Neuere Czechische Geschichtsforschung

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Textdaten
Autor: Heinrich Vančura
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Titel: Neuere Czechische Geschichtsforschung
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 5 (1891), 377–390.
Herausgeber: Ludwig Quidde
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Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
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Erscheinungsort: Freiburg i. Br
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Quelle: Scans auf Commons
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WS: vgl. Vorgängerartikel: Die Neuere Böhmische Geschichtsforschung

[377]
Berichte und Besprechungen.


Neuere Czechische Geschichtsforschung.


Es scheint, dass der Schwerpunkt der Czechischen Geschichtsforschung in den letzten Jahren allmählich in die neuere Periode nach dem J. 1526 übergeht. Bei diesem Jahre ist Palacký bei seiner wissenschaftlichen Bearbeitung der Böhm. Geschichte stehen geblieben. Der berühmte Böhm. Landeshistoriograph hatte zwar um Fortsetzung seines Werkes Sorge getragen, indem er zur Sammlung und Sichtung des überaus reichen, aber zerstreuten Quellenmaterials im J. 1862 die Gründung des Böhm. Landesarchives bewirkte. Prof. A. Gindely, damals schon durch seine Geschichte der Böhm. Brüder bekannt, sollte als Landesarchivar zur künftigen neueren Geschichte Böhmens wissenschaftliche Vorbereitungen treffen. Bemerkenswerth ist, dass auch nach dem Tode Palacký’s die heimische Geschichtsforschung die ältere Periode der Böhm. Geschichte mit besonderer Vorliebe pflegte. So mächtig war der Einfluss des grossen Geschichtswerkes, in welchem der Glanz der staatlichen Selbstständigkeit und der Ruhm des reichen geistigen Lebens im 14.–15. Jahrhundert mit grosser Kunst und Kraft gezeichnet wurden, dass die besten Kräfte der Böhm. Historiographie sich der Erweiterung, Vertiefung und Verbesserung der älteren Böhm. Geschichte widmeten (Tomek, Dudík, Goll, Emler). Die Sorge um die neuere Geschichte wurde indessen Prof. Gindely als dem Director des Böhm. Landesarchives überlassen. Allein der Wunsch Palacký’s bei Gründung dieser Anstalt, dass „das Böhm. Volk am frühesten den Spiegel seiner ganzen Vergangenheit erhalte“, wurde bisher nicht erfüllt. Schon zwei Jahre nach seinem Tode hat Prof. Gindely seiner hist. Forschung engere Grenzen gesetzt. In der Vorrede zu der Czech. Bearbeitung seiner Geschichte des 30jährigen Krieges erklärte der gelehrte Verfasser den Gang der Ereignisse bis zum Todesjahre Waldstein’s hinzuführen; unbestimmt und mit kargen Worten wurde dabei noch die Bearbeitung des 16. Jahrhunderts [378] als unmittelbare Fortsetzung der monumentalen Geschichte Palacký’s zugesagt. Dass auch nach dieser aufrichtigen Erklärung Gindely’s die entscheidenden wissenschaftlichen Kreise Böhmens im Laufe der langen zwölf Jahre keine Vorbereitungen trafen, um bei dem Landesarchive neben Prof. Gindely andere neue frische Kräfte zu fördern und zu gewinnen zur Weiterführung und Vollendung der neueren Böhm. Geschichte, würde uns als ein pures Rätsel erscheinen, wenn uns die Desorganisation der heimischen wissenschaftlichen Arbeit in Böhmen nach dem Tode Palacký’s nicht bekannt wäre. Diese Nachlässigkeit war desto schädlicher und verhängnissvoller, je grösser sich die Bedeutung der neueren Geschichte für die öffentlichen und culturellen Zwecke des Böhm. Volkes erweist. Der politische Umsturz, der in Böhmen durch die absolutistischen Neuerungen Ferdinand’s II., dem sein Ahne Ferdinand I. den Weg bahnte, und durch die centralisirenden Reformen Maria Theresiens und Josef’s II. geschah, hat den Zusammenhang mit dem früheren staatlichen und geistigen Leben des Böhm. Volkes unterbrochen und ein neu aufgewecktes Leben auf neue Grundlagen gestellt, auf welchen heutzutage um die Erhaltung und Förderung seiner nationalen Individualität gestrebt und gefochten wird.

