Kleine Bilder aus der Gegenwart/Ischia

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Titel: Ischia
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aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 537
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Reihe: Kleine Bilder aus der Gegenwart
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Kleine Bilder aus der Gegenwart.

Nr. 5. Ischia.

Die große Landschaftskünstlerin Natur hat in dem Golf von Neapel ein Meisterwerk von entzückender Schönheit geschaffen, zu dem seit Jahrtausenden die Menschen staunende hinströmen und welches die Sage und die Geschichte mit den


Die Gartenlaube (1883) b 537 1.jpg

Nähe des Fleins Laeeo ist der Neichthnm an warmen Otiellett so her,

Meer und das Land erwärmt

er nehmen tonnen, wahrend dte heißen .Bantuse der .'...wellen

^chwitzbäderu benutzt

^ltylchte tun den kostbarsten werten menschlicher Erinnermtgen schmilz Aber auch dieses lachtulde Paradies der ^ Junten. ...nttwade

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Erde hat seine tiefen ^chauenseiten. Möge sich der ewig blaue Himmel Italiens uoch so friedlich und verführerisch über dett Oliven- und Myrteuhaineu ausbreiten, der ranchende Gipset des Vesuv ragt hier als Zeuge feindlicher Gewalten empor, welche über diese Gegend im Lanse der Zeiten tmtsendfaches Unheil herattsbeschtvoren.

Noch hat die meuschliche Haud uicht vermocht, gattz das Leichetttnch zu lüften, welches einst der Gott der Unterwelt über Potupeji ausgebreitet, und schon verschlaug er ein zweites Opser - aus dem Städte. trauz des Golfs von Neapel ist wiederum ^her Nacht eine Perle verschwnndett. Der Untergaug ieuer römischen Stadt war wohl utit furchtbarem Schrecken verbunden, nnd doch trat damals das Geschick nicht so utterbittlich vor die ....hore Pompeiis, da- mals blieb Vielen die Möglichkeit, wenig. stens das naekte Leben zu retten, aber bei der letzten Katastrophe (28. Iuli) sank Easa, utieeiola in wenigen Seeuudeu, in einem Augenblicke niöchte man sageu, in Schutt uud Staub, und mausende begruben die Trümmer.

Die Gartenlaube (1883) b 537 2.jpg

Castel von Ischia.

Werfen wir nur eiuen Blick auf die Laudkarte! Sofort erkennen wir, daß Ischia jener vulcanischen Zone augehört, als deren Hauptrepräsentanten der Aetna und der Vesuv gelten. Besuchen wir aber die Insel selbst, so finden wir, daß sie ein Werk unterirdischer Kräste ist und eigentlich nur einen erloschenen Vulkan darstellt und in der ....bat erzählt noch die Geschichte von jeuer Zeit, da der Givfel der Vergiufel, der Epomeo, in Ranchwolken sich ver. hüllte nnd, in düfterer Gutta erstrahlend , per,, nichtende Lavaströme gegett das Meer hinab. sattdte. Zttm letztett Male geschah dieses Ereigniß tm Jahre 4801, wo der Verg, nachdem er sieben. zehn Iahchttnderte ge. ruht, plötzlich seine Flau. 'tett öffnete und einen gewaltigen Lavastrom ergoß, der viele blühende Gärten und Niederlassen. gen verzehrte, bevor er tn's Meer stürzte. Wie. wohl seit fetten Tagen wiederum mehr als fünf Jahrhunderte verflossen sind, hat die Vegetation die erstarrten Massen ttoch uicht zu überwuchert ver- mocht, und noch heute ist jetter Lavastrom sichtbar mie eine riesige dunkle Schlange zieht er sich auer durch die Insel hin. Diese vnleanischen Kräfte haben jedoch dazu vei - getragen, Ischia und vor Allem Easamieeiola be rühmt und zu einem Anziehungspunkt für Fremde zu inachen, denn ihnen verdanken die hei- ßen Onellen ihren Ur- sprung, welche hier an vieleu Orteu aus den Spalten der Felseu hervor- sprudeln. Uud wie groß ist ihre Zahl! Nenueu wir nur den .^ur^ reno (Stmdel), der bei 52- bis ...0- Warnte nicht nur gegen 'ltheumatismu..' uttd Gicht. sondern auch gegen ,,uervöse Verstimmung der Frauen" hellet! soll, die Ouelle .,üel ^appaue^ (des Eapauuen), deren Wasser auch bei Disch getrtmkeu wird, die Ouelle ..8pennt., poltt,..u^, in welcher Viel- geplagte ihre Hühneraugen abbrühen, die ..(..aei^ (Kochguelle), die denk ihrer hohen, '.^ betragenden Temperatnr vielfach als Kochwaller benutzt wird, die ....ogua ä'or^ mtd ü'ar,..eut,o" von dettett 'schon der römische Geograph ^trabo erzählte, daß sie Gold und Silber sichren, und endlich die Dambourroa.uene, welche dem dnrch die entweichende Kohlensäure erzeugten tromuteludeu Geräusch ihren Raulen verdankt. Ia, in der

