MKL1888:Holzschneidekunst

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Meyers Konversations-Lexikon
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Holzschneidekunst. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 8, S. 682. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Holzschneidekunst&oldid=- (Version vom 30.09.2014)

Holzschneidekunst (Formschneidekunst, Xylographie), die Kunst, Zeichnungen, die auf einer Holzplatte mit der Feder oder dem Bleistift entworfen oder durch ein mechanisches Verfahren (Photographie) reproduziert sind, in Holz so auszuschneiden, daß sie durch Abdruck auf der Buchdruckpresse reproduziert werden können. Das Verfahren ist folgendes. Nachdem die etwa 2 cm starke Holzplatte, der Stock, zugerichtet, d. h. auf der einen Seite zu einer völlig ebenen, glatten Fläche gehobelt und geschliffen ist, wird sie zunächst grundiert, d. h. mit einem dünnen weißen Kreideüberzug versehen, weil sich darauf besser zeichnen läßt. Auf die so vorbereitete Platte wird die Zeichnung entworfen und zwar verkehrt, d. h. als Spiegelbild davon, wie sie beim Abdruck erscheinen soll, oder sie wird vermittelst der Photographie auf den Stock übertragen, wobei gewöhnlich eine andre Grundierung vorgenommen wird. Aus der Hand des Zeichners oder Photographen kommt der Stock in die des Holzschneiders, welcher mit dem (früher allein üblichen) Schneidemesser oder dem (jetzt fast ausschließlich gebrauchten) Stichel alle von dem Zeichner unberührt gelassenen Stellen bis zu einer gewissen Tiefe sauber ausschneidet, so daß nach vollendetem Schnitt nur noch die Zeichnung und zwar erhaben von der frühern Oberfläche übrigbleibt. Hierdurch steht der Holzschnitt zu dem Kupferstich im Gegensatz, da bei diesem nicht die erhabenen, sondern die vertieften Stellen die Zeichnung bilden und als solche gedruckt werden (s. Kupferstecherkunst). Die Lithographie steht zwischen beiden in der Mitte, indem bei ihr die Zeichnung weder vertieft noch erhaben zu sein braucht, sondern in der Ebene des Steins liegt und der Druck dabei auf chemischem Weg bewirkt wird (s. Lithographie). Wird nun der so vollendete Holzschnitt mit Druckerschwärze versehen und auf Papier oder ähnliche Stoffe abgedruckt, so zeigt der Abdruck die ursprüngliche Zeichnung, natürlich in umgekehrter Stellung. Von großer Wichtigkeit ist bei der Arbeit des Holzschneiders die Lage des Stockes, welche zwei einander sich widerstrebende Anforderungen erfüllen muß, nämlich zugleich Festigkeit und leichte Beweglichkeit: die erstere, damit das Schneidinstrument bei der Arbeit einen sichern Gegenhalt habe, weil sonst leicht Fehlschnitte entstehen; die zweite, damit der Holzschneider je nach der Wendung des Schnittes den Stock leicht drehen kann. Um dies zu erreichen, hat man verschiedene Vorkehrungen getroffen: entweder wird der Holzstock in einen auf einer wagerecht liegenden Drehscheibe befestigten Rahmen eingespannt, oder auf einen mit Sand gefüllten Sack gelegt. Außer der nur durch lange Übung zu gewinnenden Handfertigkeit muß der Holzschneider auch einen gewissen Grad künstlerischen Gefühls