Während die Deutsche histor. Literatur in Oesterreich für die neuere Geschichte der Böhm. Länder zahlreiche inhaltsvolle Quellenpublicationen und wissenschaftliche Bearbeitungen aufweist (d’Elvert, Hallwich, Chlumecký, Arneth etc.), herrscht in der Czechischen Historiographie für diese Zeit die tiefste Leere und Finsterniss, deren schädliche Wirkungen sich sowohl in der histor. Wissenschaft als auch in dem ganzen öffentlichen Leben von Tag zu Tag immer schroffer zeigen. Hyperreligiöse und hypernationale Schulen, deren Verfechter eine oberflächliche wissenschaftliche Ausbildung tragen, verbreiten indessen falsche Theorien und Anschauungen, erdichten ganze Reihen von histor. Legenden, begehen zahlreiche Fehler, ja oft sichtbare histor. Unwahrheiten. Ohne Berücksichtigung der analogen Entwicklung der neueren Ungarischen Geschichte, wo durch Erhaltung der alten politischen und religiösen Freiheiten das herrschende Magyarische Volk heutzutage immense materielle und culturelle Fortschritte macht, sucht in Böhmen eine historische Schule in der Niederlage der Böhm. Stände auf dem Weissen Berge ein besonderes Glück des Böhm. Volkes und in der gewaltthätigen katholischen Gegenreformation die zum neuen künftigen Wiederaufleben (!) nöthige Kräftigung. Ohne Berücksichtigung des grossen Fortschrittes, der sich mit dem Umsturz der herabgekommenen mittelalterlichen ständischen Verfassung und mit deren Ersetzung durch die neuen modernen Einrichtungen des [379] politischen und socialen Lebens in Böhmen vollzog, was damals ohne Centralisation und Befestigung der herrschenden Gewalt nicht geschehen konnte, werden oft die berühmten Reformen Maria Theresiens und Josef’s II. als das muthmassliche Grab der Böhm. Nationalität dargestellt. Und doch muss man in dem Fortschritte des materiellen Wohlstandes und in der Herausgabe des Toleranz- und Robotpatentes K. Josef’s II. die Gründe für das Aufleben des Czechischen Geistes suchen, dem auch die Germanisirenden Tendenzen des Kaisers keinen besonderen Schaden gethan, ja durch Erweckung der Gegenströmung einen neuen Aufschwung verliehen hatten.

Allein die Wirkungen eines immer mehr sich erweiternden und durchgreifenden wissenschaftlichen Lebens in Böhmen, welches durch die Gründung der Czech. Hochschule in Prag (1882) geweckt wurde, zeigen sich hoffnungsvoll auch in der neuesten Geschichtsforschung. Die Stellung der jüngeren Generation der Czech. Gelehrten in dem wissenschaftlichen Streite um die Echtheit der Königshofer und Grünberger Handschrift, von dessen Verlaufe und Erfolge in dieser Zeitschrift bereits[1] ausführlichere Berichte gegeben wurden, kann man als ein freudiges Symptom der neuen Richtung annehmen: der reinen wissenschaftlichen Wahrheit werden ohne Erbarmen und Mitleid alle, selbst die glänzendsten Illusionen und phantastischen Producte der älteren romantischen Periode geopfert. Aus diesen idealen und aufopfernden Bestrebungen der jüngeren Czech. Gelehrtenwelt sind auch die neuesten Versuche um systematische Bearbeitung der neueren Böhm. Geschichte hervorgegangen. Es ist ein grosses Verdienst des Prof. A. Rezek, dass er in wahrer Würdigung des dringenden Bedürfnisses einer neueren Geschichte Böhmens, dieses Schlüssels zum Verstandniss der neueren Entwicklung der politischen und socialen Stellung des Böhm. Volkes, seine Forschung auf die Periode des 17. und 18. Jahrhunderts concentrirt. Schon in seiner Geschichte der volksthümlichen religiösen Bewegung in Böhmen, deren I. Band die Zeit der gewaltthätigen kath. Gegenreformation (1620–1781) enthält, wurde das werthvollste Material zur Böhm. Culturgeschichte dieser für das Böhm. Volk so traurigen Periode gesammelt und erläutert. In unserem ersten Berichte haben wir auch das andere Unternehmen des fleissigen Gelehrten gewürdigt, die Fortsetzung der Böhmisch-Mährischen Chronik. Diese Publication, welche jetzt auf einer ganz veränderten Grundlage basirt ist, dient nicht nur den früheren Bedürfnissen als ein für die weitesten Kreise zugängliches Geschichtswerk, sondern bietet auch einen Leitfaden für die Czech. Historiker, Literaten und Politiker; [380] den wissenschaftlichen Anforderungen wird Genüge gethan durch gewissenhafte Aufzählung der benutzten Quellen. In dem eben beendeten 5. Buche[2] führt Prof. Rezek die Schilderung der Ereignisse seit dem J. 1627 bis zum Westfälischen Frieden 1648. Aus dem kostspieligen illustrirten Werke wurde ein Theil in einem besonderen Abdrucke ohne Bilder und im Octavformate herausgegeben.

Auf Grundlage des allseitigen Studiums des gesammten gedruckten Quellenmaterials wie auch der selbständigen archivalischen Durchforschung wird in der Böhm. histor. Literatur von Prof. Rezek zum ersten Male die systematische Schilderung der letzten 20 Jahre des 30jährigen Krieges unternommen, jener düsteren und traurigen Zeit, in welcher die Böhm. Emigration mit Hilfe der Sächsischen (1631 bis 1632) und Schwedischen Einfälle (1639, 1642, 1645, 1648) die letzten verzweifelten Anstrengungen machte, um das neue Staatsregime, welches in Böhmen der Weissenberger Sieger aufoctroyirte, umzustürzen. Durch die heldenmüthige Vertheidigung Prags, wo durch die Anstrengung des kath. Klerus, besonders des rührigen Jesuiten-Ordens, ein voller Umschwung der religiösen Anschauung der städtischen Bewohner eintrat (1648) und Bürger wie Studenten aufopfernde Hilfe leisteten, wurde der schwere Kampf um die Restitution der alten politischen und religiösen Freiheiten zu Gunsten der neuen absolutistischen und katholischen Ordnung entschieden, die für das Schicksal der Czech. Nationalität so verhängnissvolle Folgen hatte. Verarmt und zugleich der Intelligenz und des nationalen Adels beraubt fiel das Böhm. Bauernvolk unter das Joch des fremdländischen Adels und wurde durch die Gewalt der berüchtigten Dragonaden zur Annahme der katholischen Religion gezwungen.

