Melpomene/Band 2/037 Bei dem Grabe eines Greisen

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 115–117
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[115]

37. Bei dem Grabe eines Greisen.

Melod. IV.

1. In dieser Grabesstille
Vermodert nun ein Greis,
Und seine Seelenhülle
Wird hier der Würmer Speis.

2. In stiller Lebensweise,
Und liebevollem Sinn
Gieng seine lange Reise
Durch dieses Leben hin.

[116] 3. Ein hoffnungloses Fieber
Verzehrte langsam ihn,
So flog sein Geist hinüber
Zu seinem Schöpfer hin.

4. Er brachte zwar sein Leben
Auf neun und siebenzig,
Doch viele Jahre geben
Dem Tode nur den Sieg.

5. Was nützen hundert Jahr,
Wenn sie verflogen sind?
Der Greis gleicht in der Bahre
Dem todgebohrnen Kind.

6. Daher sey nur ein Leben
Mit reinem Tugendsinn
Das Ziel von unserm Streben,
Dann ist der Tod Gewinn.

7. Es kommt ja nicht aufs Alter,
Nur darauf kommt es an,
Ob wir als Sachverwalter
Auch unsre Pflicht gethan.

8. Im Gegentheil vergrössert
Das Alter unsre Schuld;
Wir werden, ungebessert,
Nicht finden Gottes Huld.

9. Laßt uns nach Tugend streben;
Und nicht nach Erdenglück,
Denn auch das längste Leben
Ist nur ein Augenblick.

[117] 10. Zum steten Augenmerke
Sei dieser Spruch gewählt:
Es folgen nur die Werke
Uns nach in jene Welt.