Adolf Loos – Sämtliche Schriften

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Autor: Adolf Loos
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Titel: Adolf Loos – Sämtliche Schriften
Untertitel: in zwei Bänden – Erster Band
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Herausgeber: Franz Glück (1899–1981) Angebote zu GND 116667850
Auflage:
Entstehungsdatum: 1898–1931
Erscheinungsdatum: 1962
Verlag: Herold
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Erscheinungsort: Wien
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: PDF bei Commons
Kurzbeschreibung: Loos pflegte eine Kleinschreibung (außer bei Satzanfängen und Namen) auch bei seinen Titeln, wie den Inhaltsverzeichnissen zu entnehmen ist (im Buch selbst sind die Titel in Versalien gesetzt). Um Irritationen zu vermeiden, werden die Titel in der gewohnten Groß-Kleinschreibung gegeben
Ein Zweiter Band ist nicht erschienen. Er sollte Texte von Loos enthalten, die gedruckt waren von ihm aber nicht in seine Bücher aufgenommen wurden.
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Ins Leere gesprochen (1897–1900)[H 1]

Trotzdem (1900–1931)[H 3]

Anmerkungen des Herausgebers[Bearbeiten]

  1. [447] [Franz Glück 1962] Die erste auflage dieses buches ist bei den éditions Georges Crès et cie, 21, rue hautefeuille, Paris; paradeplatz, Zürich, 1921 erschienen. Da das vorwort dieser ersten ausgabe etwas von der entstehungsgeschichte dieses bandes erzählt und nur wenige sätze in das vorwort der zweiten ausgabe übernommen wurden, wird es hier wieder abgedruckt:
    Kurt Wolff-verlag / Leipzig, 14. april 1919
    herrn / Otto Breuer / Wien, VII. / kaiserstraße

    Sehr geehrter herr!
    Wir danken ihnen bestens für ihre freundlichen zeilen und ihren hinweis auf die aufsätze und kritiken von Adolf Loos. Sie haben uns damit [448] eine große freude bereitet, und wir haben uns beeilt, auch herrn Loos zu sagen, wie sehr wir uns freuen, wenn eine veröffentlichung seiner gesammelten aufsätze in buchform in unserem verlage zustande kommen kann.
    Vielleicht ist es das beste, wenn sie uns eingeschrieben oder versichert einmal den ganzen stoß der aufsätze zunächst nach hier senden, damit wir ihnen, resp. herrn Adolf Loos, unsere vorschläge über anordnung und ausstattung des buches unterbreiten können.
    Wir bleiben ihren weiteren nachrichten mit gespannter anteilnahme gewärtig und empfehlen uns ihnen für heute mit nochmaligem dank,
    hochachtungsvoll und ganz ergebenst
    Kurt Wolff-verlag

    [Adolf Loos 1921] Dieser brief hat seine vorgeschichte. Ich hatte ursprünglich, während meiner mitarbeit bei der „neuen freien presse“, die absicht gehabt, diese aufsätze, die jeden sonntag während der dauer der jubiläums-ausstellung im jahre 1898 in diesem blatte erschienen sind, als buch im verlage der „dekorativen kunst“, München, verlag Bruckmann, erscheinen zu lassen, da ich während des ersten jahrganges ihrer zeitschrift ihr wiener korrespondent gewesen bin. Der verlag Bruckmann machte mir aber nach einem jahre die mitteilung, daß meine aufsätze nicht mehr zeitgemäß seien, und klagte mich auf rückgabe des vorschusses von 200 mark. Die aufsätze blieben liegen. Im laufe der jahre machten mir viele deutsche verleger den antrag, diese artikel erscheinen zu lassen. Aber ich war dagegen. Diese aufsätze waren zu einer zeit und in einem blatte geschrieben, wo ich tausend rücksichten zu nehmen hatte. Meine wahre meinung mußte ich aus pädagogischen gründen in sätze fassen, die mir nach jahren beim lesen nervenschmerzen verursachten. Aber selbst diese verwässerte schreibweise hat mir nicht von philistern, sondern von den „modernen“ künstlern den ruf eingetragen, durch paradoxe schreibweise der „moderne“ in den rücken zu fallen. Nur auf drängen meiner lieben schüler, insbesondere des architekten Otto Breuer, habe ich mich entschlossen, der herausgabe dieser aufsätze zuzustimmen. Ich nannte unter den verlegern, die sich seinerzeit schriftlich oder gesprächsweise um die veröffentlichung bewarben, den Kurt Wolff-verlag.
    Herr Breuer, der mit vieler mühe die artikel gesammelt hatte, übermittelte diese dem verlag und erhielt bald darauf vom lektor des verlages, dem die abteilung für kunst übertragen ist, ein [449] schreiben, worin mitgeteilt wird, daß der verlag nur dann die herausgabe bewerkstelligen könne, wenn ich mich zu änderungen und streichungen der angriffe gegen Josef Hoffmann, der übrigens nie genannt wird, einverstanden erklären würde.