Obwohl die Beschreibung der neuen politischen und religiösen Ordnung nach dem J. 1627 eine ausführliche ist, wird dadurch die Schilderung der kriegerischen Ereignisse nicht im geringsten beeinträchtigt. Gründlich und ausführlich werden da die Einfälle und Feldzüge der Sachsen und Schweden in den Böhm. Ländern, die meisterhaften Rückzüge Banner’s, Torstenson’s geschildert. Auf Grundlage der Kriegspläne und des betreffenden Terrains wird der Verlauf der grossen Schlachten beschrieben, wobei scharfe, aber verdiente Kritik an der kaiserlichen Kriegsführung geübt wird. Bei der Anführung der Literatur wird sub linea in zahlreichen Anmerkungen [381] viel werthvolles Material zur Kritik des Theatrum Europaeum beigebracht, zugleich werden sehr viele Fehler und Irrthümer der verschiedenen heimischen und fremden Monographien aufgezeigt und verbessert. Wenn Prof. Gindely eine nicht hinreichende Berücksichtigung der heimischen Geschichtsquellen, sowie auch eine Zersplitterung seiner Darstellung, deren Schauplatz weit über die Grenzen der Böhm. Länder hinausreicht, vorgeworfen wurde, meidet Prof. Rezek in seinem Werke diese Mängel. Dass aber seine Schilderung nicht auf so vielen archivalischen Studien beruht, das muss man durch die Ungunst der eben herrschenden Böhm. Literarverhältnisse erklären. Nur sehr ungern berühren wir die unheilvolle Folge des unlängst geführten handschriftlichen Streites. Die Partei der Strenggläubigen, welche in der Hitze des Kampfes in der königl. Böhm. Gesellschaft der Wissenschaften dem berühmten Slavisten Prof. Gebauer die Subvention zur Beendigung des Altböhmischen Wörterbuches entzog, weil sich dieser nicht fürchtete, die Wahrheit über die berüchtigten Altböhm. Falsa auszusprechen, besteht fast aus lauter älteren Böhm. Historikern (Tomek, Gindely, Emler, Kalousek), beherrscht alle heimischen wissenschaftlichen Anstalten und zeigt sich, nach erlittenen Niederlagen indolent, apathisch gegen die Forderungen und Bedürfnisse der jüngeren heimischen Gelehrtenwelt. Prof. Rezek ist einer der hervorragendsten Repräsentanten dieser neueren Richtung und dadurch muss man sich erklären, dass seine Erforschung und Bearbeitung der neueren Böhm. Geschichte ohne alle Hilfe der heimischen wissenschaftlichen Institute bleibt. Bezeichnend ist für unsere gegenwärtigen[WS 1] literar. Verhältnisse, dass Rezek’s Geschichte der volkstümlichen religiösen Bewegungen in Böhmen auf eigene Kosten des Verfassers herausgegeben wurde, und dass die erste wissenschaftliche Bearbeitung der neueren Geschichte Böhmens in die Böhmisch-Mährische Chronik, die eigentlich ein volksthümliches Geschichtswerk war, Zuflucht nehmen musste.

Allein trotz dieser drückenden Ungunst der Verhältnisse ist der erste Versuch einer systematischen Darstellung der neueren Böhm. Geschichte als gelungen und vortrefflich zu bezeichnen. Weitere, ausführlichere archivalische Studien werden gewiss verschiedenes neues Detail entdecken, neues Material zur ausführlicheren bestimmteren Charakteristik der hervorragenden histor. Persönlichkeiten liefern, allein wir glauben, dass an der glücklich angelegten und objectiv vorgenommenen Conception, welche Prof. Rezek von den letzten zwei Decennien des 30jährigen Krieges entwirft, in der Hauptsache nichts verändert wird.

Bevor Prof. Rezek in der Fortsetzung seines Werkes weiter fortschreiten wird, kann man als einen zeitweiligen Ersatz zur Geschichte [382] Böhmens unter K. Ferdinand III. die neu erschienene Dissertation von Dr. F. Šnjan[3] dankbar annehmen, in welcher unter den drei Gruppen der damaligen Habsburger Monarchie eine besondere Aufmerksamkeit den äusseren und inneren Verhältnissen der Böhm. Länder gewidmet wird.

