Im Heim zweier Edlen

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Titel: Im Heim zweier Edlen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 764–767
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Im Heim zweier Edlen.


Zu den schönsten Partien in Meißens Umgebungen gehört Schloß Siebeneichen, berühmt durch seine höchst malerische Lage und seine herrlichen Anlagen. Während der Sommer- und Herbstmonate von Tausenden von Fremden und Einheimischen besucht, entbehrt es zwar jener Romantik, an die sich wüstes Ritter- und Raubwesen knüpft, begnügt sich aber dafür mit dem Rufe eines wahren Edelsitzes, wenn wir darunter eine Stätte begreifen, wo reinster Patriotismus herrschte und gepflogen wurde, wo Künste und Wissenschaften einen traulichen Herd fanden. Die Namen Gellert, Fichte, Novalis und Theodor Körner sind eng mit der Geschichte Siebeneichens verbunden.

Vom Wirthschaftshofe durch Parktheile abgesondert, ragt das große burgmäßig gethürmte Schloß mit Doppelflügeln ältern und neuen Baues majestätisch empor. Es liegt auf einem zwischen zwei tiefen Waldschluchten hervorspringenden felsigen Bergrücken, der eine Höhe von hundertfünfzig Fuß über dem Elbthale hat. Siebeneichen war ehemals eine Meierei des Frauenklosters „Zum heiligen Kreuz“ bei Meißen, dessen Ruinen sich bis heute erhalten haben. Im Jahre 1535 wurde das Kloster säcularisirt und Siebeneichen vom Herzog Moritz seinem Landeshauptmann Ernst von Miltitz käuflich überlassen. Seitdem befindet es sich als Mannslehen im Besitze dieser Familie.

Ernst von Miltitz erbaute 1545 das Schloß, dessen einer Theil noch heute – in Verbindung mit dem neuern Anbau – ein stattliches Ganze bildet. Jenen Anbau errichtete Heinrich Gottlob von Miltitz nach Abtragung des vordern Theils des Schlosses 1745 in modernem Stile. Die Grabplatte des Erbauers – er kniet mit einem anderen Ritter, wie unsere Abbildung zeigt, darauf in voller Rüstung vor dem Erlöser – ist nebst anderen Denksteinen in eine der Mauern des Schloßhofs eingefügt worden und trägt folgende jene Zeit charakterisirende Unterschrift in Versen:

„Der Gestreng und Erenvest,
Ernst von Miltitz gewest,
Vier Fürsten von Sachsen Rath,
Dazu ihn Gott verordnet hat,
War lang Marschall und Statthalter,
Des Rechts ein treuer Verwalter,
Kein’ Ritterzug ließ er sich dauern,
Half kämpfen die aufrühr’schen Bauern,
Gar stattlich ziert er seine Bäu,
Siebeneichen baut er ganz neu,
Zahlt er barlich ohne alle Schuld,
Sein Kreuz erträgt er in Geduld,
Bis daß ihn Gottes Gnade rief,
Und er züchtig im Herrn entschlief,
Sein Leib starb und verweset doch,
Sein’ Seel’ und guter Nam’ lebt noch.“

Der ausbrechende siebenjährige Krieg brachte schlimme Zeiten. Sowohl Oesterreicher wie Preußen (das Freicorps Lentulus) hielten in Siebeneichen abwechselnd ihre Winterquartiere. Von häufigen [765] Gefechten in dieser Gegend zeugen noch heute die hier und da aufgefundenen Kanonenkugeln und Ueberreste von Schanzen. Von den Besitzern verlassen (sie hatten sich auf andere Güter, wie Oberau etc., zurückgezogen), stand das schöne Schloß sieben Jahre lang leer und verlassen, bis es Ende des vorigen Jahrhunderts wieder ein dauernder Wohnsitz der Familie wurde. General Dietrich von Miltitz schuf den schönen Park und stattete das Innere des Hauses mit Geschmack und Kunstsinn aus, so daß es zu Dem wurde, was es heute ist, zu einer Freude für alle Besucher. Der jetzige Besitzer, Georg von Miltitz, Sohn des 1853 verstorbenen Generals, pflegt und erweitert in gleichem Sinne die Schöpfungen seiner Vorfahren, so daß Siebeneichen wohl als einer der schönsten Familiensitze Sachsens gelten muß.

