Melpomene/Band 1/026 Bei dem Grabe einer alten Jungfrau die todt im Bette gefunden wurde

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 117–119
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[117]

26. Bei dem Grabe einer alten Jungfrau die todt im Bette gefunden wurde.

Melod. IX.

1. Hier modert im düsteren Grabe
Kreszentia Seebergerin;
Sie brachte zur willigen Gabe
Dem Schöpfer ihr Leben dahin;
Sie weihte die Kindheit und Jugend,
[118] Das Alter, den ledigen Stand,
Und also sich gänzlich der Tugend,
Wozu sie der Heiland verband.

2. Sie lebte beständig zufrieden
Mit Allem, was Gott ihr verlieh,
Und was ihr der Himmel beschieden,
Und klagte und murrete nie;
Sie zog sich bescheiden zurücke
Von dieser gefährlichen Welt,
Die immer mit heimlicher Tücke
Der Unschuld und Tugend nachstellt.

3. Aus Liebe zur Tugend war immer
Ihr Demuth und Einsamkeit lieb,
Weswegen sie ferne vom Schimmer
Der Hoffart und Kleiderpracht blieb.
So blieb sie auch ferne vom Tanze,
Und ferne von jeder Gefahr,
Die manchem jungfräulichen Kranze
Zum Falle Gelegenheit war.

4. Sie wurde deswegen verachtet,
Verspottet, verhöhnet, verlacht,
Doch hatte sie höcher geachtet
Der Reinigkeit himmlische Pracht;
Deswegen gesellte sie immer
Den weisen Jungfrauen sich bei,
Damit sie im Heiligkeit Schimmer
Dem Höchsten gefälliger sey.

5. So war sie bereitet beständig,
Wann immer der Bräutigam kam,
[119] Ihr Glaubenslicht brannte lebendig
Entgegen dem göttlichen Lamm;
Obwohl sie nun plötzlich gestorben
An einem erstickenden Fluß,
So hat sie doch sicher erworben
Den himmlischen Freudengenuß.

6. O möchten sich alle Jungfrauen
Und Jünglinge spiegeln daran,
Und nie den Versuchungen trauen,
Wie unsere Schwester gethan;
Sie würden sich sicher ersparen
Der Reue so schreckliche Pein,
Und von den so vielen Gefahren
Der Tugend gesicheret seyn.

7. Wohlan denn! wir wollen das Leben
Der christlichen Frömmigkeit weihn,
Und redlich nach Besserung streben,
Und unsere Sünden bereun;
Denn möge der Tod uns befallen
Im Schlummer der nächtlichen Ruh;
Wir sterben bereitet, und wallen
Der ewigen Seligkeit zu. –