Melpomene/Band 1/066 Bei dem Grabe einer Wittwe

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 221-222
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66. Bei dem Grabe einer Wittwe.

Melod. IV.

1. Das Grab ist öd und stille,
Und schaudervoll sein Rand;
Doch nur nach Gottes Wille
Greift uns des Todes Hand.

2. Denn nur der Leib vermodert,
Und faulet hier im Grab;
Die Seele aber fodert
Der Herr des Lebens ab.

3. So modert auch die Leiche
Von dieser Mutter hier,
Und dort im Geisterreiche
Wird nun vergolten ihr.

4. Mit Mutterlieb im Herzen
Zog sie acht Kinder groß;
Doch, Kummer, Gram und Schmerzen,
Sind vieler Eltern Loos.

5. Dieß kürzet oft ihr Leben
Um viele Jahre ab,
Und, denen sies gegeben,
Die stürtzen sie ins Grab.

6. Sie litt im Wittwenstande
So manches Ungemach;
Doch hier, am Grabesrande,
Verstummt ihr Weh und Ach.
[222]
7. Sie war in ihrem Leiden
Voll Sanftmuth und Geduld,
Und hat mit stillen Freuden
Bezahlt des Todes Schuld.

8. Dieß also läßt uns hoffen:
Daß sie am Grabesrand
Das Reich des Himmels offen,
Und Gottes Gnade fand.

9. Denn wer geduldig leidet,
Und lebt und stirbt, wie sie,
Dem fehlet, wenn er scheidet,
Die Gnade Gottes nie.