Bei einem Rundgange durch’s alte Schloß betreten wir zuerst die Waffenhalle, welche mit alten Armaturstücken, meist der Familie von Miltitz angehörig, sowie einigen dergleichen Erinnerungen aus den Jahren 1813, 1866, 1870 und 1871 geschmückt ist. Familienbilder aus dem sechszehnten und siebenzehnten Jahrhundert haben neben dem historischen meist auch einen künstlerischen Werth, wie das Mobiliar, das aus gleicher Zeit stammt. Durch einen niedrigen Spitzbogen gelangen wir in des Besitzers Wohnzimmer, das mit einem schönen Plafond von Tiroler Zirbeltannenholz geschmückt ist, sodann in das daranstoßende Schreibzimmer (mit antikem Mobiliar und Holzbildhauerarbeiten von den Familiengrabmälern aus der St. Afrakirche in Meißen) und in die Bibliothek. Der Familien- oder Fürstensaal, den wir zunächst betreten, ist der größte und ansehnlichste des Schlosses. Hier befinden sich die Originalbildnisse sächsischer lutherischer Fürsten, sehr werthvolle Glasmalereien, seltene alte Hirschgeweihe und als ein Werk neuester Zeit ein Abguß von Rietschel’s lebensgroßer Pietà. Der daranstoßende Thurmerker, in Capellenform gehalten, ist durch vorzügliche altfranzösische Glasmalereien und altdeutsche Bildschnitzereien geziert, vor Allem aber durch ein Familiengemälde von Lucas Cranach. Die Aussicht von hier auf die berühmte Albrechtsburg, die hoch über dem Elbstrome thront und aus lachender Umgebung ernst und gebietend in den freien Horizont hinausragt, ist wahrhaft entzückend, und wir erinnern uns kaum, etwas Anmuthigeres und zugleich so Bedeutendes gesehen zu haben. Ein kleines Museum von Werthstücken aus der Stein- und Bronzeperiode, von Sammlungen chinesischer und indischer Alterthümer, vor Allem aber sehr werthvoller Kupferstiche möge unsern Rundgang im alten Schlosse schließen, den wir aus begreiflicher Discretion im neuen Schlosse nicht allzu sehr ausdehnen wollen. Vorzügliche Familienportraits von Hartmann und Schönau, namentlich aber von Anton Graf, begegnen uns hier, sowie im Salon der Dame des Hauses, der sich durch eine besonders schöne Aussicht auf das ganze Elbthal auszeichnet, sehr gute Landschaften neuerer Meister, Cabinetsstücke alten Meißener Porcellans, werthvoller Schnitzereien, Nippes etc. Der Speisesaal zu ebener Erde mit Austritt auf die Terrasse enthält neben vorzüglichen neueren Gemälden einen herrlichen van der Neer. Das so malerische kleine Jägerhaus, am Ausgange des Parks gelegen, dürfte wenige Altersgenossen haben, denn es wurde jedenfalls mit dem Schlosse erbaut, steht also schon über dreihundert Jahre.

Zweien Besitzern von Siebeneichen war es vom Schicksale vergönnt, wenn auch geräuschlos, so doch nicht minder wirkungsvoll in der Geschichte Deutschlands eine Rolle zu spielen, dem Einen auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft, dem Anderen auf dem der Politik. Ernst Haubold von Miltitz war der Freund und Gönner Gellert’s, der Erzieher und Beschützer Fichte’s, und „dies Verdienst (sagt Hermann Marggraf), ein bedeutendes, vielverheißendes Talent zu erkennen, aus der Menge hervorzuziehen und für seine Entwickelung Sorge zu tragen, ist so groß wie irgend ein anderes“. Mit diesen Worten dürfte wohl das Urtheil des gebildeten Theiles der Nation übereinstimmen.