Die Periode der politischen und socialen Umwälzungen Maria Theresiens und Josef’s II., die für die mittelalterliche ständische Verfassung und staatliche Selbständigkeit der Böhm. Krone so verhängnissvoll waren, wählte sich Dr. B. Rieger zum Gegenstande seiner Geschichtsforschung. Die eigentliche Charakteristik und die Zwecke des aufgeklärten Absolutismus und die Entwicklung des modernen Staatswesens zu dieser Zeit erhellen am besten aus der von der grossen Kaiserin in den Böhm. und Oesterreichischen Ländern als erster Instanz neu organisirten Kreisverfassung. Während früher die Ausführung der staatlichen Verordnungen in den Händen der patrimonialen Herrschaften lag, wobei oft die guten reformatorischen Intentionen der Regierung durch Widerwilligkeit der Stände nicht vollzogen wurden, wurde durch die Einrichtung der Kreisämter ein wichtiges Regierungsorgan zwischen die Landesregierung und das Landvolk eingeschoben, welches die patrimonialen Herrschaften mediatisirte und zum wirksamen Apparate der neuen Staatsthätigkeit wurde.

Der Böhm. Gelehrte lenkte sein Augenmerk auf diese Kreisverfassung hauptsächlich von dem Gesichtspunkt aus, dass diese berühmte Einrichtung Maria Theresiens in Böhmen eigentlich keine Neuerung war, sondern ein Resultat langer historischer Entwicklung eines wichtigen Gliedes der früheren Böhm. ständischen Verfassung, welches nach dem J. 1627 allmählig für die Staatsdienste gewonnen und verwendet wurde, bis es von Maria Theresia gänzlich verstaatlicht und nach dem Muster der Böhm. Länder auch in die Oesterreichischen Erbländer eingeführt wurde.

In dem I. Bande Rieger’s[4] wird die historische Entwicklung der Kreisverfassung in Böhmen nach den vier Perioden geschildert. In der ersten, Vorhussitischen Periode werden die Anfänge der neuen Einrichtung seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als die Altslavische Burgverfassung in vollem Verfalle sich befand, verfolgt; schon im 14. Jahrhundert entwickelten sich eigene Kreisgemeinden mit ihren Kreisversammlungen; die executive Gewalt wurde von dem [383] popravci krajští (Kreisgerichtsherren) ausgeübt, indem dem vornehmen im Kreise ansässigen Adel eine gewisse Polizei- und Criminalgerichtsgewalt zufiel. Der zweite Abschnitt behandelt die Veränderung, welche die Hussitischen Kriege in der Kreisverfassung verursachten, als vom K. Sigmund anstatt der sistirten Landesbehörden die Institution der Landfrieden mit gewählten Kreishauptleuten eingeführt wurde, mit deren Amte allmählig die Gewalt der Kreisgerichtsherren verschmolz. Unter der Regierung der Jagellonen erreichte die Kreisverfassung ihren Gipfelpunkt, indem sie mit ihren Kreisversammlungen, an denen besonders der niedrigere Adel theilnahm, eine breite Grundlage für die Entwicklung der ständischen Autonomie bildete. In der dritten Periode wurde diese Blüthezeit der ständischen Kreisverfassung von K. Ferdinand I. lahmgelegt durch das Verbot der Kreisversammlungen, und umsonst erstrebte der Böhm. Adel bei den Nachfolgern Ferdinand’s I. die Widerrufung desselben. Die „verneuerte Landesordnung“ Ferdinand’s II. bestätigte im Gegentheil dieses Verbot und in der darauf folgenden absolutistischen Zeit wurde das Amt der Kreishauptleute, ursprünglich eine ständische Einrichtung, immer mehr der Staatsgewalt unterworfen und ihren Aufgaben dienstbar gemacht, bis im J. 1740 von der K. Maria Theresia der letzte Schritt mit deren gänzlicher Verstaatlichung geschah, wovon der ausführlichste und interessanteste Abschnitt unseres Werkes handelt.

Wenn man erwägt, dass der junge Gelehrte sich auf ein grösstentheils noch unbebautes Feld wagte, dass er für die neuere Zeit meistentheils selbständige archivalische Studien unternehmen musste, tritt die Bedeutung der vollbrachten Arbeit noch heller hervor. Es wird da das werthvollste Material vorgeführt für die Erkenntniss der alten Böhm. ständischen Verfassung, die am Ende des 15. und am Anfange des 16. Jahrhunderts ihre Blüthezeit erreichte, aber seit der Regierung Ferdinand’s I. in unaufhörlichem Verfalle sich befand, so dass sie den grossen Umwälzungen des 18. Jahrhunderts keinen Widerstand zu leisten vermochte. Mit grösster Hoffnung und Spannung kann man der Fortsetzung der begonnenen Arbeit entgegensehen, die uns die Einrichtung und Wirksamkeit der Kreisämter in Böhmen im Laufe eines halben Jahrhunderts (1740–1790) schildern wird. In Grenzen der neuen Kreisverfassung wird man die Belehrung bekommen, wie der aufgeklärte Absolutismus in seinen Bestrebungen um die Hebung des materiellen und culturellen Wohlstandes der niederen Stände das Bedürfniss nach neuen Organen fühlte und zu diesem Zwecke die mittelalterlichen Formen des ständischen Staates durchbrach und die landesfürstliche Bureaukratie schuf, welche noch heutzutage die Grundlage der politischen Verwaltung Oesterreichs bildet. Es ist [384] kein Zweifel, dass die Geschichte des öffentlichen Rechtes, sowie die neuere Böhm. Culturgeschichte, aus dem Geschichtswerke Rieger’s viel Nutzen schöpfen wird.

