Mälzels Vervollkommnung der Orgel oder des Panharmonikons

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Textdaten
Autor: unbekannt
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Titel: Mälzels Vervollkommnung der Orgel oder des Panharmonikons
Untertitel:
aus: Uebersicht der Fortschritte, neuesten Erfindungen und Entdeckungen in Wissenschaften, Künsten, Manufakturen und Handwerken, von der Oster-Messe 1807 bis dahin 1808. Von mehreren Gelehrten bearbeitet herausgegeben von D[r]. J. B. Trommsdorff, Professor in Erfurt. Dreizehnter Band. Mit 3 Kupfertafeln. S. 856–862
[auch unter dem Titel: Almanach der Fortschritte, neuesten Erfindungen und Entdeckungen etc. und Annalen der Fortschritte, etc. Erster Band.]
Herausgeber: Johann Bartholomäus Trommsdorff
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1809
Verlag: Georg Adam Keyser
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Erscheinungsort: Erfurt
Übersetzer:
Originaltitel: Vervollkommnung der Orgel oder das Panharmonicon
Originalsubtitel:
Originalherkunft: Annalen der Physik, Jahrgang 1807, Band 2, oder 26. Band, Sechstes Stück, S. 214–218;
Allgemeiner Anzeiger der Deutschen 34. St., Aug. 1808. S. 712.
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung: Beitrag über das Panharmonikon, das 1807 nach Paris kam. Dazu ein weiterer Beitrag über Mälzels mechanischen Trompeter.
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3. Mälzels Vervollkommnung der Orgel oder des Panharmonikons.

Das Panharmonikon, welches, wie in diesem Almanach XII. Jahrg. zweiter Abschnitt, Schöne Künste, IV. Tonkunst, S. 831 erwähnt worden, der Mechanikus Mälzel aus Wien nach Paris gebracht hat, und da öffentlich hören läßt, ist ein Instrument nach Art der Orgeln, oder vielmehr die ursprüngliche Orgel vervollkommnet; ist es anders wahr, wie es sich glauben läßt, daß die Orgel anfangs bloß aus einfachen Pfeifen bestand, welche durch mechanische [857] Mittel und ein künstliches Anblasen zum Tönen gebracht wurden. Und doch unterscheidet sich dieses Instrument in sehr vielen, von den bis jetzt bekannten Orgeln. Die Röhren unsrer Orgeln haben keine Aehnlichkeit mehr, weder mit der Flöte, noch mit irgend einem Blaseinstrumente, welches wahrscheinlich daher kömmt, daß, seitdem die Zahl der Blasinstrumente sich so sehr vermehrt hat, und der Mechanismus ihres Spiels von Tag zu Tage zusammengesetzter geworden ist, die Orgelbauer nicht mehr geschickt genug waren, diese Instrumente durch Blasebälge und Claviaturen zum Ansprechen zu bringen. Dadurch wurde die Orgel ein Instrument besonderer Art, dem einige Vorzüge eigenthümlich sind, und das mit den übrigen Blasinstrumenten in keiner Beziehung weiter steht, als in sofern es einen Ton, der jedem derselben eigen ist, doch immer nur auf eine mehr oder minder unvollkommene Art, nachahmt. Es ist daher ganz etwas Neues, in einem Orgelwerke das Hautbois, das Basson, die Flöte, die Queerpfeife und das Klarinett so zu hören, wie sie jetzt in den Orchestern gebräuchlich sind. Die Orgel, der er den Namen Panharmonikon giebt, hat zwei sichtbare Windladen. Auf der erstern stehen die Queerflöte, und die Flöten [858] mit Zungen und Rohrwerk; auf der zweiten das Serpent, die Hörner und die übrigen Instrumente mit Mundstücken. Da die untern Enden aller Pfeifen in die Windladen eingesenkt sind: so läßt sich die Art nicht sehen, wie sie angeblasen werden, und ob dabei das Verfahren bei diesen Instrumenten nachgeahmt, oder durch ein anderes ersetzt ist. Man kann nach Belieben andere Walzen einsetzen, jede hat einen bedeutenden Durchmesser; und da auf sie nur Ein Stück gesetzt ist, und sie nach jedem Umlauf sich etwas weiter schieben läßt, so ist die Länge einer Symphonie kein Hinderniß, daß sie sich nicht sollte auf dem Panharmonikon ausführen lassen. Bei den gewöhnlichen Symphonien, in denen alle Instrumente mitspielen, setzt das erste Klavier sie alle in Bewegung. Das zweite Klavier und dessen Cylinder sind ausschließlich für die Fanfares und die militärischen Stücke bestimmt, welche bloß von den Blasinstrumenten der zweiten Windlade, und von den Pauken, Cymbeln, dem Triangel und der Trommel ausgeführt werden. Eine Art von Uhrwerk mit einem Gewicht dreht, nachdem man es aufgezogen hat, die Walze. Das Werk endigt sich mit Windflügeln, welche die Geschwindigkeit des Stücks reguliren. Man erhebt oder senkt die Flügel [859] auf ihren kleinen Quadranten, und sie bilden einen sehr genauen Zeitmesser. Dieses sind ungefähr alle äußere und sichtbare Theile der panharmonischen Orgel des Hrn. Mälzel. Die Blasebälge und die übrigen Theile, welche zum Mechanismus gehören, befinden sich in dem Grundgestell des Instruments, welches ungefähr 6 Quadratfuß zur Grundfläche, und 5 Fuß zur Höhe haben mag. Die Unwissenheit, in der wir über das Detail dieser Theile des Panharmonikons stehn, worauf vielleicht das Geheimniß des Erfinders beruht, macht es uns unmöglich, mehrere Wirkungen des Instruments zu erklären. Dahin gehört das piano und forte, der Uebergang aus einer Tonart in eine andere, ohne Unterbrechung der Bewegung, und ohne Einmischung des Mechanismus, das Anschwellen der Töne in derselben Art von Instrumenten, u. dgl. m. Wir müssen selbst vieles von dem, was wir von den sichtbaren Theilen gesagt haben, bloß für Vermuthungen ausgeben, weil sich über ein so zusammengesetztes Instrument nichts mit Gewißheit sagen läßt, wenn man es nicht in allen Theilen untersucht hat, und weil man sich dabei nur zu leicht durch den Schein täuscht. Wie indeß auch dieser innere Mechanismus beschaffen sey, er muß mit äußerster Sorgfalt ausgeführt [860] seyn, denn es läßt sich nicht die mindeste Reibung hören, und alle Bewegungen, die man sieht, wie z. B. die der Cymbeln, und der Trommel- und Paukenstöcke, haben nicht nur viel Präcision, sondern auch eine, in Maschinen dieser Art sehr seltene Leichtigkeit. Das Publikum, und selbst der Musiker, scheinen mit der Ausführung der Musik zufrieden gewesen zu seyn; und man war der Meinung, noch nie sey eine mechanische Bewegung der unnachahmlichen Vollkommenheit der menschlichen Bewegung so nahe gebracht worden. Die pyramidalische Gestalt des Panharmonikons, und die Gruppen militärischer Instrumente, aus denen es besteht, machen es zu einer sehr edeln Zierde, die sich vortrefflich für den großen Saal eines Schlosses schickte. Es ließe sich in Ermangelung eines zahlreichen Orchesters sehr gut bei öffentlichen Festen gebrauchen; und bei Ceremonien, die zugleich religiös und militärisch sind, mögte es der gewöhnlichen Orgel vorzuziehen seyn. — Gilberts Annalen der Physik. Jahrg. 1807. St. 6. S. 214.

