Noch einmal auf den Spuren des Weihnachtsbaums

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Autor: Alexander Tille
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Titel: Noch einmal auf den Spuren des Weihnachtsbaums
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 867–870
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Noch einmal auf den Spuren des Weihnachtsbaums.

Von Alexander Tille.

Um die Weihnachtszeit des vorigen Jahres wurde in der „Gartenlaube“ (S. 831) von mir der Versuch gemacht, eine Antwort auf die Frage zu geben: Wie alt ist der Weihnachtsbaum und wo ist seine Heimath? Aber das Material, das jener Antwort zu Grunde lag, war noch lückenhaft und bedurfte sehr der Ergänzung. Zu letzterem Zwecke hat die „Gartenlaube“ damals einen Aufruf an ihre Leser gerichtet, alles irgendwie für die Geschichte unseres Christbaumes Wichtige ihr mitzutheilen, und heute möge denn an der Hand der freundlich eingesandten Nachweise und meiner eigenen weiteren Forschungen den Spuren des Weihnachtsbaumes weiter nachgegangen werden.

Mitten in der Weihnacht, im Augenblick der Wintersonnenwende, steht nach dem deutschen Volksglauben die Zeit eine Weile still, wie der in die Luft geworfene Stein still steht, wenn er seine höchste Höhe erreicht hat, bis er umkehrt und wieder herabsinkt. Es ist gleichsam ein Riß, eine Spalte in der Zeit, durch welche die Ewigkeit mit ihren Wundern hereinschaut. Da reden die Thiere, Berge thun sich auf, die Todten erstehen aus ihren Gräbern, Geister wandeln durch die Luft und Segen und Unheil sind dem Menschenkinde näher als sonst. In dieser Stunde läßt der Volksglaube auch einen Apfelbaum Knospen und Blüthen tragen, die in einer Stunde zur vollen Frucht ausreifen.

Zum erstenmal erscheint diese Sage im Jahre 1430. Damals berichtete Johamtes Nider[1]: „Nicht weit von Nürnberg stand ein wunderbarer Baum … Jährlich in der rauhsten und [868] unangenehmsten Jahreszeit, immer und nur in der Nacht der Geburt Christi, wann die Jungfrau der Jungfrauen … den Sohn Gottes gebar, trug er blühende Aepfel von Daumesdicke … Es pflegen daher aus Nürnberg und den umliegenden Gegenden mehrere glaubwürdige Leute herbeizukommen und die ganze Nacht zu wachen, um die Wahrheit davon zu prüfen. Ein in allem ähnlicher Baum findet sich in einem Orte der Diöcese Bamberg.“

Diese Sage erhielt sich durch die Jahrhunderte.

In seinem berühmten Buche „Von schimpff und ernst“ (Straßburg, Grieninger 1522) erzählt J. Pauli fast ein Jahrhundert später mit Berufung auf eine andere zwischenliegende Quelle[2]: „Doctor Hasseltzbach schreibt, das in de bistumb von wirtzburg seien zween öpfelbeum, die bringen in dem iar kein frucht dan in der Weihenacht, und an dem weihenacht abent ist kein zeichen da der frucht, aber zu mitternacht so sahen die beum an brossen utzstossen und blüen und an dem morgen so sein die öpsel zeitig und sein als grotz als gemeine baumnutz, das ist ein grotz wunder. Diser doctor hat brieff und siegel des bischoffs, die darumb geben sein der warheit.“

Dieselbe Geschichte findet sich dann in Abraham Sauers „Parvum theatrum urbium“ („Kleines Städteschaubuch“), das 1610 nach dem Tode des Verfassers in Frankfurt am Main erschien. Hier ist sie jedoch auf Drebern (Tribur) am Rhein übertragen, und die Umstände sowie die Zeugen sind andere. In den geographischen Werken des 16. Jahrhunderts, von denen mir allerdings nur wenige zugänglich waren, habe ich die Sage nirgends finden können.