besitzen und selbst ein fertiger Zeichner sein, namentlich wenn es sich um die Holzschnittwiedergabe von Zeichnungen handelt, die nicht aus Strichen bestehen, sondern die, wie es bei den Vorlagen für illustrierte Blätter meist zu geschehen pflegt, getuscht oder gewischt sind. Hier muß der Xylograph die zarten Töne des Tuschpinsels entweder in seine Technik übersetzen, oder dieselben getreulich nachbilden (Faksimileschnitt, Tonschnitt). In der Technik des Holzschnitts ist zwischen dem ältern und dem neuern zu unterscheiden. Vom 15. bis 18. Jahrh. und auch noch später brauchte man nur Langholz, d. h. Platten, deren Oberfläche parallel mit der Holzfaser lief, meist aus Birnbaum- oder Apfelbaumholz gefertigt, und schnitt darin mit dem Schneidemesser; heute bedient man sich nur des Hirnholzes, d. h. solcher Platten, deren Oberfläche die Holzfaser quer durchschneidet, und zwar ausschließlich von Buchsbaumholz, welches die gleichartigste Textur besitzt. Statt des Messers wendet man, wie bei der Kupferplatte, den Stichel an, von dem es eine große Anzahl verschieden gestalteter Arten gibt, je nachdem Umrisse oder Kreuzlagen (Schraffierungen) oder Tonschnitte ausgeführt werden sollen. Der Stichel besteht aus einer mehrere Zentimeter langen, vierkantigen Stahlklinge, welche vorn schräg abgeschliffen ist, so daß eine trianguläre Schneide entsteht, deren Winkel mehr oder weniger spitz ist. Er ist in einen Griffel eingelassen, welcher die Form eines Pilzes hat. Auf der einen Seite ist dieser Griff abgeflacht, damit er bei niedriger Haltung die Fläche des Stockes nicht berühre. Bei technischen Schnitten, namentlich wenn die Schraffur derselben aus geraden, parallelen oder regelmäßig geschwungenen Linien besteht, wendet man auch Maschinen an, welche mit größerer Genauigkeit und Schnelligkeit arbeiten als die freie Hand. Besondere Manieren des Holzschnitts [683] sind die sogen. geschrotene Manier (Punktiermanier) und das Chiaroscuro (Clair-obscur), welche unten bei der Geschichte des Holzschnitts näher besprochen werden. Um eine möglichst große Anzahl von Abdrücken zu erzielen (obgleich ein Holzschnitt gegen 6–10,000 gute und bei derbern Arbeiten, die keine große Feinheit des Schnittes erfordern, wohl gegen 60–100,000 Abdrücke liefert), macht man von dem Holzstock vor dem Druck ein Klischee, indem man vermittelst eines Abgusses in Gips einen Abklatsch in Schriftgußmetall oder auch durch galvanischen Niederschlag vermittelst eines Mediums in Gips oder Guttapercha einen Abklatsch in Kupfer herstellt, der dem Originalstock völlig gleich ist. Da das Klischieren unbeschränkt wiederholt werden kann, so kann die Vervielfältigung einer Holzschnittzeichnung ins Unendliche gehen. Bei größern Platten findet auch wohl eine Zusammensetzung mehrerer Holzstöcke statt, die nach Vollendung der Zeichnung wieder auseinander genommen und einzeln von verschiedenen Holzschneidern geschnitten werden können, um die Arbeit zu beschleunigen. Später, nach Vollendung des Schnittes, werden sie wieder zusammengesetzt, durch eiserne Klemmen verbunden und gedruckt.

Geschichte der Holzschneidekunst.

