Kleine literarische Rüge

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Textdaten
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Autor: r.
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Titel: Kleine literarische Rüge
Untertitel:
aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 31, S. 124
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Kleine literarische Rüge.




Der französische Uebersetzer von Franklins Correspondenz hat einen ächt französischen Bock geschossen. Franklin sagt irgendwo: „man bildet sich ein, ein Anmerikaner sei eine Art von Yahoo.“ Hiebei macht der Uebersetzer folgende Note: Yahoo. Es muß ein Thier sein! Man behauptet es sei das Opossum, allein ich habe das Wort Yahoo in keinem Wörterbuche der Naturgeschichte finden können.

So theilt Herr von Kotzebue unter der Rubrik kleine literarische Notizen (Wochenbl. Nr. 8. p. 64) diesen Misgriff mit, der, durch das, wenigstens prätendirte, gelehrte Forschen (wodurch er freilich die Natur eines französischen Bocks gewissermaßen verliert) allerdings sehr lächerlich wird. - Nun setzt aber Herr v. Kotzebue aus eignen Mitteln hinzu: „Nicht blos englische sondern auch deutsche Leser wissen recht gut, daß der schlaue Gulliver, nachdem er in Lilliput und Brobdignac gewesen war, wo er Zwerge (oder vielmehr Däumlinge) und Riesen gefunden hatte, in das Land der Yahoos verschlagen wurde, dessen Einwohner aber nicht aus Beutelratzen sondern aus lauter sehr vernünftigen Pferden bestanden.“ -

Ein Vergleich mit Swifts liebenswürdigen, sehr vernünftigen Pferden, wäre wohl nicht sehr berabsetzend, (und das wollte Franklin doch bezeichnen) - diese aber nennt der Schriftsteller bekanntlich Hoyhnhms - die Yahoos dagegen sind die schmutzigen affenartigen Menschencaricaturen welche eine so widerwärtige Rolle im vollkommnen Staat der Pferde spielen. -

Ergötzlich ist es, daß dieser Bock (Irrthum) dem Herrn von Kotzebue grade da entschlüpfte, wo er leicht und angenehm belehren will. - Bei unsrem, leider nur geringen naturhistorischen Wissen möchten wir ihn lieber zu den französischen als zu den deutschen Böcken zählen, wenn er nicht vielleicht einer dritten Nation angehört. -

r.