Dankenswerthes Material für die neuere Culturgeschichte Böhmens enthält auch das Werk von Dr. Sigm. Winter[5] über das Culturleben der Böhmischen Städte. Der voluminöse I. Band schildert in vier Büchern das öffentliche und private Leben der Böhm. Städte zur Zeit der Alleinherrschaft des Böhm. Elementes (1420–1620). Volle Anerkennung verdient der Fleiss des Verfassers, was die Aufsuchung und Ansammlung des Quellenmaterials anbelangt, weniger hat uns die systematische Anordnung und Bearbeitung befriedigt; auch der Stil ist oft mehr belletristisch und humoristisch als historisch gehalten. Mit grösster Spannung erwarten wir die zum Drucke bereits vorbereiteten Werke: von Prof. Rezek die Fortsetzung der Geschichte der volksthümlichen religiösen Bewegung in Böhmen nach dem J. 1781, und von dem emeritirten Director Th. Bílek die Geschichte der Jesuiten in Böhmen, jenes Ordens, der unter König Ferdinand I. in unser Land kam, hier den Boden für die kath. Gegenreformation vorbereitete und nach dem J. 1620 lange Zeit hindurch hier alleinmächtig waltete, wobei er auch ein immenses Vermögen gewann. Der Autor der Böhm. Confiscationen hat auch für dieses Werk die umfassendsten archivalischen Studien vorgenommen.

Die katholische Gegenreformation im Sinne seines Ordens hat auch der Jesuitenpriester J. Svoboda behandelt[6]. Ueber die Censur, welche in den Böhm. Ländern lange Zeit von dem Jesuitenorden ausgeübt wurde, schrieb F. Menčík eine interessante Abhandlung[7].

Die Bearbeitung der älteren Periode der Böhm. Geschichte vor dem J. 1526 weist in den letzten zwei Jahren kein grösseres Werk auf. Erst in den letzten Tagen wurde dem Drucke übergeben der VIII. Band von Tomek’s Geschichte Prags, welche die interessante Schilderung des grossen durch den Hussitischen Krieg verursachten Umsturzes in der Verwaltung des Böhm. Staates und seiner Hauptgemeinde und die Zeit des neuen Aufschwunges der hauptstädtischen Commune unter K. Georg und Wladislaw II. enthalten wird.

Die Frage über das Verhältniss der Waldenser zu den [385] Hussiten, besonders zu den Taboriten und später zur Unität, die in der Böhm. historischen Literatur zuerst Palacký im J. 1868 aufgeworfen hat, hat von neuem Prof. J. Goll in seiner lehrreichen Abhandlung[8] angeregt. Es wird darin eine retrospective Uebersicht der älteren Literatur gegeben (Herzog, Dieckhof), darauf folgen die kritischen Berichte über die neuesten Publicationen Montet’s (1885), E. Comba’s (1887), K. Müller’s (1887); auf Grundlage dieser neuesten Arbeiten wird ein instructives Bild von den Anfängen und von der weiteren Entwicklung der Waldenser in Italien, Frankreich und Deutschland entworfen und zuletzt ihrer Berührung mit Böhmen. Die Resultate der älteren Arbeiten darüber von Zeschwitz, Palacký, sowie der neuesten Publicationen von Haupt, Preger, K. Müller werden von dem Böhmischen Gelehrten auf Grundlage selbständiger Studien heimischer Quellen geprüft, corrigirt, ergänzt und erweitert. Auch in dieser Abhandlung wird mit dem grössten Nachdrucke auf die Mahnung des unvergesslichen Palacký, alle zahlreichen Denkmäler des Böhm. Geistes auf dem Gebiete der Theologie im 15.–16. Jahrhundert zu sammeln und zu publiciren, hingewiesen. Ohne Drucklegung des wichtigeren Materiales – und dazu würde in erster Reihe das reiche Archiv der Unität gehören – wird die genauere wissenschaftliche Forschung auf die Dauer umso schwerer. Dieser Wunsch, der den Böhm. Gelehrten in den JJ. 1868 und 1888 unausführbar schien, soll er auch nach der Gründung der Böhm. Akademie noch länger ein pium desiderium bleiben?

