Heimatkunst

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Autor: Adolf Loos
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Titel: Heimatkunst
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aus: Adolf Loos: Sämtliche Schriften in zwei Bänden – Erster Band, herausgegeben von Franz Glück, Wien, München: Herold 1962, S. 331–341
Herausgeber: Franz Glück
Auflage:
Entstehungsdatum: 1914
Erscheinungsdatum: 1962
Verlag: Herold
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Erscheinungsort: Wien
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft: Erstdruck unbekannt
Quelle: PDF bei Commons
Kurzbeschreibung:
Loos pflegte eine Kleinschreibung (außer bei Satzanfängen und Namen) auch bei seinen Titeln, wie den Inhaltsverzeichnissen zu entnehmen ist (im Buch selbst sind die Titel in Versalien gesetzt). Um Irritationen zu vermeiden, werden die Titel in der gewohnten Groß-Kleinschreibung gegeben
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[331]
HEIMATKUNST
(1914)

Die architekten haben mit der reproduktion der alten stile schiffbruch gelitten, sie leiden jetzt, nachdem sie ohne erfolg versucht haben, den stil unserer zeit zu finden, wieder schiffbruch. Und da kommt ihnen das schlagwort „heimatkunst“ als letzter rettungsanker sehr gelegen. Ich hoffe, daß es damit endgültig abgetan ist. Ich hoffe, daß das arsenal des bösen damit endgültig erschöpft ist. Ich hoffe, daß man dann endlich sich auf sich selbst besinnen wird.

Das wort heimat hat einen schönen klang. Und die pflege der heimatlichen bauweise ist eine berechtigte forderung. Kein fremdkörper sollte sich in ein stadtbild hineinwagen dürfen, kein indischer pagodenprunk sich auf dem lande breit machen. Wie aber wird von den heimatkünstlern die frage gelöst? Vor allem soll jeder technische fortschritt aus dem bauwesen für ewige zeiten eliminiert werden. Neue erfindungen, neue erfahrungen sollen nicht verwendet werden, da sie – nun, da sie der heimischen bauweise nicht entsprechen. Ein wahres glück für die heimatkünstler, daß die menschen in der steinzeit noch nicht diese forderung aufstellten, weil wir dann keine heimische bauweise besäßen, und sie dadurch keine lebensbedingungen hätten! Das holzzementdach, eine so epochale errungenschaft, die, wäre sie uns im siebzehnten jahrhundert beschieden worden, von den baukünstlern mit jubelschreien empfangen worden wäre, wird von den heimatkünstlern verneint. Schließlich wissen auch die anderen architekten damit nichts anzufangen. Vor dreihundert jahren, als die italienische bauweise [332] über die alpen kam, da seufzten die wiener baumeister unter dem druck, den das schindeldach auf ihre erfindungskraft ausübte. Man probierte es, um des nordischen schnees und regens herr zu werden, mit ziegeln, die in mörtel gelegt wurden, man führte falsche mauern über die giebelfronten und setzte falsche fenster ein. Und man sehnte sich nach dem flachen dache jahrhundertelang. Als aber nach dem großen brande in Hamburg der einfache handelsmann in Hirschberg in Schlesien endlich das große problem des feuer- und wassersicheren billigen flachen daches löste, war die sehnsucht der jahrhunderte schon verflogen, und der große moment fand wahrlich ein kleines geschlecht. Man konnte das flache dach nicht verwenden. Das wäre kein unglück. Aber ein unglück ist es für die kultur der menschheit, daß sich in Deutschland gesetzgeber finden, die unter dem drucke der heimatkünstler das holzzementdach polizeilich verbieten. Aus ästhetischen gründen. Denn auf dem lande decke man mit ziegeln oder schiefer.

In Wien verschandeln die architekten die stadt, ohne von der polizei dazu veranlaßt zu werden. Aus freien stücken. Alle größe ist dadurch aus der stadt verschwunden. Wenn ich mich bei der oper aufstelle und zum Schwarzenbergplatz hinunterblicke, so habe ich das intensive gefühl: Wien! Wien, die millionenstadt, Wien, die metropole eines großen reiches. Wenn ich aber die zinshäuser am Stubenring betrachte, so habe ich nur ein gefühl: fünfstöckiges Mährisch-Ostrau.

