Otto der Große vergiebt seinem Bruder Heinrich

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Textdaten
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Autor: R. Greinz
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Titel: Otto der Große vergiebt seinem Bruder Heinrich
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 820
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Otto der Große vergiebt seinem Bruder Heinrich.
Nach einer Originalzeichnung von A. Zick.

[820] Otto der Große vergiebt seinem Bruder Heinrich. (Zu dem Bilde S. 817.) Die liebeweckende Macht des Weihnachtsfestes, welche jedes Jahr in der Stille der Häuslichkeit tausend Wunder wirkt, hat auch wiederholt auf der offenen Bühne der Weltgeschichte herrliche Thaten vollbracht. Unser Bild stellt eine der berühmtesten dar, es zeigt uns den jugendlichen Kaiser Otto, der später den Beinamen des Großen von der Geschichte erhielt, wie er in der Christnacht des Jahres 941 im Dom zu Frankfurt seinem gegen ihn aufständische Bruder Heinrich vergiebt.

Zweimal hatte dieser, aufgestachelt von seiner Mutter, der Königinwitwe Mathilde, die ihn bevorzugte, gegen den älteren Bruder als Empörer die Waffen erhoben. Beidemal hatte Otto ihn besiegt und in seine Hand bekommen. Das erste Mal war es dem zur Großmut Geneigten leicht gefallen, dem Bußfertigen zu vergeben. Nachdem Heinrich aber den Schwur aufs neue gebrochen, ja, diesmal sogar nach des Bruders Leben getrachtet hatte, glaubte Otto es seinem Reiche schuldig zu sein, den halsstarrigen Aufwiegler einem Fürstengericht zu überliefern. Der Gefangene wurde nach Ingelheim zur Haft gebracht. Doch dem heißblütigen Jüngling, so erzählt M. Manitius[WS 1] in seiner, „Geschichte der sächsischen und salischen Kaiser“, war die Haft unerträglich, und es gelang ihm, mit Hilfe eines Mainzer Priesters zu entkommen. Aber sein Herz war umgewandelt. Es gelüstete ihn nicht mehr danach, dem Bruder entgegenzuarbeiten, sondern er benutzte seine Freiheit zu einem schöneren Zwecke. Im Dome zu Frankfurt war es, wo er sich zu Weihnachten 941 dem Bruder in härenem Büßergewande nahte und unter Thränen zu Füßen warf. Der Edelmann siegte in Otto. Zum Zeichen der Versöhnung hob er seinen Bruder vom Boden auf und gab ihm die Freiheit. Und fortan blieb das Verhältnis beider ein brüderliches, nichts mehr war imstande, ihre Eintracht zu stören. Der König gewann seither an Heinrich eine feste Stütze und einen wahren Freund.

Die poetische Legende hat die ergreifende Scene nach dem Lieblingssitz Kaiser Ottos, nach Quedlinburg, verlegt. Doch hat hier tatsächlich nur der von Heinrich und seinen Mitverschworenen geplante Ueberfall stattfinden sollen, gegen welchen der Kaiser zu seinem Schutz rechtzeitig Vorkehrungen traf. In einem bekannten Gedicht das dieser Lesart folgt, findet sich die ansprechende Ausschmückung, der amtierende Abt habe den noch schwankenden Sinn des Kaisers zur Milde gestimmt durch die Verlesung der Mahnung Christi, daß es nicht genug sei, siebenmal zu verzeihen nein, siebenzigmalsiebenmal müsse man seinem Bruder vergeben!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: H. Manitius