Zu der Geschichte des Böhm. Predigtwesens liefert einen interessanten Beitrag L. Klicman, in der literarhistorischen Studie über Johann Milíč von Kremsier, einen bekannten Vorgänger Hus’[WS 3] in der Böhm. Reformation[9]. Milíč wurde als Vorbote und Muster des Thomas von Štítný auch in der Abfassung von Böhm. religiösen Schriften betrachtet. Allein nach genauer Durchforschung aller ihm zugeschriebenen Böhm. Werke wird vom Verf. der Beweis geliefert, dass diese fremden, späteren Autoren gehören, und der Schluss gezogen, dass der berühmte Mährer gerade so wie Konrad Waldhauser und Mathias von Janov nur mit lebendigem Worte auf die weiteren Kreise wirkte; was er schrieb, wurde in fremder Sprache verfasst und blieb auf engeren Kreis der Gebildeten beschränkt. Dadurch steigt noch höher die Bedeutung Štítnýs in der Geschichte der Böhm. [386] Reformation, weil dieser zuerst die Fessel der Lateinischen Gelehrtensprache zerschlug und die edlen reformatorischen Gedanken in die weitesten Massen des Böhm. Volkes verbreitete.

Einen hochinteressanten Beitrag zur Altböhm. Cultur- und Literargeschichte lieferte Dr. A. Kraus in der Vorrede seiner Ausgabe des Altdeutschen Gedichtes Johann von Michalovic[10]. Es wird da die wichtige Frage der culturellen Mission des Deutschen Elementes in Böhmen behandelt, ausführlicher über die Wirksamkeit der Deutschen Sänger an den Höfen der Böhm. Könige und des höchsten Adels berichtet und eingehender der Einfluss der Deutschen Literatur auf die Altböhmische Poesie geschildert, wie er sich in der Materie und Form zeigte und auch durch die grosse Hussitische Bewegung nicht ganz begraben wurde.

Unter den grossen Quellensammlungen, die in den Böhm. Ländern erscheinen, verzeichnen wir zunächst den XII. Band des Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, der vom Mährischen Landesarchivar V. Brandl auf Kosten des Mähr. Landesausschusses herausgegeben wurde[11]. Von den 565 Urkunden, die grösstentheils Lateinisch und Deutsch geschrieben sind, sind für die Böhm. Geschichte diejenigen von Bedeutung, die den Streit des K. Wenzel IV. mit dem Böhm. Herrenstande betreffen, für die Mährische Geschichte jene, welche den Kampf zwischen den Markgrafen Jodocus und Prokop beleuchten.

In Böhmen wurde unter der Redaction Dr. J. Kalousek’s der IX. Band des Archiv Český[12] publicirt, welcher aus dem Wittingauer und Neuhauser Archive werthvolles Material vorführt, besonders die amtliche und private Correspondenz des einstigen Oberstburggrafen Sdenco Leo von Rožmital aus den JJ. 1508–1535 (ed. F. Dvorský), die Urkunden des Neuhauser und Rosenberger Hauses (ed. A. Rezek und F. Tischer), Auszüge aus den Registern der Kanzlei der Glatzer Grafen und aus den Registerbüchern des Kammergerichtes in Prag (ed. J. Čelakovský) und die Urkunden des Saarer Klosters (ed. V. Brandl).

Von der grossartigen für die Geschichte des 16. Jahrhunderts unerschöpflichen Quellensammlung Sněmy české (Die Böhm. Landtage) enthält der neue VI. Band[13] die Verhandlungen und Beschlüsse der Böhm. Landtage aus den JJ. 1581–1585; aus heimischen und [387] fremden Archiven wurde auch hier ein reiches einschlägiges Quellenmaterial zusammengehäuft.

Die Bauern- und Dorfangelegenheiten, sowie das Leben der unterthänigen Städte in Böhmen erhalten viel Beleuchtung aus der Quellensammlung, die Dr. J. Kalousek herausgegeben hat[14]. Bemerkenswerthe Beiträge zur Geschichte des Bauernvolkes in Böhmen hat auch J. Peisker geliefert[15]. Die religiösen Streitigkeiten des stürmischen 15. und 16. Jahrhunderts in Böhmen stellt uns in klarem Lichte das Manualbuch des M. Wenzel Koranda[16] dar. Schon im VIII. Bande des Archiv Český veröffentlichte A. Patera die wichtige Relation dieses hervorragenden utraquistischen Geistlichen über die Bemühungen der Böhm. Gesandtschaft K. Georg’s von Podiebrad in Rom um Bestätigung der Compactata. Koranda wurde später zum Haupte der utraquistischen Kirche erwählt und besass diese Würde in den J. 1471–1519. Seine rege literarische Thätigkeit betraf die Vertheidigung der altutraquistischen Kirche gegen die Katholiken und gegen die Böhm. Brüder. Aus dieser Polemik ist eine ganze Reihe von Tractaten und Correspondenzen hervorgegangen, die, mit fremden Schriften vermischt, in einer alten schon vermoderten Handschrift der Prager Universitätsbibliothek aufbewahrt, im J. 1888 vom Scriptor dieser Bibliothek Jos. Truhlář sorgfältig herausgegeben wurde.