Haubold von Miltitz, geboren 1739 auf dem damals Miltitzischen Gute Oberau bei Meißen, war ein Mann von wahrhaft religiöser Gesinnung, woraus sein überaus inniger Verkehr mit Gellert, der ihn seinen Lieblingsschüler nannte, abzuleiten ist, wie auch ein späteres Ereigniß (seine Begegnung mit Fichte), das für die Entwickelung deutschen Geistes und deutscher Wissenschaft wichtig werden sollte.

Aus sechs Originalbriefen Gellert’s, die uns aus dem Archive von Siebeneichen zur Benutzung für die Gartenlaube gütigst überlassen wurden, wollen wir den letzten wählen, der uns insofern als der interessanteste erscheint, als er das Verhältniß beider Männer zu einander, wie die kleinen Gewohnheiten des edeln Fabeldichters selbst, nicht treffender charakterisiren könnte. Dieser Brief lautet:

„Wohlan, theuerster Miltitz! Ich will es in Gottes Namen wagen und meine Pfingstfeyertage in Oberau, in einem so guten und frommen Hause zubringen, und die Freuden des Umgangs, der Freundschaft und des Frühlings nicht sowohl genießen, als kosten. In der That bekommen Sie und Ihre würdige Gemahlin einen elenden Gast; aber was ich verderbe, das wird Wagner und seine Frau, das wird der Hofrath Knebel wieder gut machen. Meine Getränke früh und bei Tische bringe ich mit. Ein Paar Hauptgerichte, bester Herr von Miltitz, die ich alle Tage, die ich Winter und Sommer, die ich wie Arzney esse, sind Spinat, in nicht fetter Fleischbrühe, ohne Würze und Alles, gekocht. Diesen esse ich als Grünkraut Abends, ehe ich Fleisch esse. Das andre Gerichte ist gebacknes oder getrocknetes Obst, nämlich Pflaumen und Aepfel; diese esse ich ohne Zucker alle Mahlzeiten, etwan eine Mantel zusammen. – Finde ich in meiner Kammer ein leichtes, leichtes Deckbette, und einen Großvaterstuhl, nun so dürfen Sie weiter für nichts sorgen. Freitags, so Gott will, gehe ich bis Kreppendorf bey Hubertsburg zu dem Herrn von Zobel, bleibe die Nacht daselbst und denke Nachmittags zu guter Zeit bei Ihnen in Oberau einzutreffen, und etwan um drey Uhr in Meißen zu sein; Gott gebe glücklich!

Ihrer Frau Gemahlinn und Fräulein Schwester empfehle ich mich schriftlich zu Gnaden, bis ich’s bald persönlich zu thun das Glück haben werde.

     Leipzig, den 9. Mai 1769.

Der Ihrige,
Gellert.

Sollte ein unüberwindliches Hinderniß vorfallen, nun, so schreibe ich morgen Abend mit der reitenden Post. In meiner Stube bitte ich mir aus: eine Bibel und etliche historische Schriften.“

Der Brief ist, wie die übrigen, auf sehr grobes, aber auch sehr festes Conceptpapier geschrieben. Orthographie und Interpunction sind in der obigen Wiedergabe genau wie im Original. Zum Andenken an diesen Besuch Gellert’s wurden dessen Lieblingsplätze im Oberauer Park mit Denksteinen versehen, die noch jetzt in pietätvoller Erinnerung gehütet werden.

Ein zweiter, nicht minder wichtiger Moment im Leben Haubold’s von Miltitz ist seine Begegnung mit dem Philosophen Fichte. Wir theilen dieselbe so gedrängt wie möglich mit, und zwar nach mündlichen Mittheilungen seines Enkels, des jetzigen Besitzers von Siebeneichen, Georg von Miltitz, der sich noch Fichte’s aus der Knabenzeit erinnert und ihn als einen Mann von martialischer, untersetzter Figur und geröthetem Angesicht schildert.

