Grunert

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Autor: unbekannt
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Titel: Grunert
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aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 476
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Der Schauspieler Grunert mit Anekdoten über Schiller
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[476] Grunert, der bekannte stuttgarter Schauspieler, erzählt in der Europa folgende, so viel wir wissen noch unbekannte Anekdoten aus Schiller’s Leben.

In der Karlsschule durften die Schüler am Sonntag die Weste nur mit drei Knöpfen schließen, um das Jabot breit herausstehen zu lassen; in der Woche mußten sie vier Knöpfe an der Weste schließen. Die Putzsüchtigen unter den jungen Leuten knöpften aber auch an den Schultagen nur drei zu und freuten sich über den weitausgelegten Busenstreif. Einst wurde Schiller’s Nebenmann von dem vorgesetzten Offizier darüber zurecht gewiesen und entschuldigte sich mit dem Vorgeben, der Knopf sei „zufällig aufgesprungen.“ Am andern Tage war Sonntag; Schiller hatte gedichtet und kam unbekümmert um die militärische Regel mit geschlossener Weste zur Parade. Hauptmann Schmeckenbecher macht ein finsteres Gesicht. „Schiller!“ – „Herr Hauptmann?“ – „Was ist heut’ für ein Tag?“ – „Hm – Sonntag.“ – „Mit wieviel Knöpf’ ist das Gillet am Sonntag geschlossen?“ – „Hm – mit drei.“ – „Wieviel hat Er zu?“ – „Ich? – eins – zwei – drei – vier.“ – „Wie kommt das?“ – „Ah – ’s ischt mir einer zugesprunge!

Als er an den Räubern arbeitete, und auch gerade einiges daraus vorlas, wurde er vom Hauptmann Schmeckenbecher unterbrochen, der seine Visitation hielt. Ein ernster Verweis über die laute Unterhaltung reizt den aufgeregten Dichter und als Schmeckenbecher zur Thür geht, fährt jener mit den Worten heraus: „So einen Hauptmann schnitz’ ich mir aus ’ner gelben Ruben!“ – Aber der Hauptmann hatte es gehört. Am andern Morgen traten die Schüler in Reih’ und Glied, denn der Herzog erscheint. Er mustert sie lange; endlich ruft er: „Schiller!“ – Schiller tritt vor. – „Hat Er gesagt, so einen Hauptmann schnitz’ ich mir aus einer gelben Rübe?“ – „Ew. Durchlaucht, ich kann’s nicht leugnen.“ – „Schmeckenbecher, laß’ Er eine gelbe Rübe und ein Messer holen.“ – Eine Pause tritt ein. Der Herzog steht vor Schiller; dieser blickt zur Erde; endlich wird gelbe Rübe und Messer gebracht und auf einen Wink des Herzogs in Schiller’s Hände geschoben. – „Nun schnitz’ Er mir einmal einen heraus!“ – Schiller, feuerroth, beginnt in der Verlegenheit an der Rübe zu schnitzeln; Alles staunt; auch der Herzog, auf sein spanisches Rohr gestützt, sieht verwundert zu und sagt nach einer Weile halblaut zu seinem Adjutanten: „Es wäre doch verflucht, wenn er einen herausbrächte!