Und hier erhebe ich die erste anklage gegen die heimatkünstler. Große städte wollen sie zu kleinstädten herabdrücken, kleinstädte zu dörfern. Aber unser bestreben hat die umgekehrte richtung zu nehmen. Geradeso [333] wie sich der raseurgehilfe bei der auswahl seiner kleidung von dem richtigen bestreben leiten läßt, für einen grafen gelten zu wollen, während es keinen grafen gibt, der bei der auswahl seiner kleidungsstücke von dem bestreben erfüllt wäre, für einen raseurgehilfen gehalten zu werden. Dieses einfache prinzip, dieses streben nach vornehmheit und daher vollkommenheit, das die menschheit seit urbeginn erfüllt, hat den heutigen stand unserer kultur geschaffen. Aber die heimatkünstler machen es umgekehrt. Dieselben details, dieselben dachformen, erker, türme und giebel, die in Mährisch-Ostrau bekannt sind, seitdem es dreistöckige häuser gibt, werden nun in der hauptstadt verwendet.

Die alte ringstraße ist kein architektonisches heldenstück. Steinformen erscheinen in zement gegossen und angenagelt. Doch diese fehler haben die neuen wiener häuser auch. Die häuser der siebziger jahre nahmen ihre formen aber von den palästen des italienischen adels ab. So, wie es die baumeister des achtzehnten jahrhunderts getan hatten. Dadurch erhielten wir einen wiener stil, den stil der hauptstadt. Das haus auf dem Michaelerplatz mag gut oder schlecht sein, aber eines müssen ihm auch seine gegner lassen: daß es nicht provinzmäßig ist. Daß es ein haus ist, das nur in einer millionenstadt stehen kann. Right or wrong, my country! Recht oder schlecht – meine stadt!

Unsere architekten haben allerdings keine sehnsucht nach dem wiener baustil. Sie sind auf die deutschen bauzeitungen abonniert, und das ergebnis eines solchen abonnements ist erschreckend.

In der letzten zeit gibt es häuser in der inneren stadt, die frischweg aus Magdeburg oder Essen an der Ruhr [334] nach Wien importiert sind. Wenn sich die magdeburger solche häuser gefallen lassen, ist das nicht unsere sache. Aber wir in Wien dürfen wohl dagegen protestieren.

Diese häuser haben alle ein gemeinsames. Sie haben eine vertikale gliederung. Die deutschen wurden alle durch das vorbild des kaufhauses Wertheim ganz benebelt. In Berlin, der stadt mit den endlos langen straßen, mag eine solche bauweise durchaus am platze sein. Die vertikale gliederung zerschneidet die langen straßenfronten und gibt dem auge ersehnte ruhepunkte. Aber in Wien – ich spreche immer nur von der inneren stadt – in der stadt mit den kurzen straßen, verlangt das auge eine horizontale gliederung der fassaden. Robert Örley hat mit recht darauf hingewiesen,[H 1] daß der graben durch das neue haus ecke Habsburgergasse für immer ruiniert ist. Am graben steht die dreifaltigkeitssäule. Es ist selbstverständlich, daß eine solche säule einen horizontalen hintergrund verlangt. Aber man baute ein haus, das, kommt man vom Stephansplatz, der silhouette der pestsäule den ungünstigsten hintergrund gibt, der sich denken läßt. Kommt man vom kohlmarkt, so sieht man wieder an der stelle des alten trattnerhofes eine echt deutsche importe.