    Darauf zog ich diese artikel vom Kurt Wolff-verlag zurück.

    Aus der „neuen zürcher zeitung“ (morgenblatt nr. 187): Kleine chronik
    5. februar 1921

    Literarisches. Der verlag Georges Crès & cie., Paris – Zürich, teilt uns zu dem aufsatz von Paul Stefan vom 30. dezember letzten jahres mit, daß er sich entschlossen hat, die aufsätze von Adolf Loos in seinem verlage erscheinen zu lassen, nachdem, wie Paul Stefan schreibt, es nicht einmal aus dem anlaß des 50. geburtstages irgendein deutscher verlag wagte, die gesammelten aufsätze dieses reformators auf dem gebiete der architektur und im weiteren sinne der lebenskultur zu edieren. Adolf Loos hat seine zustimmung gegeben.

    Ich sage dem verlag Georges Crès meinen dank.

    Adolf Loos



    [Franz Glück 1962] Die aufsätze dieser ersten auflage von „ins leere gesprochen“ waren nach erscheinungsorten angeordnet. In der „zweiten, veränderten auflage“, die 1932 als erster band der „schriften von Adolf Loos in zwei bänden“ im brenner-verlag, Innsbruck, erschien, wurden die arbeiten so umgestellt, wie sie jetzt auch hier wieder erscheinen. Während der ausarbeitung dieser anmerkungen ist dem herausgeber aufgefallen, daß ein teil der aufsätze doch vielleicht bei einer neuauflage chronologisch richtiger angeordnet werden könnte.

  2. [450] Die aufsätze anläßlich der wiener jubiläums-ausstellung von 1898 sind zuerst jeweils an der spitze anderer über dasselbe thema auf den seiten 16/17 der „neuen freien presse“, Wien, zwischen dem 15. mai und dem 3. juli allwöchentlich erschienen, dann allein in der mitte des blattes am 17. und 24. juli, am 7., 14. und 28. august, am 4. und 25. september sowie schließlich am 2., 9. und 23. oktober. Die jubiläums-ausstellung, eröffnet von kaiser Franz Joseph am 7. mai 1898, war eine art Vorläufer der messe anläßlich der fünfzigsten wiederkehr der thronbesteigung des kaisers. Sie sollte, wie es in einem artikel des jungen Karl Kraus („die wage“, I. band, 1893, s. 337) heißt, „das ausland auf die höhe unserer gewerblichen leistungsfähigkeit und auf unsere fortschritte während der zweiten jahrhunderthälfte aufmerksam machen, während wir uns doch eigentlich nur mit einer ausstellung alles dessen, was wir in den letzten fünfzig jahren versäumt haben, würdig sehen lassen könnten“. Die jubiläums-ausstellung fand in der rotunde und ihrer umgebung im wiener prater statt. Sie wurde am 18. oktober geschlossen. Daher trägt der artikel „buchdrucker“ (erschienen am 23. oktober) im erstdruck auch den untertitel „nachträgliches aus dem bildungspavillon der jubiläums-ausstellung“. – Gute abbildungen des zentralraums der ausstellung von Josef Plečnik und der badezimmer-möbel von Otto Wagner in „ver sacrum“, erster jahrgang, heft 10, oktober 1898, auf s. 4, 9, 21. UB Heidelberg – Das Otto Wagner-zimmer, das ich im „officiellen katalog“ der jubiläums-ausstellung nicht unter dem namen des großen architekten angeführt fand, könnte sich vielleicht unter der nr. 570, „Schenzel F. X. & sohn, k. u. k. hoftapezierer, Wien IX. nussdorferstrasse 64, schlafzimmer [451] und badezimmer“ verstecken. Es ist vermutlich nicht erhalten geblieben.
  3. [454] [Franz Glück 1962] Die erste auflage dieses buches erschien 1931 im brenner-verlag, Innsbruck. Eine zweite, vermehrte auflage ist noch im gleichen jahre in demselben verlag erschienen. Sie enthält als vermehrung unter dem titel „der staat und die kunst“ die einleitung zu den „richtlinien für ein kunstamt“ , da Loos diesen artikel als den, „den ich für meinen wichtigsten halte“, in seinem dankbrief an mich für die obsorge bei der herausgabe reklamiert hatte; er war ursprünglich als teil einer selbständigen publikation fortgelassen worden. Außerdem wurde der damals gerade erschienene Kokoschka-aufsatz aus dem mannheimer katalog hinzugefügt.

