Nonnenmattweiher

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Autor: Georg Zetter
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Titel: Nonnenmattweiher
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 237–239
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[237]
Nonnenmattweiher.[1]

Es stand im kühlen Waldesraum
Das Kloster Nonnmattweiher;
Dort walteten der Schwestern viel,
Doch Wollust trieb ihr schnödes Spiel

5
Wohl unterm weißen Schleier.


Wenn Morgens früh zur Mette rief
Das Klosterglöcklein helle,
Da zogen sie, gar fromm entbrannt,
Das Büchlein in der zarten Hand,

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Allsammt in die Kapelle.
[238]

Doch wenn die goldne Sonne war
Tief hinterm Wald verschwunden;
Wenn leis’ heran die Dämmrung kam
Und sich ihr Schleier wundersam

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Um Berg und Thal gewunden:


Da ging das tollste Leben los
Im Klosterraume drüben;
Da klangen Lieder, frech genug,
Die nicht das strenge Ordensbuch

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Den Schwestern vorgeschrieben.


Die Eine war dem Knaben hold,
Der täglich auf den Rasen
Am Bühle seine Heerde trieb,
Und seinem frommen Schatz zu lieb

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Manch süßes Lied geblasen.


Spät in des Abends Dämmerschein,
Da schlich sie sich vermessend,
Zum trauten Buhlen heimlich sacht,
In der verschwiegnen stillen Nacht

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Des Bußgelübds vergessend.


Die Andre war dem Jäger hold,
Der Abends auf dem Anstand
Dem Wilde lauscht’ am grünen Wald,
Doch in des Nönnchens Zelle bald

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Der Minne tiefste Bahn fand.


Zu Andern schlich sich insgeheim
Vom nachbarlichen Kloster
Manch’ Mönchlein rund in’s Kämmerlein,
Und raubte s’Rosenkränzelein

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Und wurde Pater noster.


Da hat des Himmels Zorn geweckt
Der Nonnen freches Sinnen:
Er schleuderte vom Wolkensitz

[239]

Den racheschweren Schlangenblitz

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Jach auf die Klosterzinnen.


Und es versank. – Wo es einst stand,
Schäumt nun des Waldsee’s Welle,
Drinn stöhnt es nächtlich: „Vater hilf!“
Da flüstert’s, heult’s und rauscht’s im Schilf
Bis in die Morgenhelle.

Friedrich Otte.

  1. [239] Dieser wegen seiner ehemals schwimmenden, nun mit dem Ufer verbundenen Torfinsel und seiner herrlichen Fische merkwürdige Weiher liegt an der Nordseite des hohen Kohlgartens, in einem ovalen, rings von steilen, waldigen Bergen umgebenen Kessel.
    Nach der allgemeinen Volkssage der Umgegend soll vor Zelten auf der Stelle, wo jetzt der Weiher ist, ein Nonnenkloster gestanden haben, und auf dem zwei Stunden davon liegenden Stockberge ein Mönchskloster. Die Bewohner des Letztern pflegten jene Nonnen öfters in allerlei gottesdienstlichen oder ökonomischen Geschäften zu besuchen, welche aber auch zu einem gar vertraulichen und ärgerlichen Umgange führten, so daß das Nonnenkloster einst, mitten in einer üppigen Schwelgernacht, plötzlich mit Mönchen und Nonnen in die Erde versank und ein kleiner See dafür an dessen Stelle trat, auf dem sich eine aus Torf, Wurzeln, Laub- und Mooswerk bestehende grüne Insel bildete, auf der man ohne Gefahr herumwandeln konnte.
    (Aus einem Aufsatze des Kreisraths Gysser im Freiburger Wochenblatt, 1819. S. 816 u. ff.)