Kalevalan toisinnot (Rezension Krohn)

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Textdaten
Autor: Kaarle Krohn
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Titel: J. Krohn, Kalevalan toisinnot. Die Kalewala-Varianten. Les variantes du Kalevala
Untertitel:
aus: Zeitschrift für Volkskunde, 1. Jahrgang, S. 242–243
Herausgeber: Edmund Veckenstedt
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Alfred Dörffel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Kurzbeschreibung:
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J. Krohn, Kalevalan toisinnot. Die Kalewala-Varianten. Les variantes du Kalevala. Angezeigt von K. Krohn.

Die Materialien des finnischen Nationalepos geordnet nach Inhalt und Sangort. Letztere Serie: die Gesänge aus Finnland, Olonetz, Ingermanland und bei den Esthen. Heft I. Helsingfors 1888. S. V., 172, Gross-Oktav mit drei Spalten Petit und Nonpareille. Preis 6 Fmk. (= 5 Rmk.). Bei der finnischen Litteraturgesellschaft portofrei zu erhalten.

In ästhetischer Hinsicht eins der bedeutendsten volkstümlichen Geistesprodukte, welches die folkloristischen Forschungen unseres Jahrhunderts zu Tage gebracht haben, ist ohne Zweifel die von Elias Lönnrot aus finnischen Volksgesängen zusammengestellte Kalevala. Der gelehrten deutschen Welt ist dieses 22 800 Verse umfassende Epos schon längst durch die wörtliche Übersetzung A. Schiefners zugänglich gewesen und vor kurzem ist es durch die gelungene poetische Übertragung H. Pauls dem Verständnisse des grösseren Publikums näher gerückt worden.

Jedoch auch in rein wissenschaftlicher Hinsicht für die Erforschung des Entstehens der volkstümlichen Epen (Homer, Nibelungenlied etc.) überhaupt ist die finnische Kalevala von grösster Bedeutung, indem die aus dem Munde des Volkes vernommenen und unmittelbar niedergeschriebenen Lieder, welche Lönnrot bei seiner Zusammenstellung vorgelegen haben, uns fast alle erhalten sind. Durch die Herausgabe dieser Originalhandschriften, deren Zeilenzahl eine halbe Million, mit den hinzugenommenen esthnischen eine Million übersteigt, will jetzt die finnische Litteraturgesellschaft, welcher das finnische Nationalwerk immer zunächst am Herzen gelegen hat, den wissenschaftlichen Forderungen unserer Zeit entgegenkommen ohne auf Mühe und Kosten zu rechnen. Besonders hervorzuheben ist, dass sie sich nicht begnügt hat mit der blossen Herausgabe der schon vorhandenen älteren Sammlungen, welche leider mit höchst spärlichen Orts- und Personalangaben versehen und oft durch Auslassung der dem Sammler schon bekannten Zeilen verkürzt sind, sondern sie hat in den zwei letzten Jahrzehnten eine neue, sorgfältige Lese in denselben Gegenden veranstaltet, damit durch die Gesänge der Nachkommen diejenigen der schon verstorbenen Generation in den Handschriften aufgefunden werden könnten.

[243] „Die Varianten der Kalevala“ sind nicht so zu verstehen, als ob sie bloss verschiedene Lesarten zu den Zeilen der gedruckten Kalevala enthielten. Sie sind die sämtlichen Originalquellen der rein epischen Teile der Kalevala, denn die den lyrischen und magischen Gesangstücken der Kalevala zu Grunde liegenden Handschriften werden später unter besonderen Namen erscheinen. Wie hieraus ersichtlich ist, muss eine wissenschaftliche Erforschung der epischen Bestandteile der Kalevala ausschliesslich auf diese sog. Varianten basiert werden, da dasjenige, was Lönnrot der epischen Einheit und einer besseren Wirkung halber durch Namenwechsel und Umstellung der Ereignisse verändert hat, nur als ein rein ästhetisches, ein sehr hohes Interesse haben kann.

Diese epischen Originalgedichte des Volkes werden in fünf Heften erscheinen. Aus Rücksicht auf die persönlichen Kenntnisse der Herausgeber, Prof. J. Krohn und Mag. A. Borenius, ist die Arbeit geographisch in zwei parallel laufende Serien geteilt worden, so dass letzterer die ihm durch mehrfache Reisen vertrauten Lieder der russisch-karelischen Bevölkerung in der Provinz Archangel und im nördlichen Teile der Provinz Olonetz ordnet, ersterer dagegen alles übrige, nämlich die im Grossfürstentum Finnland, Olonetz, Ingermanland und bei den Esthen gesungenen Lieder.

Vom ersten Hefte welche das Lied vom Sampo (die Schöpfung und der Raub des Sampo), das Schmieden des Himmels und den Singwettstreit zwischen Wäinämöinen und Joukahainen enthält, ist vorläufig die letztere Serie herausgekommen. In dieser erscheinen die ursprünglichen, einfacheren kürzeren Liederformen, aus denen die der ersteren Serie sich entwickelt und ineinander verwickelt haben. Da die letztgenannten, oft über je 500 Zeilen lang, noch nicht erschienen sind, so möge man ja nicht voreilig aus den erstgenannten die Schlussfolgerung ziehen, dass Lönnrot aus kleinen Mosaikstückchen die Kalevala zusammengewürfelt habe. Das finnische Volk, besonders die Archangelisten, haben ihm in der Verbindung und Verschmelzung verschiedener Gesänge dermassen vorgearbeitet, dass er lediglich als der letzte Rhapsode der finnischen Nationallieder angesehen werden kann.

Näheres über obengenannte Arbeit bietet das ihr angefügte deutsche Programm und eine französische Anzeige, wo auch der unerwartete Tod des Herausgebers Prof. J. Krohns angezeigt wird. Sein Anteil an der Arbeit ist dem Sohne desselben und Schreiber dieser Zeilen, Dr. K. Krohn, Dozent an der Universität Helsingfors, übertragen worden; mit diesem Wechsel ist zunächst ein bedeutender Zeitverlust in der Herausgabe verbunden.

Vielleicht wird schliesslich den deutschen Forschern nicht ungelegen sein, zu erfahren, dass ein finnisch-deutsches Wörterbuch von K. Erwast gleichzeitig mit den Kalevalavarianten erschienen und bei der finnischen Litteraturgesellschaft für 15 Fmk. (= 12 Rmk.) portofrei zu erhalten ist.