Melpomene/Band 1/062 Bei dem Grabe eines alten Mannes

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 209–210
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[209]

62. Bei dem Grabe eines alten Mannes.

Melod. VIII. IV.

1. Endlich fand von seinen Schmerzen
Unser Bruder sanfte Ruh,
Und mit Gott ergebnem Herzen
Reiste er dem Himmel zu.

2. Denn was hatte er auf Erden?
Nichts, als Mangel, Kreutz und Noth,
Spott, Verachtung und Beschwerden,
Und zuletzt den bittern Tod.

3. Aber hier, im Schoos der Erde,
Fand er die ersehnte Ruh;
Daß er ewig selig werde
Eilte er dem Schöpfer zu.

4. Denn er kränkelte schon länger,
Schmerz und Leiden quälten ihn,
Immer ward sein Athem enger,
Und die Kräfte schwanden hin.

5. Keine Hoffnung zur Genesung
Tröstete sein armes Herz,
Nur nach baldiger Erlösung
Sah sein Auge himmelwärts.

6. Endlich war auf Haut und Knochen
All sein Fleisch und Blut verzehrt,
Und nachdem sein Herz gebrochen,
Wurde sein Gebeth erhört.
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7. Herr! so bath er: laß im Frieden
Deinen Diener scheiden hin,
Und ich sterbe gern hienieden,
Denn der Tod ist mein Gewinn.

8. Ganz von Reu und Schmerz durchdrungen
Über seine Sündenschuld,
Ist ihm sicher dort gelungen
Einzugehen in Gottes Huld.

9. Denn vor Gottes heiligen Augen
Sind die Menschen alle gleich,
Und nur reine Seelen taugen
Einstens in das Himmelreich;

10. Ja, die Reichen, wie die Armen,
Fordert Gott zur Rechenschaft,
Und sie werden ohn’ Erbarmen
Einst vom Tode hingerafft.

11. Trachtet also nicht nach Schäzen,
Die der Tod entreissen kann,
Sondern wallt nach den Gesetzen
Gottes auf der Tugendbahn;

12. O denn mögen alle Welten
Untergehn in Todesnacht,
Alles wird uns dort vergelten
Gottes Gnade, Lieb und Macht.