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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (Fontane)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Theodor Fontane
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Titel: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 318–319
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum: 1889
Erscheinungsdatum: 1905 [Erstdruck 1889]
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
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Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
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Quelle: Scan auf Wikimedia Commons
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[318]
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit,
Und die Birnen leuchteten weit und breit,

5
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Thurme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: „Junge, wist’ ne Beer?“[1]
Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,

10
Kumm man röwer, ick hebb’ ne Birn.“[2]


So ging es viel Jahre, bis lobesam[3]
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit,

15
Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit in’s Grab.“
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus[4],
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner[5], mit Feiergesicht

20
Sangen „Jesus meine Zuversicht“

Und die Kinder klagten, das Herze schwer,
„He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?“[6]

So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,

25
Der neue freilich, der knausert und spart,

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt,

[319]
Aber der alte, vorahnend schon

Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er that,

30
Als um eine Birn’ in’s Grab er bat,

Und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

35
Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ über’n Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: „wiste ne Beer?“
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn,

40
Kumm man röwer, ick gew’ Di ’ne Birn.“


So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Junge, möchtest du eine Birne? (niederdeutsch, märkisches Platt)
  2. Kleines Mädchen, komme mal herüber, ich habe eine Birne.
  3. lobenswert, verdienstvoll
  4. Doppeldachhaus: Haus mit Krüppelwalmdach. Dieses Haus von 1822 wurde abgerissen und 1893 durch ein schlossartiges Gebäude ersetzt [1].
  5. Büdner sind Häusler, also Bewohner kleiner Häuser (Buden) ohne eignes Ackerland.
  6. Er ist nun tot. Wer gibt uns jetzt eine Birne?

Weiterführende Literatur

  • Fabian, Franz: Die Geschichte vom alten Birnbaum. In: Fontane-Blätter 6, 1987, H. 5, S. 505-510.
  • Hirschenauer, Rupert u. Weber, Albrecht (Hg.): Wege zum Gedicht, Bd. 2: Interpretationen von Balladen. 1964. Darin S. 408-412: Haas, Adam: Theodor Fontane. "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland".
  • Küpper, Thomas: "...leuchtet's wieder weit und breit". Zur Popularität der Ribbeck-Ballade. In: Fontane-Blätter 1999, H. 67, S. 106-121.
  • Selbmann, Rolf: Die simulierte Wirklichkeit. Zur Lyrik des Realismus. Bielefeld: Aisthesis 1999. 159 S. [S.107-119: zu Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland].
  • Wruck, Peter: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. In: Scheuer, Helmut (Hg.): Interpretationen. Gedichte von Theodor Fontane. Reclam, 2001, S.194-217.

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