Aus Sauer entlehnte dieselbe, wie seine eigene Randbemerkung sowie die Vergleichnng lehrt, Martinus Zeiller, der 1674 sein „Itinerarium Germaniae, das ist Reisbuch durch Hoch und Nider Teutschland“ herausgab. I, 485 findet sich die Stelle: „Nicht weit von Tribur stehet ein Apfelbaum, welcher alle Jahre in der Christ-Nacht Aepffel trägt: Wann ein gutes Jahr vorhanden, so werden sie groß als eine Bonen, doch an gestalt als ein Aepffelein mit Blumen, Stiel und andern, hart und steiff: Zu andern Jahren aber, als ein Erbis (Erbse). In einer Stund bekompt der Baum seine Blühe und Obs, welches alle Jahr nach dem Alten Kalender mit sonderm fleiß von den Inwohnern observirt wird. Sonsten im Jahr trägt er Wilde Holtz Aepffel, die nach ihrer Art andern gleich seyn: Wie nicht allein gemelter Saur solches bezeuget: sondern mir auch ein vornehmer Freyherr, so neben etlichen Meintzischen und Darmstädtischen Rähten und vom Adel in einer Christ-Nacht daselbsten sich befunden, vermeldet und diß hoch betheuert hat.“ Auch Prätorius in seinen 1663 in Leipzig erschienenen „Saturnalia, das ist eine Compagnie Weihnachtsfratzen und Centnerlügen“ stellt solche Berichte zusammen.

1680 wird aus Lohr am Main ähnliches berichtet, 1697 erzählt Wagenseil in „De civitate Noribergensi“ („Ueber die Stadt Nürnberg“) dasselbe von etlichen Bäumen bei dem Nürnbergischen Städtlein Gräfenberg, und eine weitere Nachricht aus dem Ende des 18. Jahrhunderts greift wieder auf Würzburg zurück.

Am Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts lebte zu Pretzschendorf in der Ephorie Dippoldiswalde in Sachsen der Pfarrer Johann Samuel Adami. Er besaß eine stattliche Bücherei und war ein ehrsamer, wohlgelahrter Herr, der eine ungemeine Belesenheit und eine noch erstaunlichere schriftstellerische Fruchtbarkeit besaß. Im fünften Bande seiner „Biblischen Ergetzlichkeiten“, der 1694 erschien, berichtet er die erwähnte Weihnachtssage und zwar nach Prätorius, den er ausschrieb. Was bei allen diesen Erzählungen wundernehmen muß, ist, daß keiner der Erzähler, was doch sehr nahe gelegen hätte, sich auf eine Sitte bezieht, gemäß der man etwa in den Zimmern äpfelgeschmückte Bäume aufgerichtet hätte. Daß wir es hier mit einer uralten Sage und nicht mit einer allegorischen Weiterbildung der „Ruthe Aaronis“ oder anderer Reiser zu thun haben, liegt auf der Hand. Es geht nicht wohl an, die Erzählung von dem Wunderbaum aus den anderen Erzählungen von den Wundern der Weihnachtsnacht herauszulösen und für fremden Ursprungs zu erklären. Hierin haben sich Paulus Cassel[3] und Wilhelm Mannhardt[4] sicher vergriffen.

Wenn die Männer, welche diese Sage vor Prätorius und Adami berichten, nicht einer Sitte gedenken, in der Weihnacht Bäume aufzustellen, so folgt daraus noch nicht, daß sie eine solche nicht kannten. Sie schrieben ihre Bücher aus andern Büchern zusammen und ihrem Zwecke lag eine solche Bemerkung ganz fern. Anders bei Prätorius und Adami. Jener bezieht sich meist auf selbst Gesehenes in seinen Angaben, und auch dieser würdige Herr war keineswegs nur Bücherwurm. Er hatte sich mit eigenen Augen vielerorts recht gründlich umgesehen und kannte die abergläubischen Meinungen und Bräuche seiner Beichtkinder nur allzu genau. An einer andern Stelle desselben Werkes (Bd. XX, S. 998 ff.) giebt er ein förmliches Verzeichniß davon. Hier handelt er auch vom Weihnachtsabend, vom Lichtanzünden, mehreren Spielen und allerlei Unfug – vom Weihnachtsbaume kein Wort. Da er ohnedies eine natürliche Anlage zur Geschwätzigkeit hatte und gern aus dem Hundertsten ins Tausendste kommt, so z. B. bei der Erwähnung von Josefs Becher den gesammten deutschen Trinkbrauch seit der Urzeit mit einem gewaltigen gelehrten Aufwand von dreißig Seiten behandelt, so ist es nun und nimmermehr zu glauben, daß er die Sitte des Weihnachtsbaumes gekannt haben sollte. Das heißt aber: um 1700 kannte die Umgegend von Dresden in weiterem Sinne den Weihnachtsbaum sicher noch nicht.