Die Kunst, Druckformen in Holz zu schneiden, wurzelt wahrscheinlich in der schon im frühsten Altertum bekannten Stempelschneidekunst. Die Chinesen kannten schon im 10. Jahrh. vermittelst Holztafeln gedruckte Bücher, wie denn auch der im 15. Jahrh. durch Gutenberg erfundene Typendruck zuerst lediglich durch Zerschneiden der Holztafeln, womit die ersten deutschen Bücher gedruckt wurden, bewerkstelligt wurde. Vom künstlerischen Gesichtspunkt aus gründet sich der Holzschnitt seinen ideellen Motiven nach auf das gegen Ende des Mittelalters hervorgerufene Bedürfnis mannigfacherer Ideenkommunikation und anschaulicher Belehrung, seinen praktischen Motiven nach auf die handwerksmäßige Thätigkeit der sogen. Briefmaler, die sich mit handschriftlicher Vervielfältigung und Ausschmückung teils religiöser, teils klassischer Werke beschäftigten; ebendahin gehören die Schriftmalereien von Andachts- und Heiligenbildern, Kalendern und Spielkarten. Überhaupt war die Schreibkunst im Mittelalter mit der Zeichenkunst fast identisch, da fast kein Buch ohne dekorative Malerei und kein Bild ohne Schrift gefertigt wurde, daher man denn auch unter den Scriptores ziemlich dieselben Personen zu verstehen hat wie unter den Miniatores. Auch Mönche lieferten derartige fliegende Blätter. Mit Sicherheit ist der Holzschnitt zum Zweck des Abdruckens auf Papier schon im 14. Jahrh. nachgewiesen, zur eigentlichen Kunst wurde er jedoch erst gegen das Ende des 15. Jahrh. erhoben. Der älteste datierte Holzschnitt ist der heil. Christoph von 1423; das erste mit eingedruckten Holzschnitten versehene typographische Werk, d. h. das erste auf der Buchdruckpresse gedruckte illustrierte Buch, ist das „Bonersche Fabelbuch“, gedruckt von Pfister 1461. Aber schon lange vorher gab es xylographische Bücher, bei denen jedoch sowohl Text als Bild von Holztafeln vermittelst des Reibers gedruckt waren. Man kennt davon gegen 50 Werke, meist geistlichen oder populär-poetischen Inhalts, welche jahrhundertelang als beliebte Volksschriften handschriftlich und mit Malereien geschmückt verbreitet waren, bis sie vermittelst Tafeldrucks vervielfältigt wurden. Zu den ältesten und wichtigsten gehören die „Ars memorandi“, die „Ars moriendi“, wovon es zahlreiche deutsche und holländische Ausgaben gibt, der „Entchrist“, das „Zeitglöcklein“, der „Kalender des Johannes von Gmünd“, die „Legende vom heil. Meinrad“, die „Armenbibel“, „Das Hohe Lied“, „Die acht Schalkheiten“, „Der Totentanz“ und mehrere „Alphabete von Anfangsbuchstaben“ (vgl. Blockbücher). Zu den ältesten auf der Buchdruckpresse typographisch gedruckten illustrierten Werken gehören außer dem schon erwähnten „Bonerschen Fabelbuch“ und fast gleichzeitig mit ihm: „Die sieben Freuden der Maria“, „Das Buch der vier Historien“ (1462), „Belial oder der Trost der Sünder“, „Biblia pauperum“ (1462) und andre meist religiöse Werke. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. gewann der Holzschnitt durch die Erfindung der Buchdruckpresse (denn bis dahin wurden die Holzschnitte nur mit dem sogen. Reiber vermittelst Leimfarbe gedruckt) einen raschen Aufschwung. Auch konnte sich nach Verdrängung des Tafeldrucks durch den Letterndruck der Holzschnitt mehr und mehr und zuletzt ausschließlich der rein bildlichen Reproduktion widmen, wodurch er sich allmählich zur wirklichen Kunst heranbildete. Besonders aber waren es die Nürnberger Maler M. Wolgemut und Pleydenwurff, die durch ihre zahlreichen Blätter zu H. Schedels Chronik (1493) den Hauptanstoß zu einer mehr künstlerischen Ausbildung des Holzschnitts gaben. Die Umrisse verloren ihre Steifheit und Roheit; auch wurden schon einfache Schattenstriche, ja selbst Kreuzlagen zur Vertiefung der Schatten hinzugefügt. Doch sind die Figuren noch hölzern und ohne Proportion, die Landschaft ohne alle Perspektive und ganz roh. Die sogen. „geschrotene Manier“, d. h. die Manier der schwarz punktierten Hintergründe, überlebte das 15. Jahrh. nicht (s. Schrotblätter).