Ich bin für die traditionelle bauweise. Ein mustergebäude für ein grabenhaus ist das sparkassengebäude. Nach dem bau dieses hauses wurde die tradition verlassen. Hier haben wir anzuschließen. Gibt es veränderungen? O ja! Es sind dieselben veränderungen, die die neue kultur geschaffen haben. Kein mensch kann ein werk wiederholen. Jeder tag schafft den menschen neu, und der neue mensch ist nicht imstande, das zu arbeiten, was der alte schuf. Er glaubt, dasselbe zu arbeiten, und [335] es wird etwas neues. Etwas unmerklich neues, aber nach einem jahrhundert merkt man den unterschied doch.

Gibt es keine bewußten veränderungen?

Auch die gibt es. Meine schüler wissen: Eine veränderung gegenüber dem althergekommenen ist nur dann erlaubt, wenn die veränderung eine verbesserung bedeutet. Und da reißen die neuen erfindungen große löcher in die tradition, in die traditionelle bauweise. Die neuen erfindungen, das elektrische licht, das holzzementdach, gehören nicht einem bestimmten landstrich, sie gehören dem ganzen erdball.

Und so gehören auch neue geistesrichtungen allen bewohnern der erde. Die lüge von der heimatkunst war den baumeistern der renaissance fremd. Sie bauten alle im römischen stil. In Spanien und Deutschland, in England und Rußland. Und schufen dadurch den stil ihrer heimat, mit dem die leute von heute jede weitere entwicklung totschlagen wollen.

Ja, der echten heimatkunst wird nicht einmal dadurch abbruch getan, wenn fremde meister im lande bauen. Mit recht zählt man die halle im garten des palais Waldstein und das belvedere in Prag zur deutschen renaissance, und das palais Liechtenstein hinter dem burgtheater ist das schönste und monumentalste beispiel des wiener barocks, obwohl alle diese bauten von italienischen meistern und werkleuten aufgeführt wurden. Hier vollzieht sich ein mysteriöser prozeß, der bisher von den psychologen noch nicht beachtet und daher nicht aufgeklärt wurde. Man sieht: selbst der fremde meister hat in einer stadt nur seinem eigenen gewissen zu folgen. Das übrige kann er ruhig der luft, die er atmet, überlassen.

Wie hat nun der meister der großstadt zu bauen, wenn [336] er auf das land gerufen wird? Die heimatkünstler sagen: wie ein bauer!

Betrachten wir den bauer bei seiner arbeit. Er steckt den boden ab, auf dem sich das haus erheben soll und gräbt die fundamente aus. Der maurer legt ziegel auf ziegel und unterdessen hat der zimmermann seine werkstätte daneben aufgeschlagen. Er macht das dach. Ein schönes oder häßliches dach? Er weiß es nicht. Das dach!

Und es kommt der tischler und nimmt maß für fenster und türen und es kommen alle handwerker, nehmen ihre maße und gehen in ihre werkstätten und arbeiten. Und wenn alles an seinen ort und seine stelle versetzt ist, nimmt der bauer einen pinsel und streicht sein haus schön weiß.

Der architekt aber kann so nicht arbeiten. Er arbeitet nach einem festen plan. Und wenn er die naivität des bauern kopieren wollte, so ginge er allen kultivierten menschen genau so auf die nerven, wie es die ischler dirndln oder die oberösterreichisch daherredenden börsianer tun.

Diese naivtuerei, dieses absichtliche zurückschrauben auf einen anderen kulturzustand ist würdelos und lächerlich und war daher den alten meistern fremd, die nie würdelos und lächerlich waren. Betrachtet doch die alten herrenhäuser und kirchen auf dem lande, die von stadtbaumeistern herrühren. Stets waren sie in eben dem stile gebaut, in dem der meister in der stadt baute. Denkt an die Weilburg in Baden, an die kirchen aus dem anfange des neunzehnten jahrhunderts in Niederösterreich. Wie herrlich fügen sie sich in die landschaft ein, während die [337] kindischen versuche der architekten in den letzten vierzig jahren, der natur mit steilen dächern, erkern und anderem rustikalen gejodel entgegen zu kommen, schmählich gescheitert sind. Selbst der Husarentempel hat den charakter des wienerwaldes, aber jeder aussichtsturm im burgruinenstil schändet den berg. Denn der Husarentempel ist wahrheit, und der burgruinenstil lüge. Und die natur kann es nur mit der wahrheit halten.