[861]
4. Ebenderselbe hat wieder ein musikalisches Kunstwerk vollendet.

Der kaiserl. östr. Hofmechanikus Hr. Mälzel hat jetzt ein anderes musikalisches Kunstwerk vollendet, und nimmt mit diesem den Weg nach Paris. In den letzten Tagen des Junius hat er dieß neue Produkt in seiner Vaterstadt Regensburg öffentlich auf dem Theater sehen lassen und allgemeinen Beifall eingeärntet. Es besteht dasselbe in einer Figur, welche in Lebensgröße einen auf das schönste gebildeten kais. östreich. Staabstrompeter vom Herzog Albertischen Kürassir-Regiment, in großer Uniform, mit der Trompete, die er in der rechten Hand vor den Mund hält, vorstellt. Der im Kopf und Körper befindliche Mechanismus wird durch Uhrfedern, welche an der linken Hüfte aufgezogen werden, in Bewegung gesetzt, und hierauf die Figur durch die leiseste Berührung auf der einen oder der andern Schulter, zum Blasen gebracht. Mit unübertreffbarer Reinheit und Arcuratesse bläst nun dieser Trompeter die Signale der östreich. Kavallerie-Manövers, und nach Einlegung einer andern Walze in den Unterleib, einen Favoritmarsch vom Regiment Herzogs Alberts, mit Accompagnement des Orchesters. [862] Der überaus kraftvolle Ton der Trompete, aus der man bei Vorhaltung der Hand die Luft verspürt, erregt die Bewunderung aller Zuhörer um so mehr, als besonders nicht wohl einzusehen ist, wie der Ton der Trompete, ohne das bei dessen Hervorbringung so nothwendige Lippenspiel, bloß durch ein künstliches Mundstück so richtig und schmetternd dem Instrumente entlockt werde, wie dieß kaum der geschickteste Trompeter mit der Doppelzunge vermöchte. Hr. M. nahm der Figur die Trompete vom Munde, und setzte den Mechanismus in Bewegung, worauf sich sogleich zeigte, daß der Ton nicht in der Figur, sondern in der Trompete, mittelst der künstlichsten Embouchüre, erzeugt werde. – Allgem. Anzeiger d. D. 34. St. Aug. 1808. S. 712.