Hexenprocesse in Westafrika

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Titel: Hexenprocesse in Westafrika
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 100
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Aberglaube und Hexenverfolgungen in Westafrika, geschildert nach Reinhold Buchholz
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[100] Hexenprocesse in Westafrika. Reinhold Buchholtz, dessen „Reisen in Westafrika“, aus seinem Nachlasse herausgegeben, erhöhtes Interesse gewonnen haben, seitdem das deutsche Reichsbanner in Kamerun weht, berichtet, daß bei den Negerstämmen der Bakhari und Dualla Hexenprocesse ganz üblich sind. Die Theologen und Juristen der Reformationszeit, welche sich selbst durch die Gräuel solcher Processe schändeten, finden also jetzt Genossen unter den Häuptlingen der schwarzen Männer: der Aberglaube, aus welchem die Hexenprocesse entstanden, hängt also nicht mit dem Christenthum und seiner Lehre vom Teufel zusammen; er scheint aus der Menschennatur selbst, aus ihren Schwächen und Schattenseiten hervorzugehen; sonst würde er sich nicht in allen Zonen finden. Ist bei jenen Stämmen Jemand gestorben oder erkrankt, so muß ihn durchaus Einer behext haben, oder dieser hat, wenn der Tod etwa durch eine Schlange oder ein Krokodil oder einen Leoparden erfolgt ist, das Thier dazu behext. Der Beschuldigte muß dann eine Abkochung von einem giftigen Holz trinken. Giebt er das Gift durch Erbrechen von sich, so ist er unschuldig; im anderen Falle stirbt er am Gift oder er wird umgebracht. Eine eigene Art von Gottesurtheil – statt der Feuerprobe die Giftprobe!

Auch sonst sind diese Völker sehr abergläubisch. Amulette, Zaubertränke gegen Krankheiten, Zauberceremonien zur Erreichung bestimmter Zwecke spielen bei ihnen eine wichtige Rolle. Vor den weißen Leuten haben sie eine große Scheu, und namentlich beschriebenes Papier halten sie für einen Fetisch, der den Ort oder Gegenstand zu einem „Tabu“ macht.

Als Buchholtz einmal einen schwerverwundeten Kranken verband, war ihm ein Stückchen Papier aus der Tasche gefallen. Als er später den Kranken wieder besuchen wollte, fand er ihn nicht mehr im alten Hause: er war ausquartiert worden, weil das Haus „bezaubert“ sei. Ihm aber wurde das Stückchen Papier feierlichst wiedergegeben; ja er wurde durch einen von den Negern abgesandten Boten ausdrücklich gebeten, auf seinen Spaziergängen doch nicht Papierstückchen zu verstreuen, weil sie sonst diese Wege und Orte meiden müßten.

Wohin müßten die armen Neger bei uns flüchten, wo das behexte „beschriebene Papier“, das hier alle Staaten und alle Köpfe regiert und schon den widerwilligen Kleinen gewaltsam aufgedrängt wird, ihnen auf Schritt und Tritt im Wege sein würde?