Als einst an einem Sonntage Ernst Haubold seinen Schwager, den Grafen von Hoffmannsegg, in Rammenau in der Oberlausitz, besuchte und dort eine Predigt des als Kanzelredner berühmten Adam Gottlob Wagner hören wollte, war es zu spät zur Kirche geworden. Diese Versäumniß bei Tische beklagend, empfahl ihm der Schwager seinen Kuhjungen, der die Predigt vom Anfang bis zum Ende ziemlich unverändert wiedergeben würde. Haubold ließ ihn kommen. Der Knabe entsprach den Erwartungen und erregte seines andächtigen Zuhörers lebhafte Theilnahme. Dieser entriß ihn seinen Kühen, nahm ihn zuerst nach Siebeneichen und vertraute ihn darauf dem Prediger Gotthold Leberecht Knebel im Dorfe Niederau zur Erziehung und Lehre. Hier verlebte der glückliche Schützling seine schönsten Jugendjahre und wurde in Folge getroffener Verfügungen seines Gönners, der ein halbes Jahr früher starb, als der Knabe den Pfarrer Knebel verließ, auf der Fürstenschule zu Pforta und wahrscheinlich auch noch auf der Universität unterstützt, hauptsächlich wohl von der Familie Miltitz, dann auch von der Gräfin Hoffmannsegg und von dem Salinendirector von Hardenberg in Weißenfels, dem Vater des Dichters Novalis. Der Knabe hatte keine anderen Hülfsquellen als die genannten. Er besuchte noch als Student und Privatdocent den Sohn seines Gönners, Dietrich von Miltitz in Siebeneichen, der lange mit

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Die Gartenlaube (1873) b 766.jpg

Schloß Siebeneichen bei Meißen.
Originalzeichnung von Herbert König.

[767] ihm befreundet blieb, ihn nie aus den Augen ließ und selbst unterstützte, seit er seine Güter angetreten hatte. Der frühere Kuhjunge bewahrte aber auch der Miltitz’schen Familie eine unauslöschliche Dankbarkeit. Er hieß – Johann Gottlieb Fichte.

Nächst Haubold von Miltitz gehört zu den hervorragendsten Repräsentanten der Familie ein Mann von seltenen Gaben, der oben bereits als Schöpfer des Parkes zu Siebeneichen erwähnte Dietrich von Miltitz. Wir überspringen alle Privat- und Familienverhältnisse desselben und eilen jener großen Zeit zu, da jedes Patrioten Herz die schwersten Sorgen belasteten. Die Knechtschaft, in der das große deutsche Vaterland unter französischem Joche seufzte, und dabei die Versunkenheit des kleinen sächsischen Vaterlandes bewegten Dietrich von Miltitz auf das Schmerzlichste und nahmen einen großen Theil seiner Thätigkeit in Anspruch. Der wärmste Vaterlandsfreund, gesellte er sich jenen Deutschen zu, die anfangs zwar nur im Geheimen arbeiteten, sich aber später offen durch Rath und That, zuletzt durch Opfer aller Art, ja durch Hingebung von Blut und Leben um die Befreiung des Vaterlandes Verdienste erwarben und in unvergänglichem Glanze vor ihrer Nation dastehen. Männer, wie Pfuel, Kleist, Carlowitz, Thielemann, Fichte, Kielmannsegg, Körner, Vater und Sohn[1], De la Motte-Fouqué, G. Geßler und Andere, waren seine Freunde und fanden zu Siebeneichen ein Asyl für ihre stille politische Thätigkeit gegen Napoleon. Wissenschaftliche, in Gemeinschaft betriebene Arbeiten liehen hierzu den so nöthigen Deckmantel.