Studien auf dem Gebiete der Rechtsgeschichte in Böhmen führten Prof. Dr. Jaromír Čelakovský zur Forschung über die Register der königl. Böhm. Kanzlei[17]. Die königl. Registratur in Böhmen wurde schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch den berühmten Henricus Italicus gegründet; zur Zeit Karl’s IV. war sie einige Zeit mit der kaiserlichen Römischen Kanzlei verbunden, aber im J. 1361 wieder losgetrennt. Neben der berühmten Landtafel waren die königl. Register ein Kleinod des Königreichs, ein Beweis der ruhmvollen Theilnahme dieses Landes an den culturellen Bestrebungen Mitteleuropas. Von den älteren königl. Registern ist heutzutage wenig geblieben. Die bedeutendsten Ueberbleibsel bewahrte das Dresdener [388] Staatsarchiv in den Registern der vereinigten Römisch-Böhmischen Kanzlei Karl’s IV., welche 586 Urkunden aus den JJ. 1360–1361 enthalten, und die fürstlich Lobkovicische Bibliothek zu Raudnitz in dem originalen Registrum K. Sigmund’s, welches 63 Lateinische und 42 Deutsche Urkunden aus den JJ. 1436–1437 umfasst. Ausserdem sind zwei ausführlichere Sammlungen von Excerpten aus den älteren königl. Registern in dem Elaborate der ständischen Commission aufbewahrt, welche am Ende des 15. Jahrhunderts die Aufzeichnung der Böhm. Landesordnung unternahm. Aus den erhaltenen Ueberbleibseln versucht Dr. J. Čelakovský das Bild der alten königl. Böhm. Register zu restauriren. Als instructive Belege werden in der I. u. II. Beilage Excerpte aus den alten Registern des 14.–15. Jahrhundert angeführt über die Kron- und Kirchengüter, soweit sich dieselben in etlichen Handschriften erhalten hatten; die III. Beilage enthält eine sorgfältige Abschrift des originalen Registrums K. Sigmund’s aus den JJ. 1436–1437.

Dagegen sind die Register der königl. Böhm. Kanzlei beinahe in ununterbrochener Reihe seit der Zeit K. Ferdinand’s I. in Originalen oder Abschriften erhalten. Zu diesen überaus reichen Quellen der heimischen Geschichte tritt noch eine ganze Reihe von Regestenbüchern, welche bei den neuen königl. Aemtern eingeführt wurden, besonders bei der königl. Böhm. Kammer und bei der königl. Böhm. Statthalterei.

Von diesen wichtigen Registerbüchern entdeckte Dr. J. Čelakovský die kleineren Register der königl. Böhm. Kanzlei, in welche Urkunden mit kleinerem königl. Siegel eingetragen wurden, in dem Archive der königl. Böhm. Statthalterei[18]. Nach einer nur oberflächlichen Durchsicht fand er da fünf Czech. originale Register der öffentlichen Briefe oder Patente aus den JJ. 1545–1606 und zwei Deutsche aus den JJ. 1541–1606; von den Registern der Sendbriefe oder Missive 22 Böhm. Bücher aus den JJ. 1533–1613 und 33 Deutsche aus den JJ. 1530–1601; ein Theil dieser königl. Böhm. Registratur aus den JJ. 1554–1556 wird in der Prager Universitätsbibliothek, ein anderer aus den JJ. 1564–1566 in dem Wiener Adelsarchive aufbewahrt.

[389] Nach den grösseren Registern der königl. Böhm. Kanzlei, in welche Majestäts- und andere Briefe mit grossem königl. Siegel eingetragen wurden, forschte Dr. Čelakovský längere Zeit erfolglos nach, bis ihn endlich ein glücklicher Zufall in das Wiener Adelsarchiv führte. Von den Originalregistern wurden fünf Czech. Bücher aus den JJ. 1531–1570, von den Deutschen eines aus den JJ. 1530–1538 entdeckt; aus den JJ. 1580–1749 sind 76 grosse Folianten aber späterer Abschriften erhalten. Unbekannt bleibt, wohin die Originalregister von Majestaten K. Ferdinand’s I. (Czech. aus den JJ. 1527–1530, Deutsche aus den JJ. 1527–1529, 1539–1564), ebenso wie die Originalregister der folgenden Jahrhunderte verschwunden sind.

Die Registerbücher der königl. Böhm. Hofkammer und der Böhm. Statthalterei nach dem J. 1620 werden heutzutage in dem Böhm. Statthaltereiarchiv aufbewahrt.

In dem Wiener Adelsarchive ist noch eine Menge von Registerbüchern der Oesterreichischen Kronländer erhalten, von welchen besonders die Niederösterreichischen von besonderer Wichtigkeit sind; denn alle Staatsurkunden, welche die Habsburger kraft ihrer königlichen oder erzherzoglichen Gewalt ausstellten, und welche alle ihre Länder betrafen, wie z. B. Friedensurkunden, internationale oder erbliche Verträge etc., wurden in diese Bücher eingetragen. Daraus ist zu ersehen, was für ein riesiges Material für politische Geschichte und für die Rechtsgeschichte aller Länder der Habsburgischen Monarchie hier aufgespeichert ist.

