Fuß. Ihre Richtung ist nicht von West nach Ost, sondern von Süd nach Nord. An der nördlichen Giebelseite sieht man oben ein gothisches Thürmchen, unten ein schönes Rundfenster, an der Inseite des Knaufs einer Säule in einer Fensteröffnung die Jahreszahl 1560, dann drei byzantinische Fenster, profilirt wie diejenigen, welche von 1132 bis 1858 in der Klosterkirche vorhanden waren, in Folge der neuesten Restauration aber völlig verschwunden sind. An der südlichen Giebelseite sieht man oben ein durchbrochenes steinernes Kreuz, unten eine runde Fensteröffnung, durch welche die zum Dachraum führende Treppe erhellt wird, und das in einigen Werken als architektonisches Muster abgebildete Portal. Westlich von diesem ist die Sakristei. Im Innern der Kapelle findet man schöne Kreuzgewölbe, an diesen kunstreiche Rosetten mit Drachengewinden, Katzenköpfen und Laubwerk; ferner die Kanzeltreppe und Spuren von einem Orgelchor. Viel Wahrscheinliches hat die Vermuthung des Herrn Grafen von Stillfried, daß die Kapelle eine Primizkapelle war, in welcher die zu Priestern geweihten Mönche ihre erste Messe lasen.

[222] Die Kapelle wurde vermuthlich von dem baulustigen und baukundigen 12. Abt Rudolf erbaut, und zwar gleich bei seinem Regierungsantritt i. J. 1263. Er war unter den heilsbronner Äbten der erste, welcher die ursprüngliche Vorschrift des Ordens: Einfachheit und Schmucklosigkeit bei kirchlichen Bauten, nicht mehr einhielt. Thür und Fenster sind rundbogig byzantinisch, die übrigen Theile aber gothisch: Kreuzgewölbe mit zierlichen Schlußsteinen; außen gothische Strebepfeiler. Das eigenthümlich rundbogige Portal zeigt eine reiche Ornamentik. Daß die im Grundriß rothumgrenzte Verlängerung des östlichen Chors der Klosterkirche von demselben 12. Abt Rudolf während seiner letzten Regierungzeit in Angriff genommen, aber erst von seinem Nachfolger vollendet wurde, ist oben berichtet worden. An diesem verlängerten Chor ist alles spitzbogig, nicht so bei der Kapelle. Das gothische Thürmchen (campanile) auf dem nördlichen Giebel der Kapelle ließ 1364 der 19. Abt Arnold erbauen.[2]

Seit 200 Jahren dient die Kapelle zum Brauereibetrieb. Im Kloster war bis gegen 1400 keine Brauerei, von dieser Zeit an eine kleine, von 1553 an eine größere, indem der 31. Abt Heberlein (s. dort) ein Brauhaus erbaute, worin man aber lediglich für den Hausbedarf braute, erst für das Kloster und die Schopperische Schule, dann für die Fürstenschule und einige heilsbronnische Schenkstätten. Das Getränk war zuverlässig preiswürdig, da sich der Markgraf Albrecht Alcibiades, ein Experter, vom Abt Heberlein ausdrücklich ein Faß von diesem Bier erbat. Man braute 122 Jahre lang, bis 1631 Tilly’s Reiter das kleine Brauhaus anzündeten, worauf es 1647 völlig abgetragen wurde. Jahre lang braute man in Heilsbronn nicht mehr. Einige Jahre nach dem Kriege wurde wieder eine Brauerei eröffnet, aber nicht in einem neuerbauten Lokal, sondern in der alten Kapelle. Der Braukessel erhielt seine Stelle in der Sakristei; Malzdarre, Hopfenboden etc. wurden im Innern der Kapelle angebracht, das schöne Portal vermauert und davor eine Remise für leere Fässer erbaut. [223] Die Schlußsteine an den Gewölben innerhalb der Kapelle sind kunstvoll gehauen; zuverlässig galt dies auch von dem Schlußstein am Gewölbe der Sakristei; allein der Schlußstein mußte ausgebrochen werden, um den Rauch abzuleiten. Die zwei kleinen Fensteröffnungen wurden (1680) bis auf 4 Fuß Höhe und Breite erweitert, „damit der große Rauch und Dobel sich recht hinausziehen und das Bier sich desto besser läutern könne“. Das Braugeschäft wurde in eigener Regie fortbetrieben, bis die beiden Fürstenhäuser, um leichter abtheilen zu können, i. J. 1705 das ganze Brauanwesen für 4100 fl. an den Braumeister Hahn verkauften. Während der 1851 begonnenen Kirchenrestauration wurde die Frage angeregt: ob nicht das ganze Brauanwesen, oder wenigstens die Kapelle angekauft werden sollte, um diese für den Gemeindegottesdienst einzurichten, oder als ein interessantes Baudenkmal zu restauriren und einige Antiquitäten aus der Klosterkirche dahin zu verbringen. Allein weder das Eine noch das Andere geschah; die Kapelle blieb, was sie noch ist – Brauereikapelle. Vielleicht verdankt sie dieser Degradation ihre Erhaltung. Hätte sie sich nicht zu einem wirthschaftlichen Gebrauche geeignet, so würde sie vielleicht, wie die Katharinenkirche und andere Bauten, im zerstörungssüchtigen 18. Jahrhundert auf Abbruch verkauft, abgetragen und zu Geld gemacht worden sein.



  1. Vgl. Stillfried, Heilsbr. S. 82.
  2. Anders Stillfried S. 84.


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