Andere Gegenden kannten ihn damals längst.

Vor einem Jahre war die älteste Nachricht über den Weihnachtsbaum, die wir beibringen konnten, dessen Verurtheilung in der „Katechismus-Milch“ des Professors Dannhauer in Straßburg im Jahre 1657. Der Aufruf der „Gartenlaube“ um Mittheilung von Nachrichten über den Weihnachtsbaum hat ein Ergebniß gehabt, welches den Christbaum für dieselbe Rheinstadt unwiderruflich ein weiteres halbes Jahrhundert hinaufrückt.

Im Besitze des Herrn Georg Falck in Friedberg in Hessen befindet sich eine alte Handschrift im Umfang von zwei Bogen Kleinfolio unter der Ueberschrift Memorabilia quaedam Argentorati observata“ („Einige denkwürdige Beobachtungen aus Straßburg“). Der zweite Bogen, Bl. 3 und 4, enthält statistische Aufzeichnungen aus den Jahren 1582 bis 1604, ist also 1604 oder später geschrieben. Der erste Bogen, dessen Papier allerdings älter ist und der sich auch viel weniger gut erhalten hat, ist in den Anfang des Jahres 1605 zu setzen, denn er enthält am Ende Aufzeichnungen aus dem Februar dieses Jahres, die ihrer Einzelheiten wegen nur gleichzeitig entstanden sein können. Die Schrift beider Bogen, die zu diesen Zeitverhältnissen trefflich stimmt, ist, obwohl in der Größe nicht ganz gleich, doch das Werk derselben Hand. In der Mitte von Blatt 2 b steht:

„Auff Weihenachten richtett man Dannenbäum zu Straßburg in den stuben auff daran hencket man roßen auß vielfarbigem papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgolt, Zucker etc. Man pflegt darum[5] ein viererkent ramen zu machen vndt vorrn … t hier …

1604 erscheint also der geschmückte Tannenbaum zu Straßburg bereits allverbreitet. Es ist demnach anzunehmen, daß er dort noch ein gutes Stück älter ist. Der „viererkent ramen“ entspricht wohl dem Kreuz, auf dem unsere Christbäume stehen. Die Lichter fehlen hier noch. Auch Dannhauer 1657 kennt sie ja noch nicht.

In Straßburg erhielt sich der Weihnachtsbaum ungestört fort. Die Baronin von Oberkirch erzählt in ihren Memoiren von Weihnachten 1785 zu Straßburg[6]: „Le grand jour arrive, on prépare dans chaque maison le Tannenbaum, le sapin couvert de bougies et de bonbons avec une grand illumination“. („Der große Tag naht heran, in jedem Hause rüstet man den ‚Tannenbaum‘, die mit Kerzen und Bonbons bedeckte Tanne, und reichen Lichterschein.“)

Bei Goethe kommt der Weihnachtsbaum, wie wir voriges Jahr sahen, zuerst 1774 im Werther vor. 1770–1771 war Goethe in Straßburg; kannte auch er den Baum vielleicht von dort?

Ein weiteres Gesichtsfeld, dessen Grenzen allerdings nur graue Nebelstreifen sind, eröffnet eine andere Mittheilung, welche infolge des Aufrufs der „Gartenlaube“ dem Verfasser zugekommen ist.[7]

