Juleber

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Textdaten
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Autor: A. T.
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Titel: Juleber
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aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 877, 892
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[877]
Die Gartenlaube (1890) b 877.jpg

Juleber.
Nach einer Zeichnung von A. Zick.

[892] Juleber. (Zu dem Bilde S. 877.) Wenn es Weihnacht wird in nordischen Landen, da sind viele Hände geschäftig, den Juleber (oder Julbock, Julbröd, Gumsebröd, Julgalt) zu bereiten. Inmitten von Schinken, Käse, Butter, Bier und Branntwein bleibt er bis St. Kanut auf der Tafel stehen. Hie und da macht ihm die Julkeule (Julklubba) Konkurrenz, die an einem Bande über dem Tisch befestigt ist und mit der man mannigfache Spiele spielt. Am liebsten ißt man Schinken zum Julbröd, denn dies ist ja kein wirklicher Eber mehr, sondern nur ein Gebäck von feinem Mehl, auf dem ein Eber mit zwei Stoßzähnen oder bisweilen auch ein Widder mit zwei Hörnern abgebildet ist.

Einstens war es anders. Da briet zur Julfeier ein wirklicher Eber am Spieß über dem Herdfeuer, und als in späterer Zeit die Eber seltener zu werden begannen in den nordischen Wäldern, da zogen die Mannen der einzelnen Höfe bereits acht Tage vor dem Feste aus, um ein Stück des seltenen Wildes für das Fest zu erbeuten.

Der Brauch des Eberschmauses zur Wintersonnenwende reicht in urgermanische Zeit zurück; findet er sich doch auch bei dem nordwestlichen Zweige der Westgermanen, in Großbritannien. Dort ist vielfach noch heute der festgeschmückte Eberkopf das Hauptgericht des Weihnachtsmahles; mit Myrthen, Rosmarin und Lorbeer geschmückt, wird er aufgetragen, und in Oxford knüpfen sich noch heute Umzüge an den Brauch des Julebers.

Einstens hatte der Eber beim Julschmaus eine hohe Bedeutung. Ueber ihm reichten sich die Männer die Hände und gelobten, Thaten zu vollbringen. Und was einer hier gelobt hatte, das mußte er halten, wenn er nicht für ehrlos gelten wollte. Vor anderthalb Jahrzehnten hat Felix Dahn diesen Zug benutzt, um den Knoten zu schürzen in seinem kleinen nordischen Roman „Sind Götter?“ Aber schon vor mehr denn siebenhundert Jahren besang die Bibel der Altisländer, die Edda, ein verhängnißvolles Gelöbniß beim Juleber.

Helgi, der Sohn Hjövards, war ein großer König und gewaltiger Kriegsheld. Seine Braut war Swawa, eine Walküre, die in der Schlacht die dem Tode Verfallenen kieste und mit ihrem Schild die Helden schützte, denen die Nornen noch längeres Leben im Sonnenschein gewährten. Da saß Helgis Bruder Hedin mit den Seinen am Julabend beim festlichen Eberschmause. Der Becher Bragis ging herum, und sie gelobten über dem Sühneber künftige Großthaten. Alle waren große Helden, und einer überbot den andern in seinem Gelöbniß. Da gab eine Hexe, die dem Hedin grollte, ihm ein, über dem Eber zu geloben, daß er Swawa, seines Bruders Braut, heimführen wolle. Das unbesonnene Wort war gesprochen, und er war gezwungen, sein Wort zu lösen. Er gesteht es seinem Bruder:

„Böseres that ich als Bannbestraftes:
Gelobend erkor ich die Königstochter
Beim Bragitrunke, die Deine Braut ist!“

und dieser, der seinen baldigen Tod in der Schlacht ahnt, zürnt ihm nicht. Helgi wird im Kampfe gegen König Alf tödlich verwundet. Sterbend bittet er Swawa, seines Bruders Braut zu werden. Doch diese hat sich einzig ihm verlobt und stirbt mit ihm.

Von beiden aber geht im Norden die Sage, daß sie zum Lohn für ihre Treue in der Welt der Seligen wiedergeboren seien.
A. T.