Gustav Theodor Drobisch

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Gustav Theodor Drobisch
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 17, S. 288
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Nachruf auf Theodor Drobisch
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[288] Gustav Theodor Drobisch, der bekannte Dichter und Humorist, Journalist und Kunstkritiker, der am Morgen des 15. April in Dresden gestorben ist, gehört zu den Schriftstellern, die schon als Sturmvögel der achtundvierziger Revolution mit dem Gründer dieses Blattes, dem unvergeßlichen Ernst Keil, in Beziehung standen. Drobisch betheiligte sich nicht blos an dem am meisten verfolgten Blatte jener Zeit, dem Keil’schen „Leuchtthurm“, sondern später auch am „Dorfbarbier“ Ferdinand Stolle’s und an der „Gartenlaube“ – und so sei in letzterer nun auch seinem Andenken ein Blatt gewidmet.

Dresden ist die Vaterstadt unseres Todten – er wurde dort am 26. December 1811 geboren. Aber schon vom sechsten Lebensjahre an war Leipzig, wo sein Vater Orchestermitglied geworden, sein Wohnsitz und blieb es bis 1860. Sein Jugendschicksal war das eines sogenannten „armen Teufels“. Trotz trefflicher Gymnasialbildung mußte er vom Studium der Rechtswissenschaft abstehen, weil er dazu die Mittel nicht erschwingen konnte, und so ward er auf den Weg der „problematischen Existenzen“, das heißt zur Schriftstellerei gedrängt. Wie viele hunderte vor ihm, so trat auch er zuerst mit einem Bändchen „Dichtungen“ (Leipzig, 1836) vor das Publicum; das Honorar dafür reichte gerade hin, daß er sich einen anständigen Rock kaufen konnte. Um auch Brod zu verdienen, ging er aus Verzweiflung zum Theater, aber obwohl er sogleich zum „Major Storkow“ (in Holtei’s „Leonore“) avancirte, kehrte er doch zum Schreibtisch zurück. Wohl eine Frucht seiner Bühnenerfahrungen waren seine Fragmente über „Ludwig Devrient’s erste Schritte auf seiner künstlerischen Laufbahn“. Zu einem gesuchten Schriftsteller erhob ihn jedoch erst seine „Denkrede an Schiller“, welche am Schiller-Feste zu Leipzig 1841 Aufsehen erregte. Von da an war er ein beliebter Mitarbeiter an vielen Zeitschriften und bald selbst Redacteur, so seit 1845 an Sternau’s „Deutscher Damenzeitung“, dann an Oettinger’s „Charivari“ und an Herloßsohn’s „Komet“; die „Zeitung für die elegante Welt“ redigirte er von 1848 bis 1860, wo er endlich nach Dresden zurückkehrte, um auch dort den Redactionsstift weiter zu führen. Er war erst Mitredacteur der „Dresdener Nachrichten“, die ihm wesentlich ihren Aufschwung in den sechsziger Jahren verdanken, und seit 1872 der „Dresdener Presse“. Eine Aufzählung der Werke unseres Todten würde hier zu weit führen. Er hat in allen Formen poetischen Schaffens, auch den dramatischen, gearbeitet, das Beste aber im humoristischen Liede geleistet. Seine Lieder und Couplets, meist von Lortzing und Stegmayer in Musik gesetzt, haben Unzähligen fröhliche Stunden bereitet. Auch sein „Ameisenkalender“, den er achtundzwanzig Jahre lang bearbeitet hat, brachte ihn den an seinem Humor sich erheiternden Volkskreisen freundlich nahe, und so hat Theodor Drobisch so viel Liebe geerntet, daß er im Herzen des Volkes noch lange eine sichere Stätte behalten wird.