[870] Im Jahre 1737 fühlte sich Karl Gottfried Kißling aus Zittau veranlaßt, eine sehr gelehrte Abhandlung in lateinischer Sprache zu verfassen, welche neben dem lateinischen Obertitel noch den deutschen Untertitel führt: „Von Heiligen Christ-Geschenken“.[8] Er betrachtet dieselben nach ihrer Entstehung, über die er verschiedene Vermuthungen aufstellt, nach ihrer religiösen Bedeutung, dem Unfug, der mit ihnen getrieben wird, und endlich nach ihrer Geltung als rechtliche Einrichtung. Besonders der Unfug scheint sein Herz schwer beleidigt zu haben; denn er läßt seinem Zorn gegen denselben freien Lauf und zieht gegen ihn ein ganzes Gewitter von Strafverfügungen, besonders des Magistrats seiner Heimathstadt Zittau, heran. Sodann macht er Vorschläge zur Abstellung der Mißbräuche und erzählt dabei von einer würdigen Frau, die „auf einem Gehöfte“ lebe, das er nicht näher bezeichnet: „Am heiligen Abend stellte sie in ihren Gemächern so viel Bäumchen auf, wie sie Personen beschenken wollte. Aus der Höhe, dem Schmuck und der Reihenfolge ihrer Aufstellung konnte jeder sofort erkennen, welcher Baum für ihn bestimmt war. Sobald die Geschenke vertheilt und darunter ausgelegt und die Lichter auf den Bäumen und neben ihnen angezündet waren, traten die Ihren der Reihe nach in das Zimmer, betrachteten die Bescherung und ergriffen jedes von dem bestimmten Baume und den darunter bescherten Sachen Besitz. Zuletzt kamen auch die Knechte und Mägde in bester Ordnung herein, bekamen jedes seine Geschenke und nahmen dieselben an sich.“

Hier haben wir eine Weihnachtsbescherung mit Lichterbaum, ja Lichterbäumen und allem Zubehör vor uns, wie sie schöner kaum zu denken ist. Daß Gottfried Kißling sich dies nur ausgesonnen haben sollte, ist unmöglich, wenn auch die gute Ordnung, in der alles verläuft, seine Zugabe ist. Er bezieht sich sonst in seinen Angaben gern auf seine Vaterstadt Zittau. Hier seltsamerweise nicht. Von etwaigen Reisen, die er gemacht hätte, ist nichts bekannt. Wir gehen wohl kaum irre, wenn wir den Brauch in die Nähe von Zittau setzen. Bemerkenswerth ist, daß hier der Lichterbaum keineswegs als allgemein geübte Sitte, sondern vielmehr nur als Ausnahmebrauch im Hause einer besonders sinnigen Frau erscheint, wie er noch 1789 im Hause der Frau von Lengefeld in Rudolstadt und bei ihren Töchtern, die diesen Winter in Weimar zubrachten, keineswegs feste Regel war, während er in Jena in dem Griesbachschen Hause als bereits eingeführt zu betrachten ist.[9]

1657 eiferte ein Straßburger Theologe gegen den Weihnachtsbaum und 1737 empfiehlt ihn ein frommer Gelehrter als schönen Brauch gegenüber rohem Unfug. So ganz fest wurzelte freilich auch seine Neigung zum Lichterbaum nicht; denn, fügt er hinzu, im Grunde genommen könne dieser Brauch auch wegbleiben.

Vorher offenbar nur rein örtlicher Brauch im westlichen Oberdeutschland und namentlich in Straßburg, begann der Weihnachtsbaum etwa im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts seine Siegeslaufbahn, um sich binnen hundert Jahren Deutschland und in weiteren fünfzig die ganze Welt zu erobern. Im Anfang ging es jedoch mit seinem Vorrücken nur sehr langsam. In den Weihnachtsbeschreibungen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts fehlt er noch sogut wie ganz. In Pyra und Langes „Freundschaftlichen Liedern“, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden, heißt es z. B.:

„So freudig können kaum die frommen Kinder seyn,
Wenn sie am Weihnachtsfest und bey der Lichter Schein
Den Engel, der beschert, von ferne klingeln hören
Und Kleinigkeiten dann noch ihre Freude mehren.“

Vom Weihnachtsbaum hier kein Wort. Auch die Worte „Weihnachtsbaum“, „Christbaum’“, „Lichterbaum“ entstammen erst dem Ende des Jahrhunderts. Goethe spricht 1774 noch ganz allgemein von einem „aufgeputzten Baume“ und Schiller läßt sich noch 1789 von seiner Braut einen „grünen Baum im Zimmer aufrichten“.