Durch die Vorlagen Albrecht Dürers, des großen Schülers Wolgemuts, und die Thätigkeit ausgezeichneter Formschneider, wie H. Andreä, J. de Negker u. a., erreichte der Holzschnitt am Anfang des 16. Jahrh. seine höchste Ausbildung in künstlerischer Beziehung. Reichtum und charaktervolle Wahrheit der Erfindung verbanden sich mit immer größerer Reinheit und geschmackvoller Leichtigkeit in der Darstellung. Die hierher gehörigen Hauptwerke Dürers sind die „Apokalypse“ (Nürnb. 1498), das „Leben der Maria“, die „Große Passion“ (1509–11) und die „Kleine Passion“, das „Brustbild Kaiser Maximilians“ (1519) u. a. Der Kaiser Maximilian war der geistige Urheber einer Anzahl sehr umfangreicher Werke, an denen außer Dürer noch andre Meister, wie H. Burgkmair, Schäuffelein etc., mit arbeiteten, z. B. von dem „Teuerdank“, „Weißkunig“, dem „Triumphzug Maximilians“, dem „Triumphwagen“, welcher ein Bild von 2,3 m Länge und 0,5 m Höhe darstellte und auf acht besondern Holztafeln ausgeführt war, endlich dem „Triumphbogen“, der, aus 92 Stöcken bestehend, in seiner Zusammensetzung eine Bildtafel von 3,6 m Höhe und 2,91 m Breite einnahm. Eine Menge Blätter entstand nach Zeichnungen von Schülern und Nachahmern Dürers, wie Altdorfer, H. S. Beham, H. Baldung u. a. Der zweite große deutsche Maler, Hans Holbein der jüngere, war nicht minder für den Holzschnitt thätig; seine Blätter sind zumeist von kleinem Format. Am berühmtesten ist sein „Totentanz“ (Lyon 1538), dann das „Totentanzalphabet“, geschnitten von Lützelburger, und die „Illustrationen zum Alten Testament“ (Lyon 1538). Als dritter im Bund ist Lukas Cranach, der Gründer der sächsischen Schule, zu nennen, welcher gleichfalls in derselben Zeit durch die Fülle seiner Zeichnungen für den Holzschnitt diesen bedeutend förderte. Zu Anfang des 16. Jahrh. machte Jost de Negker, [684] wie es scheint, die Erfindung des sogen. „Helldunkelschnitts“ (Chiaroscuro); hierzu werden mehrere Holzstöcke, zumeist zwei oder drei, verwandt, welche durch ihre verschiedenartige Färbung dem Blatte das Ansehen einer braun, grau, rötlich etc. getuschten, auch weiß gehöhten Zeichnung geben. Nach J. Wechtlin, H. Burgkmair, L. Cranach, H. Baldung u. a. sind in dieser Manier verschiedene Blätter ausgeführt worden. In Italien griff Hugo da Carpi diese Technik auf.

Die früher mit Heftigkeit besprochene Frage, ob die Maler nur die Zeichnungen auf den Holzstock entworfen oder selbst auch geschnitten, läßt sich mit Wahrscheinlichkeit dahin entscheiden, daß sie vielleicht hin und wieder zur Korrektur das Schneidemesser in die Hand nahmen, ja wohl mitunter auch selbst ein Blatt ausführten, im großen und ganzen aber mehr als Zeichner für den Holzschnitt denn als Holzschneider selbst betrachtet werden müssen. Was die Gegenstände der Darstellungen betrifft, so bestanden sie, außer den zahlreichen Illustrationen zu religiösen Werken, besonders in Porträten, selbst in Lebensgröße, Triumphzügen, Städteansichten (Prospekten), Genealogien, Landkartensammlungen, Abbildungen zu klassischen und andern wissenschaftlichen Werken, Reisebeschreibungen und Chroniken. Daneben bildete sich mittels des Holzschnitts eine ganz neue Art der Publizistik durch die satirischen Flugschriften und Karikaturen sowohl religiöser als politischer Tendenz, Bilderbogen, illustrierte Kalender etc., Bestrebungen, welche vorzugsweise durch den beginnenden Kampf