Aus dem Nachwort des Herausgebers Franz Glück (1962)[Bearbeiten]

[465] Diese ausgabe der schriften von Adolf Loos soll eine gesamtausgabe werden. Der hier vorliegende erste band enthält die bisherigen beiden bände „ins leere gesprochen“ und „trotzdem“, die Loos zuletzt 1931/32 selbst herausgegeben hat, also alles von ihm in buchform veröffentlichte. Der zweite band [WS: der nicht erschienen ist] wird einerseits alle arbeiten umfassen, die gedruckt, aber von Loos nicht in seine bücher aufgenommen wurden, auch stücke etwa aus den bei den nummern von „das andere“, aus den „richtlinien für ein kunstamt“ oder aus der folge von „antworten auf fragen aus dem publikum“ im „neuen 8 uhr-blatt“. Andererseits werden die vollständig oder nicht allzu bruchstückhaft im manuskript erhaltenen aufsätze und vorträge aus dem nachlaß dort zuerst veröffentlicht werden. Schließlich soll dieser zweite band auch alle aufsätze und erläuterungen enthalten, die Loos zu seinen eigenen bauten niedergeschrieben und die er zunächst grundsätzlich aus den sammlungen seiner schriften ausgeschaltet hat.
Besonders mit dem zweiten band wird also zum ersten male eine art philologischer ausgabe der Loos’schen schriften geschaffen. Das gilt vor allem für den inhalt. Wir dürfen heute das werk von Loos historisch sehen; es ist durchaus sinnvoll, zu zeigen, wie auch ein so grosser, konsequenter denker sich im lauf seines lebens wandelt und zu anderen ansichten gelangt. Loos hat mit der souveränität des bedeutenden menschen das manchmal schon selbst gezeigt; aber nun, fast drei jahrzehnte nach seinem tode, kann alles, ohne seinem andenken zu schaden, offen ausgebreitet werden. Das völlig ephemere allerdings hat Loos ausgelassen, und ich glaube, wir [466] dürfen ihm darin folgen; es würde nur einen haufen von erklärungen fordern und bliebe doch wirkungslos.
Die stilistischen verbesserungen gehen zum teil auf Loos selbst und auf Heinrich Kulka, zum anderen teil auf mich zurück. Denn schon für den brenner-verlag habe ich, willentlich ungenannt, die herausgeberarbeit besorgt. Loos hat mir dabei völlig freie hand gelassen, die bände eigentlich erst gedruckt angesehen und alles gut geheißen. Er fand sie „großartig gelungen“, wie es in einem brief an mich über „trotzdem“ heißt. Ich habe daher keine bedenken getragen, an einigen stellen auch diesmal geringfügige verbesserungen anzubringen, die das neuerliche durchlesen nahelegte.
Schon zu der zeit, da „trotzdem“ erschien, hatte Adolf Loos viele seiner aufsätze aus dem gedächtnis verloren. Daran, daß er ein kleines archiv oder auch nur ein verzeichnis seiner schriftstellerischen arbeiten hätte anlegen können, hatte er nie gedacht. Seine datierungen, seine angaben über das erscheinen waren dort, wo es nur manuskripte gab, die vielfach sogar fragmentarisch vorlagen – teile waren verlorengegangen –, durchaus unsicher. Damals aber war nicht zeit, um nachzuprüfen, auch war unser vertrauen in diese angaben zu groß. Jetzt ist das, soweit, wie es möglich war, nachgeprüft, es sind umdatierungen vorgenommen worden und damit auch umstellungen, da ja die arbeiten in „trotzdem“ nach dem willen von Loos chronologisch angeordnet sein sollten. Vollendet wird diese arbeit erst sein, wenn, was gewiß noch nicht der fall ist, alle erstdrucke entdeckt sind.
Loos hat sich nie vor der wiederholung gescheut. In verschiedenen seiner aufsätze kommen wörtlich dieselben sätze vor für dieselbe sache. Das erklärt sich allerdings [467] öfter daraus, daß vorträge und aufsätze in den büchern nebeneinander stehen. Als z. b. „heimatkunst“ erschien, war der vortrag „architektur“ noch manuskript. Es liegt aber auch absicht in der wiederholung wichtiger thesen, sie sollten sich einprägen. Wer einmal über etwas weggelesen hat, kommt vielleicht später darauf. So sprach Loos oft dasselbe, so ließ er oft dasselbe drucken. […]
[469] Die kleinschreibung ist ein besonderes problem. Es mag sein, daß sie, wie in den früheren auflagen, nicht ganz konsequent ist. Der herausgeber ist hier ebenso wenig pedantisch gewesen wie Loos selbst. Das gilt auch für die orthographie. […]