Statt aber die neuesten errungenschaften unserer kultur und unseres geisteslebens, statt unsere neuen erfindungen und erfahrungen auf das land hinauszubringen, versuchen es die heimatkünstler, die ländliche bauweise in die stadt hineinzutragen. Die bauernhäuser erscheinen diesen herren exotisch, was sie mit dem worte malerisch umschreiben. Malerisch erscheinen die kleidung der bauern, ihr hausrat und ihre häuser nur uns. Die bauern selbst kommen sich gar nicht malerisch vor, auch ihre häuser sind es für sie nicht. Sie haben auch nie malerisch gebaut. Aber die stadtarchitekten tun es nun nicht mehr anders. Malerisch sind unregelmäßige fenster, malerisch die rauhe, die abgeschlagene wand, malerisch die alten dachziegel. Und dies wird in der stadt nach den geboten der heimatkunst alles imitiert. Wir dürfen fünf stockwerke bauen. Aber wir täuschen vor, daß das haus weniger habe – ländlich sittlich – und machen nur vier. Und der fünfte stock? Der steckt im dach und zwar von dachziegeln verdeckt, die mit allen möglichen finessen hundertjährigen gebrauch vortäuschen müssen. Was aber ein echter heimatkünstler ist, der wird auch für das richtige grüne moos sorgen. Auch die hauswurz ist nicht zu vergessen. Und ich sehe schon die zeit kommen, wo unsere geschäfts- und miethäuser, unsere theater- [338] und konzerthäuser mit schindeln und stroh gedeckt werden. Nur immer ländlich schändlich.

Was sich jetzt unter dem schlagworte heimatlicher baukunst in unserer stadt und in unseren vorstädten zeigt, das ist erschreckend. Der vornehme stil, in dem unsere urgroßeltern in Hietzing und Döbling gebaut haben, ist vergessen, und ein tohuwabohu von rokokoschnörkeln, balkonen, neckischen ecklösungen, erkern, giebeln, türmen, dächern und wetterfahnen ist auf die landschaft losgelassen. Der eine ist auf ein amerikanisches blatt abonniert und baut daher aus quadern, die allerdings nicht aus den Rocky-mountains herrühren, sondern beim hofsteinmetzmeister Soundso solange fein säuberlich behauen wurden, bis sie recht nach wildwest aussahen, der andere ist auf den Studio abonniert und baut die sogenannten vogelhäuser, durchsichtige häuser, die von weitem schon den beschauer ihren grundriß mit den verschwiegensten gemächern ahnen lassen. Am liebsten wollten alle mit stroh decken, das ist das „heimatlichste“, was man hat. Le dernier cri!

In einigen tagen wird eines der letzten der alten hietzinger häuser abgebrochen. Es stößt an das parkhotel Schönbrunn an, und der grund wird zu dessen vergrößerung verwendet. Welche kultur war in diesem hause, welche vornehmheit! Wie wienerisch, wie österreichisch, wie menschlich! Und daher: wie hietzingerisch! Die behörde sieht es nicht gerne, wenn man sich an die tradition hält. Solche häuser haben bekanntlich keine fassade, und das liebt man nicht. Man hat es gerne, wenn man es den andern parvenüs gleich macht, einer soll den andern überschreien.

Erst in diesem sommer wurde der bau eines familienhauses [339] in Hietzing von der kommission laut protokoll mit folgenden worten zurückgewiesen: „Die fassade läßt malerische ausgestaltung vermissen, wie dies in dieser gegend durch anbringung von dächern, türmchen, giebeln und erkern zu geschehen pflegt. Wegen dieser mängel wird die baubewilligung nicht erteilt.“

An höheren stellen denkt man allerdings darüber anders, und die architekten können sich bei der verschandelung der wiener vorstädte nicht auf die baubehörde berufen.