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e^aaell von ischia

von ^. Montana zu werdeu.

nud über dieses mit Thermen aller Art so reich gesegnete Eiland lacht ein azurner Himmel, den Monate lang keine Wolke trübt, und streichen srische See- winde, welche die italienische Hitze von ihm fern halten. Rechnen wir noch dazn dte landschaftlichen Reize der Insel, die prachtvolle Aussicht, welche von ihren Höhen uttd ihrem strande auf den Golf von Neavel, atts die Stätten der Odyssee und Aeneis sich un lernt Auge darbietet, so werden wir leicht begreisen, warum Ischia zu einer der beliebtesten Sommerfrischen der Neapo. l itaner wurde und das vor sturutischeu Winden geschützte Easamieeiola den stolzen Namen ,.l.r ro.t.mu äei ba^ni (Königin der Väder) erhielt.

Vot nun dieser Ort, dank dem lustigen Treiben der Badegäste , das Bad des modernett Lebens, so birgt die an der Ostküste gelegene Hauptstadt Vorgo d'Ischia die spärlichen geschichtlichen Denkmäler. Hier erhebt sich aus einem 180 Meter hohen Drachyteegel, welcher nur durch eiueu schmalen Damm mit der Insel verbunden ist, das Eastell, zum Schutz gegen die türkischen Seeräuber erbaut. In seitter Mitte liegen die Kerker mit der bezeichnenden Ueberschrist ..^tri^tn^ erimiuit.^ ("Früchte des Verbrechens"). Es gab auch eine Zeit, da die Liebe zur Freiheit für ein Verbrechen gan, das mit der Einsverrung iu den tiefen Felsengelassen dieses Eastells bestrast wurde" Als die Vourbous iu Neapel thronten, ließen sie die tmrtthigen Republikauer hier in Ketteit

werfen. Aber auch llel. lere Züge sittd in der Vergangenheit dieses Vi. ichosssitzes zu stnden. Vott hier ertönten die kang. vollen Lieder der Vittorta Eolonna, jener berühm- testen Dichterin nttter Italiens Fronen.

Ans dieser reizenden, etwa 2-^,. Onadratmeilett ttmsassendeu Insel wohnt eiu Menschenschlag, der sich schars von den Neapo^, ti tauern nnterscheidet, dessen Züge anders ge^ formt sittd, dessen Farbe durch ihre besoudereDmt. l et heit ausfällt und dessen Sprache selbst eitteu ei- nenthümlichett Dialekt tnldet. Die Ischiatter sittd fast eine besondere Rasse, deuu hier mischte sich das hellenische Butt der Ureinwohner tnit dettt mimischen und faraeeni. scheu. und da die Wein. rede aus den Hängen der Insel gar üppig gedeiht, fo blühte hier einst der Enltns des Weittgottes, ttttd bis aus uusere Tage hat sich die ausgelassene Lust der Vaechanalien im Volke erhalten. Siud doch die schwarzäugigen , iu bunte bracht geneideten Fraueu Ischias weit und breit berühmt als die geschicktesten ....arautellatättzerinuett.

Jahrhuuderte lang hat diese Haud voll Menschen mit seltenem Fleiße gearbeitet und über drei Viertel des Feksenbodens in blühende Gärten verwandelt" Nun ist die Bevölkerung furchtbar de,. im itt, der Wohlstand atts lauge Zeit vernichtet. Wattn werden diese Wunden geheilt werden, wann wird Vertrauen wieder in die Herzen der Menschen einziehen und Ischia wieder lenchten als ein friedliches 'Paradies nnter den Ittseln tiiid Buchten des herrlichen Golfes? neber kurz oder laug wird es wohl geschehen, denu es liegt in der Natur des Menschen, daß er selbst aus dem Vttleatt sorglos dahin lebt und sich der Früchte seiner Arbeit srenl, und es giebt ein großes Heilmittel der Natur, welches alle Wunden vernarbt - die Vergessenheit.

.^^f" Nr. ^.