RE:Aganzana

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 731733
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Aganzana (var. Ἀγάνζαυα, Ἀγάνζαβα letzteres Nobbe), nach Ptol. VI 2, 11 Statdt in Medien, Länge 89°, Breite 39° 30′. Bei dem Versuche, den Ort zu identificieren, darf nicht von der angegebenen Position als von einer absoluten ausgegangen werden, sondern sie ist in ihrem Verhältnis zu der eines geeigneten Hauptpunktes, somit als eine blos relative zu betrachten. In dem vorliegenden Falle, d. h. für eine in Medien gelegene Stadt, wird mit einiger Sicherheit nur Ekbatana, das neuere Hämädân, als ein solcher angesehen werden können, dessen Länge 88° und dessen Breite 37° 45′ nach Ptol. VI 2, 14 beträgt. Danach liegt A. 1° 45′ nördlicher und 1° östlicher als Ekbatana, höchst wahrscheinlich an einer von Ekbatana nach Norden laufenden Strasse. Addiert man nun die Längen- und Breitendifferenz zwischen A. und Ekbatana zu der Länge und Breite von Hämädân, wie diese zur Zeit, allerdings in nicht ganz übereinstimmender Weise, nur auf Grund von Routenaufnahmen angesetzt werden (das Nähere u. Ekbatana), nämlich 34° 48′ nördl. Breite. (vielleicht aber noch um fast ¼° südlicher) und 48° 16′ östl. Länge Greenw. (St. John, aber nach Anderen östlicher), so erhält man 49° 16′ östl. Länge Greenw. und 36° 33′ nördl. Breite. Diese Position darf aber zunächst nur als ein [732] ganz allgemeiner Hinweis auf die Lage von A. gelten. Durchmustert man nun auf der Karte die Umgebung derselben, so zeigt sich, dass die Breite, der bei weitem sicherere Teil der Positionsbestimmung, bis auf 7′ mit derjenigen der Stadt Zängân (arabisierte Schreibung und Aussprache Zänǧân), nämlich 36° 39′ 54′′ (nach Lemms astronom. Bestimmung) übereinstimmt, während die Länge von Zängân, 48° 31′ 3′′ O. G. (nach demselben Beobachter), um etwa ¾° hinter der Länge von A. zurückbleibt. Aber dieser Umstand steht der Gleichsetzung von A. und Zängân, falls andere Gründe eine solche empfehlen, durchaus nicht im Wege, denn er erklärt sich teils aus der geringeren Breite des ptolemaeischen Längengrades, teils aus der zu hohen Verwertung der den Längen des Ptolemaeus zu Grunde liegenden Distanzangaben. In der That spricht vieles für die Identität von A. und Zängân, zunächst die einander sehr nahe kommende Breite beider Orte, dann die Lage von Zängân, die es höchst wahrscheinlich macht, dass es in den bei Ptolemaeus verarbeiteten Routieren verzeichnet war, denn es ist eine Hauptstation der von Rhagae (Rai) nach Nordwesten führenden grossen Strasse und liegt gerade an dem Punkte, wo sowohl die von Hämädân-Ekbatana nach Norden laufende, als auch die von Ganzaka (jetzt Takht i Suleimân), der Hauptstadt von Media Atropatene, nach Osten führende Strasse mit jener zusammentreffen. Überdies ist Zängân zweifellos eine alte Stadt, die für jenen Teil des Landes stets eine gewisse Bedeutung gehabt hat; jetzt ist es die Hauptstadt der kleinen Provinz Khamsäh. Es liegt in einem gut bewässerten Thale, am Zängânâb (Zänǧânâb), einem Zufiusse des Qyzyl Ûzän, des Amardus (s. d.) der Alten. Die arabischen Astronomen Naṣîr elDîn Tûsî und Ulug Beg, (s. Gravius Binae Tabulae Geographicae 18. 50. E. A. Sédillot Prolégomènes des Tables astronomiques d'Oloug Beg, traduction et commentaire 264) geben die Breite der Stadt zu 36° 30′ und die Länge derselben zu 83° 40′, indem sie dieselbe 40′ östlich von Hämädân (Breite 35° 11′, Länge 83°) ansetzen, also nur um 3′ südlicher und 1/3° westlicher als Ptolemaeus sein A. Eine neuere, itinerarische Bestimmung der Länge von Zängân von Schindler (Ztschr. d. Gesellsch. f. Erdkunde XVIII 334) zu 48° 34′ rückt den Ort näher an Hämädân, aber nicht so nahe als die oben erwähnte, jedenfalls genauere Bestimmung von Lemm (48° 31′ 3′′). In Bezug auf Zängân zeigt sich also, dass mit der genaueren Bestimmung der Länge sich eine immer westlichere Lage des Ortes herausgestellt hat, ja sollte sich Schindlers Berechnung der Länge von Hämädân aus Routenaufnahmen zu 48° 56′ (s. Ztschr. d. Gesellsch. f. Erdk. XIV 65) als richtig erweisen, so würde sogar das Längenverhältnis von Hämädân und Zängân ganz umzukehren sein, dann läge dieses westlicher als jenes. Nach alledem kann von vornherein angenommen werden, dass, falls in der Tabelle des Ptolemaeus ein dem jetzigen Zängân entsprechender Ort wirklich verzeichnet ist, derselbe zu weit östlich fixiert sein wird. Ist nun, wie bereits oben ausgesprochen worden, A. dieser Ort, so kann [733] ein Excess in der Längenbestimmung desselben nicht überraschen. Wenn bei dem Astronomen Naṣîr elDîn Tûsî, der in dem etwa 2¼° westlich von Zängân gelegenen Märâghäh beobachtete und jedenfalls über den angrenzenden Teil des Landes gut orientiert war, die Längendifferenz zwischen Hämädân und Zängân 40′ beträgt, dann kann die um 1/3° grössere Differenz bei Ptolemaeus in keiner Weise auffallen und als Einwand gegen die Identificierung von A. und Zängân verwendet werden. Erscheint dieselbe somit nach allem als begründet, so geben die Hss. des Ptolemaeus den Namen des Ortes nicht richtig wieder. Derselbe muss in Wirklichkeit Ἀζανγᾶνα gelautet haben, was im Neupersischen durch lautgesetzlichen Abfall des anlautenden kurzen ă zu Zängân werden musste. Es lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit entscheiden, ob die fehlerhafte Namensform bereits in der Quelle des Ptolemaeus stand, oder ob sie auf die Nachlässigkeit der Abschreiber zurückzuführen ist. Vertauschung von Silbenanlauten findet sich auch sonst bei Ptolemaeus (Beispiele bei Nobbe Priores schedae Ptolemaeeae 16), so der ganz analoge Fall IV 5, 6, wo Γυζίς neben Ζυγίς steht.