RE:Abderos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 23–24
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Abderos (Ἄβδηρος, bei Ptolemaios Hephaistion und Philostratos Αὔδηρος), nach Hellanikos (frg. 89) und ἄλλοι bei Steph. Byz. s. Ἄβδηρα (FHG I 58) Sohn des Hermes, Liebling des Herakles, Eponymos der thrakischen Stadt Abdera (die Ephoros bei Steph. Byz. a. a. O. dem Heros gleichlautend nennt). Er wird zerrissen von den Stuten des thrakischen Königs Diomedes. Nach der Tabula Farnesiana in Villa Albani CIG 5984 C 12ff. war er ein Θρονικός, d. h. aus dem (opuntischen) Thronion gebürtig, nach der Apollodor. Bibl. II 5, 8, 3 ein Lokrer aus Opus, nach Ptolemaios Hephaistion V p. 192, 24f. Westerm. Bruder des (Opuntiers) Patrokles. Τὰ περὶ Ἀ-ου μυθευόμενα (Strab. VII 331 frg. 44, ohne ausführlichen Bericht) zerfallen in zwei Versionen: a. eine abweichende bei Hyg. F. 30, wo er zu den Dienern des Diomedes gehört und von Herakles [24] erschlagen wird; und b. die Vulgata: Apd. Bibl. a. a. O. = Pediasimos de Hercul. XII lab. 12 p. 353 f. Westerm.; vgl. Philostratos Imag. II 25 p. 429, 18 Kayser, wo er dem Herakles, seinem ἐραστής, die den Bistonen geraubten menschenfressenden Stuten bewacht, während dieser den Rückzug deckt, bis er von ihnen halb (Philost.) oder ganz (Strab. VII 331 frg. 47) aufgefressen wird, worauf Herakles an seinem τάφος die Stadt Abdera gründet und nach ihm benennt. Nach Philostratos (a. O.) geht auf dieses αἴτιον auch die Einsetzung von Wettspielen (πυγμή, παγκράτιον, πάλη u. a.) ausser ἵπποι zurück. Philostratos Heroic. III 2 p. 303, 1 K. nennt ihn neben Hyllos als παιδάριον, geliebt von Herakles (= Clemens Homil. V 15), XIX 2 p. 319, 34 K. auch mit Narkissos, Hyakinthos, Hylas, wie er Imag. II 25 seine Schönheit noch im Tode rühmte. Nach abweichender Sage bei Ptolemaios Heph. a. a. O. meldete er τὰ περὶ Ἡρακλέους πυρᾶς dem Theseus und wurde von ihm getötet (also doch wohl in Athen).

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918), Sp. 1415
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S. 23, 41 zum Art. Abderos:

Die Sage von A. wurde auch von Pindar im 2. Paean v. 1ff. behandelt. Danach ist er ein Sohn der Naide Thronie und Poseidon, nicht Hermes. Mit dieser Version stimmt die Tab. Farnes. überein, und sie ist ohne Zweifel die ältere, da die Vorherrschaft von Opus relativ spät in der Geschichte hervortritt. Es ist zu bemerken, wie A. hier in starkem Gegensatz zu dem Ἰάονι λαῷ steht. Pindar betont die lokrische Abstammung des Helden, auch wenn es nicht durch die Sache selbst erfordert wurde, wohl aus seiner Neigung zu den Lokrern; vgl. E. Lübbert De Pindaro Locrorum Opunt. amico atque patrono, Bonn 1882/3 und Oldfather Philol. LXVII 441ff. Der Name ist gewiß von dem der Stadt abgeleitet, ein Beweis, daß die Besiedlung im vollen mythischen Zeitalter sich befand, als individuelle Namen sich noch nicht fortpflanzten. Das erklärt sowohl die befremdende Tatsache, daß ein griechischer Oikist einen fremden, wohl phoinikischen, Namen trägt; vgl. Jurenka Philol. LXXI 176. Seine Abstammung von Poseidon ist bemerkenswert, da es bis jetzt an einem sicheren Zeugnis für einen Poseidonkultus bei den östlichen Lokrern fehlte, außer einer figürlichen Terrakotta in London (Arch. Anz. 1896, 143, IV 17). Doch in einer Gegend, die ganz am Meere lag und die so schwer von Erdbeben heimgesucht wurde, wie das östliche Lokris, konnte Poseidon nicht ausbleiben, und daß andere Zeugnisse fehlen, ist nur Zufall. Daß er speziell in Thronion einen Kultus genoß, beweist der Scholiast zu v. 2 mit dem Zusatz πατρίου. Dagegen hatte Hermes einen weit ausgebreiteten Kultus bei den östlichen Lokrern (vgl. Oldfather a. a. O. 469ff.), wonach er den Poseidon bei den Sagenklitterern ersetzte. Man wird kaum hierin mit Jurenka a. a. O. 178 an eine besondere merkantile Tat der Lokrer bei der Kolonisation denken. Zu den antiken Belegstellen [15] füge noch Iulian. Ep. VII 220 C hinzu, der vom A. in Gefolgschaft des Herakles spricht.