Auch das Archiv der gewesenen Hofkammer, des jetzigen k. k. Reichsfinanzministeriums, enthält eine ungewöhnlich grosse Anzahl dieser Bücher, von welchen die Böhm. Registratur allein 83 dicke Folianten zählt, in welchen ein ungemein reiches Material nicht nur zu der Geschichte der Finanzen und Politik, sondern auch zur Rechts- und Culturgeschichte der Böhm. Länder enthalten ist. Von diesem unerschöpflichen Reichthum ausgezeichneter Geschichtsquellen kann man eine genauere Einsicht aus der IV. Beilage des Čelakovský’schen Werkes bekommen, welche übersichtliche Verzeichnisse der einschlägigen Archive und deren Registerbücher umfasst.

Durch die Erfolge seiner mühsamen Forschung hat sich Dr. J. Čelakovský grossen Dank unserer Geschichtsforscher verdient, welcher noch gesteigert wird durch die interessante Abhandlung über die Geschichte der Entwicklung der Registerbücher seit der ältesten Zeit, wobei den Böhm. und Oesterreich. Verhältnissen die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Herbe Verluste erlitt die Böhm. Geschichtsforschung in dem verflossenen Jahre durch den Tod. Am 18. Januar 1890 starb der [390] Mährische Landeshistoriograph Beda Dudík, dessen Verdienste um Bearbeitung der älteren Mährischen Geschichte wir bereits gewürdigt hatten. Ihm folgte am 29. Juni 1890 Fr. J. Zoubek, der eifrige Biograph und begeisterte Dolmetscher Lateinischer Schriften Komenský’s. Noch in den JJ. 1885–1886 veröffentlichte er in der Böhm. Musealzeitschrift eine bemerkenswerthe längere Studie über die theologischen Polemiken Komenský’s. Von ihm wurde auch eine neue ausführliche Lebensgeschichte des grossen Pädagogen erwartet zur Feier des 300jährigen Geburtstages, zu welcher mit dem Böhm. Volke eine ganze Reihe von christlichen Völkern Vorbereitungen trifft. Diese Hoffnung ist leider durch den vorzeitigen Tod des Biographen gescheitert.

Kolin, den 6. Januar 1891.
Dr. Heinrich Vančura.

Anmerkungen

  1. Siehe Bd. II S. 180–82 u. Bd. IV S. 144–46.
  2. Česko-Moravská Kronika (Böhm.-Mähr. Chronik) V. Prag. 1372 p. 14 fl. Separat daraus unter dem Titel Děje Čech a Moravy za krále Ferdinanda III. až do miru Westfálského (G. Böhmens und Mährens unter K. Ferdinand III. bis zum Westf. Frieden). – Vgl. Bibliogr. ’90, 3282.
  3. Rakousko po válce třicetileté (Oesterreich nach dem 30jährigen Kriege 1648–1658).
  4. Zřízení krajské v Čechách (Die Kreisverfassung in Böhmen, 1889).
  5. Kulturní obraz českých[WS 2] měst. (Ein Culturbild der Böhm. Städte.)
  6. Katolická reformace a Marianská Družina v Království Českém. (Kath. Reformation und Mariencongregation im K. Böhmen). Vgl. Bibliogr. ’89, 3165.
  7. In dem Věstník Kr. Učené Společnosti České. (Anzeiger der kgl. Böhm. Ges. d. Wiss.) Vgl. Bibliogr. ’90, 1972.
  8. Nové spisy o Valdenských. (Neue Werke über die Waldenser) im Böhm. Athenäum 1888. (Deutsche Bearbeitung kann man in den MIÖG 1888 nachlesen). Vgl. Bibliogr. ’89, 1151 u. ’90, 1882.
  9. In der Böhm. philologischen Fachzeitschrift „Listy filologické“ 1890.
  10. Vgl. Bibliogr. ’90, 3058.
  11. Ebd. 4272.
  12. Vgl. Bibliogr. ’90, 4260.
  13. Vgl. Bibliogr. ’89, 1610 u. ’90, 2663.
  14. In den Abhh. der kgl. Böhm. Ges. der Wiss. (1890) unter dem Titel: Listiny a zápisy Bělské o věcech městských a selských z let 1345 bis 1708.[WS 4] (Urkunden und Aufzeichnungen von Weisswasser über Stadt- und Dorfangelegenheiten aus den JJ. 1345–1708.) Vgl. Bibliogr. ’90, 4259a.
  15. Zádruga im Prachiner Kreise, im Böhm. Athenäum 1889. – Die Knechtschaft in Böhmen, vgl. Bibliogr. ’90, 3627 a.
  16. Manualník M. Vácslava Korandy.
  17. O registrech domácích a cizích (Von den heimischen und fremden Registern), in den Abhh. d. Böhm. Ges. d. Wiss. 1890. Vgl. Bibl. ’90, 4259d.
  18. Wir können es nicht unterlassen, der traurigen Raumverhältnisse des Böhm. Statthaltereiarchives Erwähnung zu thun, dessen für die neuere Geschichte Böhmens unerschöpfliche Quellen in der unterirdischen kalten Gruft der heil. Niclaskirche auf der Prager Kleinseite aufbewahrt sind, so dass das Quellenstudium hier mit den grössten Schwierigkeiten, beinahe mit Lebensgefahr verbunden ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gegenwärtige
  2. Vorlage: ceských
  3. Vorlage: Huss’
  4. sic.