Oskar Kokoschka (Loos)

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Textdaten
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Autor: Adolf Loos
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Titel: Oskar Kokoschka
Untertitel:
aus: Adolf Loos: Sämtliche Schriften in zwei Bänden – Erster Band, herausgegeben von Franz Glück, Wien, München: Herold 1962, S. 443–444
Herausgeber: Franz Glück
Auflage:
Entstehungsdatum: 1931
Erscheinungsdatum: 1962
Verlag: Herold
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Erscheinungsort: Wien
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft: erstdruck im katalog der ausstellung „Oskar Kokoschka. Das gesammelte werk“, städtische kunsthalle Mannheim, 18. januar bis 1. märz 1931, s. 2 f.
Quelle: PDF bei Commons
Kurzbeschreibung:
Loos pflegte eine Kleinschreibung (außer bei Satzanfängen und Namen) auch bei seinen Titeln, wie den Inhaltsverzeichnissen zu entnehmen ist (im Buch selbst sind die Titel in Versalien gesetzt). Um Irritationen zu vermeiden, werden die Titel in der gewohnten Groß-Kleinschreibung gegeben
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[443]
OSKAR KOKOSCHKA
(1931)

Ich traf ihn im jahre 1908. Er hatte das plakat für die wiener „kunstschau“ gezeichnet. Es wurde mir gesagt, daß er ein angestellter der „Wiener Werkstätte“ sei und mit fächermalen, zeichnen von ansichtskarten und ähnlichem, nach deutscher art – kunst im dienste des kaufmanns –, beschäftigt werde. Mir war es sofort klar, daß hier eines der größten verbrechen am heiligen geist verübt wurde. Ich ließ Kokoschka rufen. Er kam. Was er jetzt mache? Er modelliere eine büste. (Sie war nur in seinem hirn fertig.) Die ist von mir angekauft. Was kostet sie? Eine zigarette. Gemacht, ich handle nie. Aber schließlich einigten wir uns auf fünfzig kronen.


Zur „kunstschau“ hatte er die lebensgroße zeichnung für einen gobelin angefertigt. Sie war der clou der ausstellung, und die wiener liefen hinein, um sich darüber den buckel voll zu lachen. Wie gerne hätte ich sie erworben, sie gehörte aber der „Wiener Werkstätte“. Sie endete im schutt der ausstellung, im misthaufen.


Ich versprach Kokoschka, daß er dasselbe einkommen haben werde, wenn er die „Wiener Werkstätte“ verlasse, und suchte aufträge für ihn. Ich schickte ihn zu meiner kranken frau in die Schweiz und bat den in der nachbarschaft wohnenden professor Forel, sich von Kokoschka porträtieren zu lassen. Das fertige bild trug ich der museumsverwaltung in Bern für zweihundert franken an. Abgewiesen. Dann reichte ich es zur ausstellung im wiener künstlerhause ein. Abgewiesen. Dann der Klimt-Gruppe für eine ausstellung in Rom. Abgewiesen durch [444] die opposition. Erst die mannheimer kunsthalle wagte die erwerbung.

Zweihundert franken kostete das bild – kein mensch, keine galerie wollte es haben.

Als mein haus auf dem Michaelerplatz entstand, wurde meine begeisterung für Kokoschka als beweis meiner minderwertigkeit angesehen.

Und heute?

Da ich damals fast die ganze stadt ersucht hatte, mir die arbeit, Kokoschka zu unterstützen, abzunehmen und ein bild für zweihundert kronen zu kaufen, aber höhnisch abgewiesen worden war, stieg die wut gegen mich immer höher, je höher die preise für Kokoschkas bilder stiegen.

Wir haben es beide überstanden.

Zu meinem sechzigsten geburtstag schickte mir Kokoschka einen brief, der beweist, daß größte künstlerschaft das größte menschentum einschließt.