des reformatorischen Prinzips gegen die päpstlich-hierarchische Übermacht erweckt und belebt wurden. Die Zentralpunkte dieser ausgebreiteten Wirksamkeit des Holzschnitts waren auch zugleich die der Buchdruckerei, besonders die freien Reichs- und Universitätsstädte, wie Augsburg, Mainz, Nürnberg, Straßburg, Ulm, Köln, Basel, Frankfurt a. M., Lübeck etc. Von andern Ländern waren es besonders die Niederlande, welche Tüchtiges auf diesem Feld leisteten; hier waren Lucas van Leiden und J. Cornelisz als Zeichner für den Holzschnitt thätig. In Italien war es fast ausschließlich Venedig, in Frankreich Paris und Lyon, wo in damaliger Zeit tüchtige Holzschneider in Thätigkeit waren, obschon im ganzen hier der Holzschnitt keine unabhängige Stellung hatte, sondern eine mehr handwerksmäßige Tendenz im Dienste des Buchdrucks verfolgte. Seit der Mitte des 16. Jahrh. begann der Holzschnitt bereits wieder seine künstlerische Bedeutung einzubüßen; namentlich trug hierzu die rasche Entwickelung des Kupferstichs bei, dessen gefährliche Rivalität bisher nur durch die größere Popularität niedergehalten war, welche der Holzschnitt aus seiner illustrativen Eigenschaft schöpfte. Zwar wurde gerade jetzt massenhaft produziert: die Maurer, Stimmer, J. Amman, V. Solis lieferten zahllose Zeichnungen dafür, und es gab auch noch tüchtige Formschneider, wie A. Andreani in Italien, Chr. Jegher in Antwerpen, le petit Bernard in Frankreich. Allein die bessern Künstler wandten sich bereits mit Vorliebe dem Kupferstich zu, so daß der Holzschnitt allmählich zu einem handwerksmäßigen Betrieb herabsank, bis der Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs ihm in Deutschland fast gänzlich ein Ende machte. Mit dem 17. Jahrh. schließt die ältere Geschichte der H. ab, denn in dieser Zeit ist sie auch in den Niederlanden und Italien fast ganz untergegangen. Dagegen treten jetzt Frankreich und England allmählich in den Vordergrund. In Frankreich sind es besonders zwei Künstlerfamilien, die Papillons und die Lesueurs, an welche sich einzelne Künstler, wie Besnard, Fleuret, Duplat, Corne u. a., anschließen; in England zuerst Edward Kirkall und Johann Baptist Jackson, welche als die Hauptrepräsentanten der damaligen Xylographie gewissermaßen den Übergang von der ältern zur neuern H. bilden (1700–1770), auch in Rücksicht auf die Technik, in welcher sich eine gänzliche Umwälzung anbahnte, die natürlich auch eine große Veränderung der künstlerischen Behandlung des Holzschnitts zur Folge hatte.

Die eigentliche neuere Geschichte des Holzschnitts beginnt daher mit dem Ende des 18. Jahrh., und zwar ist es in dieser Zeit vorzüglich Thomas Bewick in England, der Vater des modernen Holzschnitts, welcher durch seine zahlreichen Schüler, Robert Johnson, Christian Nesbit, Henry Hole, Robert Branston, Luke Clennel, William Hughes u. a., eine große Pflanzschule der H. gründete. Bewick wendete seine besondere Aufmerksamkeit auf die charakteristische Darstellung der Tierphysiognomien. Der Charakter seiner Schnitte besteht, ganz abweichend von dem der ältern H., in einer Nachahmung des Metallstichs, d. h. in einer Verdrängung des Naturschnitts durch seine malerische Ausführung des Stofflichen. In Frankreich machte die Revolution von 1789 auf längere Zeit zwar dem Holzschnitt ein Ende; aber im dritten Dezennium des gegenwärtigen Jahrhunderts wurde derselbe durch den