Ich nenne die neue sucht, im stile von Berlin-Grunewald oder München-Dachau zu arbeiten, münchnerei – wienerisch ist anders. Wir haben so viel italienische luft über die alpen herübergeweht bekommen, daß wir wie unsere väter in einem stile bauen sollten, der gegen die außenwelt abschließt. Das haus sei nach außen verschwiegen, im inneren offenbare es seinen ganzen reichtum. Das tun nicht nur die italienischen häuser (bis auf die venezianischen), sondern auch alle deutschen. Nur die französischen, die unseren architekten immer vorschweben, können sich im aufzeigen ihres grundrisses nicht genug tun.

Das dach sei in Österreich flach. Die alpenbewohner haben des windes und des schnees wegen die flachste dachneigung: es ist daher selbstverständlich, daß ihnen unsere heimatkünstler die steilsten dächer hinbauen, solche, die nach jedem schneefall eine gefahr für die bewohner bilden. Das flache dach steigert die schönheit unserer bergwelt, das steile dach verkümmert sie. Ein merkwürdiges beispiel, wie die innere wahrheit auch das ästhetisch richtige zeitigt.

Es wäre noch etwas bezüglich des materials zu sagen. [340] Es wurde mir von sehr autoritativer seite der vorwurf gemacht, daß ich, obwohl ich die heimatliche seite des hauses am Michaelerplatz so sehr hervorhebe, marmor aus Griechenland herbeigeholt habe. Nun, die wiener küche ist wienerisch, obwohl sie gewürze aus dem fernen Orient verwendet, und ein wiener haus kann auch echt und wahr, also wienerisch sein, wenn das kupferdach aus Amerika ist. Aber der einwand ist nicht so einfach abzuweisen. In Wien ein bauwerk in backstein auszuführen, wäre falsch. Aber nicht deshalb, weil wir keinen backstein haben (denn wir haben ihn), sondern weil wir besseres haben, den kalkverputz. In Danzig kann ich wohl die putztechnik verwenden, in Wien darf ich die mauern nicht im rohen zustand lassen. Das material darf ich überall herholen, die technik jederzeit gegen eine bessere vertauschen.

Statt lügnerischen schlagworten wie „heimatkunst“ zu folgen, entschließe man sich doch endlich zu der einzigen wahrheit zurückzukehren, die ich immer verkünde: zur tradition. Man gewöhne sich, zu bauen wie unsere väter gebaut haben, und fürchte nicht, unmodern zu sein. Dem bauern sind wir überlegen. Nicht nur unserer dreschmaschinen, sondern auch unseres wissens und unserer erfahrungen im baufach hat er teilhaftig zu werden. Wir sollen seine führer sein, nicht seine nachäffer.

Das lügnerische getue, das in der bauerntheaterspielerei gipfelt, mit ihren bunten bauernstoffen, die nach rocks-drops-bonbons gezeichnet sind, mit der ganzen unwahren naivtuerei, die gewaltsam stammelt, statt frei zu reden, mit der kindlichen maskerade, die sich schon darin dokumentiert, daß unsere kunstgewerbeschule unter einer leitung steht, die mit recht als größte autorität in [341] felsblöcken aus papiermaché und gras aus leinwandstreifen geschätzt wird, das ganze kindische gelalle, das sich unter dem namen heimatkunst birgt, möge aufhören.

Wir arbeiten so gut wie wir können, ohne auch nur eine sekunde über die form nachzudenken. Die beste form ist immer schon bereit, und niemand fürchte sich, sie anzuwenden, wenn sie auch in ihrem grunde von einem andern herrührt. Genug der originalgenies! Wiederholen wir uns unaufhörlich selbst! Ein haus gleiche dem andern! Man kommt dann zwar nicht in die „Deutsche Kunst und Dekoration“ und wird nicht kunstgewerbeschul-professor, aber man hat seiner zeit, sich, seinem volke und der menschheit am besten gedient. Und damit seiner heimat!

Anmerkungen (H)

  1. im „jahrbuch der gesellschaft österreichischer architekten“, 1910, s. 121.