Melpomene/Band 1/095 Bei dem Grabe des Joseph Bräunle, der an der Gelbsucht starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 300–301
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95. Bei dem Grabe des Joseph Bräunle, der an der Gelbsucht starb.

Melod. XV.

1. Nun endlich ruht von seinen Leiden
Der stille Dulder hier im Grab,
Wobei er bis zum letzten Scheiden
In Gottes Willen sich ergab,
Und, o wie viel hat er gelitten,
Wie unaussprechlich war der Schmerz,
Bis er den letzten Kampf gestritten,
Und endlich brach sein armes Herz!

2. Denn schon vor einem Vierteljahre
Verlor er der Gesundheit Lust;
Bei allen Medizinen ware
Er keiner Lindrung sich bewußt;
Verschwunden war die Lebensfreude,
Und jede Hoffnung schwand dahin,
Denn die verstopften Eingeweide
Erweichte keine Medizin.

3. Die Galle blieb im Blut zurücke
Und hatte gänzlich es verderbt,
Und selbsten seine düstern Blicke
Mit ihrer Farbe gelb gefärbt;
Auch der geschwächte Magen wollte
Zur Nahrung keine Speise mehr,
Und gab, was er verdauen sollte,
In Schmerz und Krämpfen wieder her.
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4. So wurde bis auf Haut und Knochen
Sein Leib allmählig abgezehrt,
Und nie sein Leiden unterbrochen,
Und täglich seine Qual vermehrt;
Doch litt er alle diese Schmerzen
Mit heldenmüthiger Geduld,
Durch sie mit reuevollem Herzen
Zu tilgen seine Sündenschuld.

5. Doch endlich hatte Gott Genüge
An seiner namenlosen Qual,
Er fiel in seine letzten Züge,
Und athmete zum letztenmal,
Und fand gewiß für seine Leiden
Verzeihung seiner Sündenschuld,
Und dort die grenzenlosen Freuden
Der Seligkeit in Gottes Huld.

6. Laßt uns daher die Erdenleiden
Beständig tragen mit Geduld,
Und auch die kleinste Sünde meiden,
Bereuen unsre Sündenschuld,
Und immer jede Tugend üben
Wozu uns Gott die Kraft verleiht,
Dann werden wir gelangen drüben
Ins Reich der ew’gen Seligkeit.