ausgezeichneten Schüler Bewicks, Charles Thompson, wieder eingeführt und schnell zu einer hohen Ausbildung in technischer wie in künstlerischer Beziehung gebracht. In Deutschland, wo der H. bis gegen die Mitte des 18. Jahrh. durch einzelne Künstler, wie Milchram, Prestel, Holtzmann, sodann durch Seltsam, Wucherer, Rupprecht, das Leben gefristet worden war, begann sie sich im Anfang des 19. Jahrh. ebenfalls wieder etwas zu heben, besonders durch die beiden Unger, welche jedoch nebst einigen andern Holzschneidern dieser Zeit noch der Übergangsperiode angehören. Den Grund zur neuern Entwickelung des deutschen Holzschnitts legte Gubitz in Berlin und gleichzeitig Blasius Höfel in Wien. Doch hat diese Entwickelung erst seit der Begründung der großen illustrierten Zeitungen und des Aufschwunges der Bücherillustration einen großen Umfang angenommen, der freilich auch bald zu fabrikmäßigem Betrieb der H. führte, so daß schließlich eine Reform durch Anstellung von Lehrern der H. an Kunstakademien und durch die Erteilung von Zeichenunterricht an Holzschneider nötig wurde. In Deutschland knüpft sich der erste Aufschwung der H. an Adolf Menzel, der sich für die Reproduktion seiner Illustrationen zu Kuglers „Geschichte Friedrichs d. Gr.“, zu den Werken Friedrichs d. Gr. etc. eine Anzahl im Faksimileschnitt tüchtiger Holzschneider heranbildete, unter denen Unzelmann, A. u. O. Vogel, H. Müller und Kretzschmar (s. unten) zu nennen sind. Überhaupt ist für die Charakteristik des modernen Holzschnitts in Beziehung auf die nationalen Unterschiede seiner Hauptrepräsentanten England, Frankreich, Deutschland u. Nordamerika ein Hinweis auf die Zeichner für den Holzschnitt von Wichtigkeit. Im allgemeinen besteht der Charakter des englischen Holzschnitts in einer großen technischen Freiheit rücksichtlich der Zeichnung und in der Gleichartigkeit der Manier, die auf einen gewissermaßen silberartig schillernden Gesamtton hinausgeht, wobei weder auf Prägnanz der Umrisse noch auf Regelmäßigkeit in der Behandlung der Schattenpartien durch Kreuzschnitte allzusehr geachtet wird. Der Holzschnitt der Nordamerikaner, der namentlich in der illustrierten Presse die reichste [685] Verwendung findet, strebt bei feinster Durchführung nach vollster malerischer Wirkung, welche mit der des Originals, allerdings bis zu völliger Verleugnung der der H. eigentümlichen Technik, wetteifert. Der französische Holzschnitt zeichnet sich durch malerischen Effektreichtum und künstlerische Wirkung, der deutsche durch Gewissenhaftigkeit der Durchführung und Solidität der Technik aus. Diese Unterschiede charakterisieren aber ebensosehr die Zeichnung wie den Holzschnitt selbst; es sind damit die bezüglichen englischen, französischen und deutschen Zeichner ebensowohl wie die betreffenden Holzschneider gekennzeichnet. Doch haben sich diese Unterschiede neuerdings verwischt: überall steht das Streben nach koloristischer Wirkung, die man mit den raffiniertesten Mitteln zu erreichen sucht, obenan. In England sind als die vorzüglichsten Holzschnittzeichner William Harvey, George Cruikshank, John Gilbert und Forster, in Frankreich Grandville, Gavarni, Tony Johannot, Horace Vernet und Gustave Doré, in Deutschland Adolf Menzel, Neureuther, Ludwig Richter, Ille, L. Burger, B. Vautier, A. v. Werner, Thumann, W. Friedrich, Grot-Johann zu nennen, denen sich das Heer der Illustratoren anschließt.

