RE:Ὑακίνθια

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,1 (1914), Sp. 1–2
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Ὑακίνθια[1] hieß eines der größten und heiligsten Feste, das in Amyklai bei Sparta alljährlich (Thuk. V 23. Ovid. met. X 219) im Monat Hekatombeus gefeiert wurde (Theodoret. affect. cur. VIII p. 908. Hesych. s. Ἑκατομβεύς), der wahrscheinlich dem attischen Thargelion entsprach (Unger Philol. XXXVII 17ff. Jahrb. f. Philol. 1888, 529ff. Busolt Griech. Gesch.² II 772, 2. Nilsson Griech. Feste 134f.). Das Fest hatte seinen Namen von Hyakinthos, einem alten chthonischen Lokalgott, dessen Kult dann aber mit dem des Apollon vereinigt wurde. Die spätere Sage (s. Rohde Psyche I 138, 1) erzählte von einem jugendlichen Liebling Apollons, den dieser durch einen unvorsichtigen Diskoswurf getötet habe, während der alte Hyakinthos bärtig und Vater mehrerer Kinder war (Hesych. s. Ὑακινθίδες. Apollod. III 15, 5. Hyg. fab. 238). Auf einem Untersatz in Altarform, in dem Hyakinthos begraben lag, stand ein altertümliches Erzbild des Apollon, an einer Seite des Altars befand sich eine niedrige bronzene Tür, durch die man am Feste dem Toten die ἐναγίσματα der neben dem Altar geopferten Tiere in die Grabkammer schob (Paus. III 19, 3. Studniczka Österr. Jahresh. VI 123ff.). Wir haben eine ziemlich ausführliche Beschreibung des Festes in einem Auszug des Didymos aus den Λακωνικά des Polykrates, den uns Athenaios IV 139 D–F erhalten hat. Ganz Sparta zog auf der heiligen ὁδὸς Ὑακινθίς (Demetr. von Skepsis bei Athen. IV 173 F) nach Amyklai, und die Hauptstadt war an diesem Tag wie ausgestorben, man schloß Waffenstillstände und entließ Truppen aus dem Feldlager, um ihnen die Teilnahme an dem Fest zu ermöglichen (Herod. IX 7. Plut. Aristid. 10. Paus. IV 19, 3. III 10, 1. Xen. hell. IV 5, 11; Ages. II 17), Jungfrauen fuhren auf schön geschmückten Wagen hinaus, eine Reiterschar zog in Parade auch durch das Theater. Das Fest dauerte mindestens drei Tage, die ἱερομηνία wenigstens neun (Herod. IX 7ff.). Der erste Tag hatte einen traurigen Charakter (Rohde Psyche I 140, 1), er galt dem Heros [2] Hyakinthos. Beim Opfermahl ging es ernst zu, nur bestimmte Speisen (Ziegenfleisch, eine besondere Art von Fladen, kein Brot) waren gestattet, Musik und Kränze fehlten, auch der Päan war verboten. Aber an den folgenden Tagen, die dem Apollon geweiht waren, herrschte Freude und Heiterkeit, wie an anderen Festen. Man trug Efeukränze (Macrob. Sat. I 18, 2), sang den Päan (Xen. hell. IV 5, 11; Ages. II 17), Fremde und selbst die Sklaven wurden festlich bewirtet, Knaben in schönen Gewändern führten Reigen auf, Frauenchöre traten auf und beteiligten sich auch an einer nächtlichen Feier (Eur. Hel. 1465ff. Nilsson Griech. Feste 137. Schroeder Athen. Mitt. XXIX [1904] 24ff.). Auch Agone fanden statt (Philostr. vit. soph. II 12. CIG 1440. Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 19). Die spartanischen Frauen aber brachten dem Apollon einen neu gewebten Peplos dar (Schol. Pind. Isthm. VI 16. Paus. III 16, 3). Vgl. sonst noch Strab. VI 278. Wide Lakon. Kulte 290ff. Hermann Gottesd. Altert.² § 53, 36f. Schoemann-Lipsius Griech. Altert. II 473f. Preller-Robert Griech. Myth. I 248f. 251, 5. Daremberg-Saglio V 304f. Stengel Griech. Kultusalt.² 218. Rohde Psyche I 137ff. Nilsson Griech. Feste 129ff. Fiechter Arch. Anz. (Arch. Jahrb.) 1909, Julisitzg.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. transkribiert Hyakinthia