La dispietata mente, che pur mira

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Textdaten
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Autor: Dante Alighieri
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Titel: Der mitleidlose Geist, der rückwärts schaut
Untertitel:
aus: Die unbekannten Meister – Dantes Werke, S. 87–89
Herausgeber: Albert Ritter
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Gustav Grosser
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Albert Ritter (Karl Förster, Karl Ludwig Kannegießer)
Originaltitel: La dispietata mente, che pur mira
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Quelle: Commons
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[87]
Der mitleidlose Geist, der rückwärts schaut

Auf jene ferne Zeit, die mir verstrichen,
Stürmt auf mein Herz von einer Seite ein;
Und heiße Sehnsucht nach dem Land so traut,

5
Das nun mich lockt und dem ich einst entwichen,

Dräut auf der andern mit der Liebe Pein.
Nicht fühl’ ich so viel Kraft im Herzen mein,
Um auf die Dauer noch zu widerstehen,
Laßt, holde Fraue, Ihr nicht neue sprießen.

10
Doch will’s Euch nicht verdrießen,

Zu meiner Rettung etwas zu ersehen,
Dann wollet gnädig einen Gruß nur senden:
Er kann durch seine Macht mir Tröstung spenden.

Seid gnädig, holde Frau, bleibt jetzt nicht fern

15
Dem Herzen, das für Euch so heiß entglommen,

Und das sich Heil allein von Euch verspricht.
Ein milder Herr verkürzt den Zaum nicht gern,

[88]
Will er dem Knecht, der fleht, zu Hilfe kommen:

Nicht ihm nur gilt es – auch der eignen Pflicht!

20
Fürwahr, des Herzens Wehe brennt und sticht

Noch mehr, wenn ich bedenke, daß Frau Minne
Euch, holde Fraue, mir ins Herz gegraben;
Drum müßt Ihr Sorge haben
Und mehr bedenken, was es wohl beginne;

25
Denn der, aus dem das Gute muß entquillen,

Liebt uns weit mehr um seines Bildes willen.

Und tut Ihr mir, o süße Hoffnung, kund,
Das, was ich bitte, soll’ ich unverdrossen
Erwarten: denkt, daß ich’s nicht länger kann;

30
Am Ende meiner Macht bin ich, und wund!

Ihr wißt es ja: ich suche fest entschlossen
Die letzte Hoffnung auf, die ich ersann.
Denn jede Bürde trägt ja wohl der Mann
(Bis auf die Last, die ihn zu Boden schmettert),

35
Eh’ er an seinen besten Freund sich wendet; –

Er weiß ja nicht, wie’s endet.
Und wenn der gar in rauhen Worten wettert –
Nichts wäre schmerzlicher von allen Dingen,
Und sollt’ es schnellen, bittren Tod ihm bringen.

40
Ihr aber seid’s, Euch liebe ich zumeist,

Die Ihr allein das größte Glück mir spendet,
Auf dem nun alle meine Hoffnung ruht.
Euch dienen, sagt mir erst, was leben heißt!
Ich gehre nur, was Euren Ruhm vollendet,

45
Und lästig scheint mir jedes andre Gut.

Ihr könnt mir geben, was sonst niemand tut,
Das Ja und Nein legt’ ganz zu Euren Händen
Frau Minne; für gar groß muß ich mich halten,
Und Euer holdes Walten

50
Voll Menschenlieb’ mußt’ mir Vertrauen spenden;

Und wer Euch sieht, dem muß es klar erscheinen,
Daß Huld und Milde sich in Euch vereinen.

[89]
Wohlan, nun mache Euer Gruß sich auf,

Daß er ins Herz, das seiner harret, eile,

55
Erhab’ne Frau, – des seit Ihr ja belehrt.

Doch wisse er: das Tor hemmt seinen Lauf,
Denn Minne schloß es zu mit ihrem Pfeile
Am Tag, der meine Freiheit einst verheert.
Drum ist der Eintritt jedermann verwehrt,

60
Nur Minnes Boten nicht: er sprengt die Pforte,

Wenn es die Macht verlangt, die sie verschließt;
Aus diesem Kampf ersprießt
Nur Unheil mir, wenn er an diesem Orte
Doch ohne einen Boten nun erschiene

65
Der hohen Herrin, der allein ich diene.


Mein Lied, schnell magst du deinen Weg vollbringen:
Nur kurze Zeit noch, wie du wohl verstehst,
Kann hier verweilen der, für den du gehst.