Es bleibt jetzt nur noch übrig, die hauptsächlichsten modernen Holzschneider in den verschiedenen Ländern zu nennen. England: Ch. und J. Thompson, Williams, Masom, Wright, Byfield, Or. Smith, Linton, Cears, J. und M. Jackson, Dalziel, Carter, Landells, Harrison, Vixetelly, Bastin, W. J. Palmer, Fromant, C. Roberts, R. Taylor etc.; Frankreich: Best, Leloir, Hotelin, Regnier, Lacoste, Brivière, Brugnot, Porret, Graf von Laborde, Dujardin, Gérard, Bernard, Fauchéry, Hébert, Bréval, Chauchefoin, A. Legère, Pannemaker (Sohn), Baude, Thiriat, Grenier; Deutschland: zunächst Gubitz und Unzelmann in Berlin, der, wie Bewick für die Regeneration des modernen Holzschnitts überhaupt, so speziell für die des deutschen gewirkt hat. An ihn schließen sich als seine Schüler an: die Gebrüder A. und O. Vogel in Berlin, Ed. Kretzschmar und W. Georgy in Leipzig; außerdem sind zu erwähnen: Braun u. Schneider und Knesing in München, Paar, Hecht in Wien, H. Bürkner und A. Gaber in Dresden, H. Lödel in Göttingen, G. Flegel, Berthold, H. Käseberg, K. Örtel in Leipzig, H. Müller, R. Bong, G. Heuer in Berlin, A. Cloß, Allgaier und Siegle in Stuttgart, Brend’amour in Düsseldorf, M. Klinkicht in Freiburg i. Br. u. v. a.; Nordamerika: Th. Cole, W. J. Linton, G. Krüll, F. Juengling, J. A. Bogert, H. Baker, W. H. Redding, Heinemann, Hoskin, Th. Johnson, W. B. Clossen, D. Nichols u. a. Aus andern Ländern sind zu erwähnen: A. Brown, welcher im Haag und in Antwerpen große Holzschneideschulen gründete, aus denen tüchtige Künstler, wie Vermorken, Bosquet, Pannemaker (Vater) etc., hervorgingen; ferner Fabris, Balbiani, Ratti u. a. in Italien.

Litteratur. Die besten Quellen für die Geschichte der H. sind zunächst die in den Kupferstichkabinetten enthaltenen Originalwerke älterer und neuerer H., sodann die Spezialwerke über einzelne Fragen, z. B. Spielkarten, Totentänze etc., namentlich auch Bartsch„Peintre-graveur“. Von ältern allgemeinen historischen Werken über die H. sind die von Fournier le Jeune (Par. 1756), Papillon (das. 1766), Heineken (Leipz. 1771), Jansen (Par. 1808) erwähnenswert; das erste umfassendere kritische Werk ist Hellers „Geschichte der H.“ (Bamb. 1822); vgl. ferner Ottley, An inquiry into the origine and early history of engraving upon copper and on wood etc. (Lond. 1846); Chatto, Treatise on wood engraving, historical and practical, mit Holzschnitten von J. Jackson (das. 1852, neue Ausg. 1861); Schasler, Schule der H. (Leipz. 1866); H. Delaborde, Histoire de la gravure (populär, auch den Kupferstich behandelnd, Par. 1882); Woodberry, History of wood engraving (Lond. 1883); T. O. Weigels und Zestermanns Prachtwerk „Die Anfänge der Druckerkunst“ (Leipz. 1866, 2 Bde.) und „Holzschnitte des 14. und 15. Jahrhunderts im Germanischen Museum“, mit 164 Tafeln (Nürnb. 1875, 2 Bde.). Für die Geschichte der neuern H. sind zu nennen: H. Lücke, Bilderalbum zur neuern Geschichte des Holzschnitts (Leipz. 1877); F. Lipperheide, Mustersammlung von Holzschnitten aus englischen, nordamerikanischen, französischen und deutschen Blättern (Berl. 1885); „Die vervielfältigende Kunst der Gegenwart“ (hrsg. von Lützow, Wien 1886 ff.). Wichtige Beiträge zur Geschichte der H. lieferten außerdem Sotzmann, Rumohr, R. Weigel, Passavant, His, A. Tonnellé, Fr. Lippmann, W. v. Seydlitz, Conway u. a. Für das Technische vgl. Hering, Anleitung zur H. (Leipz. 1873); A. de Lostalot, Les procédés de la gravure (Par. 1882); Linton, Wood engraving (Lond. 1884).