Um 1790 muß der Weihnachtsbaum in Nürnberg bereits üblich gewesen sein. Wenigstens haben wir eine Radierung von Joseph Kellner „Das Christbescherens oder der fröhliche Morgen“[10], welche nach den Trachten in diese Jahre zu setzen ist. Auf dem Bilde steht in der Ecke des Zimmers ein Baum, der in der heute üblichen Weise verziert ist, jedoch kein Nadelbaum. Derselbe trägt drei Lichter. Zwei davon hat ein Engel in seinen Händen, der in der Mitte des Baumes hängt. Näheres hierüber giebt uns eine Nachricht des Schlachtenmalers Albrecht Adam[11], der, 1786 geboren, mit Beziehung auf seine Jugendzeit von seiner Vaterstadt Nördlingen, also aus dem Westen von Bayern erzählt: „In Nördlingen hat man nicht den düsteren Tannenbaum für die Christbescherung, sondern man setzt schon monatelang vorher den jungen Stamm von einem Kirsch- oder Weichselbaume in einer Zimmerecke in einen großen Topf. Gewöhnlich stehen diese Bäume bis Weihnachten in voller Blüthe und dehnen sich weit an der Zimmerdecke hin aus, was man als eine große Zierde betrachtet und was auch in der That zur Feier des Christfestes sehr viel beiträgt. Eine Familie wetteifert hierin mit der andern, und die, welche den schönsten blühenden Baum hat, ist sehr stolz darauf.“ –

Die Einwanderung des Christbaums aus dem Norden im 17. Jahrhundert ist endgültig abzulehnen, da der Baum vor 1632 bereits in Straßburg vorkommt.[12] Daß er hier in das 16. Jahrhundert hinaufreicht, steht zweifellos fest. Aber welches ist sein Ursprung? Ist er vielleicht eine Umsetzung des blühenden und fruchttragenden Apfelbaums der Weihnacht aus der Sage in das volle greifbare Leben? Vielleicht wird auch darauf noch einmal eine Antwort möglich. Einstweilen ist sie noch nicht gefunden. In der Geschichte seiner Verbreitung giebt es ebenfalls noch manche Nuß zu knacken und manchen kleinen Widerspruch zu lösen. Die „Gartenlaube“ aber darf sich freuen, diese Geschichte wenigstens in ihren Grundzügen festgestellt zu haben, und sagt allen den freundlichen Einsendern von Nachrichten über den Christbaum, auch denen, deren Mittheilungen für ihren Zweck nicht unmittelbar verwendbar waren, ihren aufrichtigen Dank und entbietet ihnen ihren Weihnachtsgruß!



  1. F. A. Reuß, „Kleine Beiträge. Jahresbericht für den historischen Verein für Mittelfranken.“ 1859. S. 95.
  2. Bl. CIIa. Von dem weihennachttag.
  3. Weihnachten, S. 141 f.
  4. Baumkultus der Germanen, S. 242.
  5. Die Worte in Antiquadruck sind vom Verfasser ergänzt. Die Stelle ist völlig unleserlich. Darauf folgt ein Absatz, der nicht mehr dazu gehört.
  6. Leipziger Ztg. 1888. Nr. 300. H. Ludwig, der Weihnachtsbaum im alten Straßburg.
  7. Von Dr. Lange in Niederolm bei Mainz.
  8. Dieselbe erschien als akademische Schrift, primitiae academicae, also wohl als Habilitationsschrift eines jungen Privatdocenten, 1737 bei Ephraim Gottlob Eichsfeld in Wittenberg, nachdem sie am 18. Februar d. J. in der Universität öffentlich vorgetragen worden war. Der eigenliche Titel ist: „De muneribus, quae propter diem natalem servatoris nostri dari solent“. Verf. benutzte das Exemplar der Universitätsbibliothek zu Leipzig.
  9. Schillers Brief an Lotte von Lengefeld, „Gartenlaube“ 1888, S. 831.
  10. Mitgetheilt von Dr. Wilh. Schmidt, Vorstand des Kupferstichkabinetts zu München.
  11. Albrecht Adams Selbstbiographie, herausgegeben von Holland, S. 23.
  12. Die im vorjährigen Aufsatze vom Verf. herangezogene ,,angebundene Christrutte“ hat mit dem Weihnachtsbaum nichts zu thun. Aus Prätorius’ und Kißlings Angaben ergiebt sich vielmehr mit völliger Sicherheit, daß sie als etwas zu betrachten ist, „das da mit zu lere, gehorsam und disciplin gehöret“.