König Hadding’s Herz wird müde

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Textdaten
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Autor: Wilhelm Hertz
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Titel: König Hadding’s Herz wird müde
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 146–148.
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Hoffmann und Campe
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Commons = Google
Kurzbeschreibung:
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[146]

König Hadding’s Herz wird müde[1]

In öder Hall’ um Mitternacht
Der alte König sitzt und wacht;
 Seine Helden sanken im Kampfgewühl,
 Dem Alten wird’s im Saale so schwül;

5
 König Hadding’s Herz wird müde.


„Und sind meine Helden erschlagen all’,
Was sitz’ ich allein in der öden Hall’?
 Und soll ich hinsterben wie ein Weib?
 O weh’, du alter Heldenleib!

10
 König Hadding’s Herz wird müde.
[147]

Kein Berserk haust um Nordlands Seen,
Der König Hadding mag besteh’n;
 Schildklang und Holmgang bleiben fern, –
 Und König Hadding stürbe so gern!

15
 König Haddings Herz wird müde.“


Doch ehe noch sein Wort entschwand,
Da pocht’s an’s Thor mit ehrner Hand.
 „Herr König, habt Ihr Lust zum Streit,
 So dünkt’s mich just die rechte Zeit!“ –

20
 König Hadding’s Herz wird müde.


„Ist Euch Swibhagar’s Nam’ bekannt?
Ihr nahmt ihm Leben einst und Land!
 Auf dem Haupte tragt Ihr Dymin’s Kron’ –
 Und ich, ich bin Swibhagar’s Sohn!“ –

25
 König Hadding’s Herz wird müde.


Da schnürt der Held sein Eisenkleid:
„Ihr Schildesjungfrau’n, seid bereit!“
 Sie ringen Schild an Schild gestemmt,
 Ihn schlug der Knab’ durch’s Panzerhemd. –

30
 König Hadding’s Herz wird müde.


Doch wie er fühlt so guten Schlag,
Sein Herz in Scham und Stolz erschrak:

[148]

 Er senkt den Schild und hebt die Hand, –
 Der Knabe taumelt in den Sand.

35
 König Hadding’s Herz wird müde.


Der Mond will sinken über’m See;
Der Knabe ringt in Todesweh;
 Und Hadding senket Dymin’s Kron’
 Wie träumend auf Swibhagar’s Sohn.

35
 König Hadding’s Herz wird müde.


Er kehrt zurück zur öden Hall’,
Sein Panzer sinkt mit dumpfem Schall;
 Dann bohrt er in die Brust zumal
 Der Todesrunen heil’ge Zahl.

40
 König Hadding’s Herz wird müde.


„Rinn’ hin, mein Blut! Ich hab’s erkannt:
Hadding stirbt nur durch Hadding’s Hand!“ –
 Still wird es, wo der König ruht,
 Das Messer sinkt, es stockt das Blut, –

45
 König Hadding’s Herz wird müde.
  1. Hadding, König der Dänen, rächte den Tod seines Vaters Gorm an Ewibhagar, König von Dymin, indem er ihm Thron und Leben raubte. Seine Stärke war so gewaltig, daß er zuletzt von allen Helden gemieden wurde, und sich, um nicht des Rechts auf Walhalla verlustig zu werden, zum Selbstmord gezwungen sah.