„Es giebt ausgezeichnete Menschen,“ sagt Adolf Peters, der Biograph Dietrich’s von Miltitz, „deren schöpferische Thätigkeit sich nicht nach augenscheinlichen Ergebnissen messen, nicht in einer Reihe glänzender Einzelthaten aufzählen läßt, wohl aber, wenn auch im Stillen, doch nachweisbar, die große Summe weltgeschichtlicher Entwickelungen bilden hilft. Zu diesen gehörte General Dietrich von Miltitz.“ Wem aber dieses Urtheil noch nicht vollwichtig und maßgebend genug erscheinen dürfte, dem citiren wir eine Stelle aus einem Briefe Stein’s an die Gräfin Reden, welche lautet: „Ich freue mich sehr, daß O. (damals Obrist) Miltitz Ihre Bekanntschaft gemacht hat. Er besitzt den edelsten Charakter, den er in dem verhängnißvollen Jahre 1813 bewährte, wo er im März und in den unmittelbar folgenden trüben Tagen Gut und Blut freudig für die gute Sache einsetzte und 1814 sehr wohlthätig durch Einfluß und Beispiel auf sein Vaterland einwirke, und er gehört zu denen sehr wenigen, die sich ohnverändert tüchtig, rein und edel bewährten. Versichern Sie ihn, meine vortreffliche Freundin, ich bitte Sie, meiner höchsten Achtung und Freundschaft“ (vom 7. Januar 1817). Im April dieses Jahres wurde von Miltitz General, und Stein fügt im Herbst desselben Jahres in einem zweiten Briefe an dieselbe Freundin noch die bekräftigende Aeußerung hinzu: „General Miltitz ist einer der edelsten vortrefflichsten Männer, die ich in meinem ziemlich erfahrungsreichen Leben kennen lernte.“

Die militärische Wirksamkeit Dietrich’s begann mit der schwierigen Aufgabe einer Mittelsperson zwischen der feindlichen Armee und der von den Durchmärschen betroffenen sächsischen Bevölkerung, wobei er sogar einmal gegen den Herzog von Braunschweig-Oels den Degen zog, als dieser sich allzu hart gegen die Sachsen aussprach. Doch der edle Braunschweiger, in Miltitz den deutschen Patrioten hoch achtend, reichte ihm versöhnlich die Hand. Im Anfang des Jahres 1813, als die Vorhut der befreienden Preußen und Russen sich Dresden näherte, sprach sich von Miltitz, wohl wissend, daß es sich hierbei um sein persönliches Sein oder Nichtsein handelte, rücksichtslos für die gute Sache aus und widmete ihr allein seine Kräfte. Mitten in den Zwiespalt zweier großer menschlicher Pflichten gestellt, fühlte er sich durch Gesinnung und ihm heilige Ueberzeugung getrieben, der Pflicht für das große Vaterland den Vorrang zu geben vor der Obliegenheit für das kleinere, und schuf deshalb seine sächsische Zwischenstellung mehr und mehr zu einer deutschen Sonderstellung um, während König und Heer noch in französischen Reihen fochten. 1814 führte von Miltitz nächst dem General Carlowitz das Banner der freiwilligen Sachsen. Als Gouvernementsrath reiste er zweimal nach Wien, um durch Denkschriften und Vorstellungen die drohende Zerstückelung Sachsens abzuwenden, und als im Februar 1815 der Congreß die Theilung Sachsens aussprach, kam von Miltitz sofort um seinen Abschied ein und trat als Oberst in preußische Dienste. 1830 nahm er als Generallieutenant seinen Abschied.

Der Geist dieses ausgezeichneten Mannes und Patrioten lebt in den Söhnen fort, und seine Spuren finden sich noch in den schönen Räumen Siebeneichens. Selbst den Park durchweht noch heute dieser Geist, denn jene bronzene Säule mit dem Adler wurde erst vor zwei Jahren „den siegreichen deutschen Kriegern errichtet“, unsern Wächtern am Rhein.

  1. Theodor Körner, damals auf der Bergakademie zu Freiberg, kam gewöhnlich in schwarzem Schnurrock mit der Guitarre nach Siebeneichen. Er wird von einem Augenzeugen als ein feuriger Bursche geschildert, mit schwarzem Haar, dunklen Augen und frühzeitigem Bartwuchs.