RE:Alba Longa

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 13011302
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Alba Longa (Ἄλβα Λόγγα: der Name jedenfalls unlateinisch, vielleicht ligurisch, = die Bergstadt? s. Helbig Italiker in der Poebene 31), die älteste latinische Stadt, nach der Sage von Ascanius erbaut (Liv. I 3. Varro de r. r. II 4. Dionys. I 66. Verg. Aen. I 274. V 596ff. VI 766. VIII 43. Strab. V 371. Steph. Byz. u. a., s. Bormann Altlatin. Chorographie 151). Die Lage beschreibt Dionysius a. O.: πρὸς ὄρει καὶ λίμνῃ κατεσκευάσθη τὸ μέσον ἐπέχουσα ἀμφοῖν, καὶ ἦν ὥσπερ τείχη τῆς πόλεως ταῦτα δυσάλωτον αὐτὴν ποιοῦντα. Liv. I 3: ab situ porrectae in dorso urbis Alba longa appellata; vgl. Varro de l. l. V 144. Der Ausdruck des Dionysius hat viele Neuere (so noch Mommsen R. G. I⁸ 38) bestimmt, die Stelle von A. dort anzunehmen, wo der See am nächsten an den Monte Cavo herantritt, nämlich auf der zum Teil im Altertum künstlich abgeschrofften Terrasse, welche sich oberhalb des Klosters Palazzuolo ausdehnt (s. Karte unten S. 1309). Dagegen spricht die Beschaffenheit des Terrains, welches für eine antike Stadtanlage wenig geeignet ist: nur gegen Westen, nach dem See selbst zu, dient der schroffe Absturz als natürliches Bollwerk, während nach Süden und Osten, wo der im Rücken der Stadt teils allmählich, teils in Stufen ansteigende Berg eher eine Gefahr als eine Deckung bildet, grosse künstliche Werke erforderlich wären. Auch Dionys selbst hat sich die Lage der Stadt anders vorgestellt, wenn er im folgenden die Bewässerung der vor der Stadt gelegenen Ebene durch Schleusen als einen Vorzug der Lage von A. hervorhebt (τό τε γὰρ ὄρος ἐν τοῖς πάνυ ὀχυρόν τε καὶ ὑψηλόν ἐστιν, ἥ τε λίμνη βαθεῖα καὶ μεγάλη, καὶ αὐτὴν διὰ κλεισιάδων ἀνοιγομένων ὑποδέχεται τὸ πεδίον, ταμιευομένων ὁπόσα βούλονται τῶν ἀνθρώπων τὸ ὕδωρ. ὑπόκειται δὲ τῇ πόλει πεδία θαυμαστὰ μὲν ἰδεῖν, πλούσια δὲ καὶ καρποὺς ἐξενεγκεῖν παντοδαπούς etc.), und der Ausdruck dorsum bei Livius wäre für die Terrasse oberhalb Palazzuolo durchaus unzutreffend. Schon Gell (Topography of Rome I 17ff.) hat deshalb mit Recht A. Longa auf der Nordostseite des Sees gesucht. Das dreieckige Hügelplateau zwischen dem See und der Aqua Ferentina, welches nur nach Osten zu künstlicher Verteidigungswerke bedarf, entspricht [1302] der Beschreibung des Dionys und Livius, ist auch vom fortificatorischen Gesichtspunkt aus für eine Stadtanlage von der Grösse A.s geeignet. Ob freilich die von Gell (a. a. O. S. 18) beschriebenen Reste (Peperinmauern und Rest einer Säule) der uralten Metropole von Latium angehören, ist zweifelhaft. Dagegen ist seine Hypothese bestätigt durch die neueren Forschungen über die grosse Nekropole am Nordrand des Sees zwischen dem Monte Crescenzo und Castel Gandolfo. Schon 1817 waren dort, angeblich unter einer vulkanischen Schicht, einige Hüttenurnen gefunden worden, doch bei dem Mangel verwandter Monumente eine richtige Beurteilung nicht möglich: neuerdings hat besonders M. St. de Rossi (Ann. d. Inst. 1867, 36ff.) sich um die Erforschung Verdienste erworben. Es ist festgestellt, dass die Nekropole sich von Norden, also dem der Stadt nächsten Punkte aus, nach Süden zu entwickelt hat. Spuren einer primitiven Ansiedelung sind in dem Thale der Aqua Ferentina unterhalb des Nordrandes von A. nachgewiesen. Die Funde zeigen eine Kultur, die den terremare der Poebene ziemlich entspricht, doch im Metallgebrauch weiter fortgeschritten ist (Helbig Italiker in der Poebene 51. 82ff., wo auch die Litteratur über die albanische Nekropole gegeben ist). Die Zerstörung von A. setzt die Tradition unter Tullus Hostilius (Liv. I 28. Dion. Hal. III 31. Strab. V 231. Serv. Aen. II 113 u. a.): die Einwohner wurden nach Rom auf den Mons Caelius übergesiedelt, die Stadt selbst nie wieder aufgebaut (Dionys. III 31). Spätere Erwähnungen (Liv. VII 39: sub iugo Albae Longae. VII 24: die Gallier flüchten nach der arx Albana) beweisen nichts für das Fortbestehen der Stadt als solcher. Die sacra (besonders der Gentilkult der Iulii, CIL XIV 2387) wurden nach dem nahen Bovillae übertragen, dessen Einwohner sich in der Kaiserzeit als Albani Longani Bovillenses bezeichnen (CIL XIV 2405. 2406. 2409. 2411). Wo dagegen die pontifices Albani (CIL VI 2168. 2161? IX 1595. XIV 2264), salii arcis Albanae (CIL XIV 2947 aus der Zeit des Commodus; salius Albanus CIL VI 2170. 2171) und die virgines Vestales arcis Albanae (CIL VI 2172, einfach virgines Vestales Albanae bei Ascon. p. 35 K.-S.) fungierten, ist ungewiss. Für ein Fortbestehen der Kulte noch Ende des 4. Jhdts. zeugt Symmachus epist. IX 147. 148 (apud Albam Vestalis antistes). Vgl. Gell Topograghy of Rome I 16–29. Abeken Mittelitalien 65. Nibby Dintorni di Roma I 59–77. Dessau CIL XIV p. 216. 231.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 5051
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S. 1301, 23 zum Art. Alba Longa:

Th. Ashby (Journal of Philology XXVII 1899, 37–50) erörtert die Frage nach der Lage von A. und entscheidet sich für den Südwestrand des Sees, beim modernen Castel Gandolfo (so schon Holsten z. Cluver 902. Tomassetti Campagna romana I 587). An der von Gell bezeichneten Stelle (Coste Caselle) seien weder Befestigungsreste noch Scherben oder dgl. zu finden; auch die enge Verbindung von A. mit Bovillae, die Angaben über die Villa des Clodius u. s. w. [51] sprächen mehr für den West- als den Ostrand. Freilich muss dann die Angabe des Dionys. I 66: πρὸς ὄρει καὶ λίμνῃ κατεσκευάσθη τὸ μέσον ἐπέχουσα ἀμφοῖν für irrig erklärt werden, was bedenklich ist. Über die Ausgrabungen in den Nekropolen bei Castel Gandolfo s. jetzt Pinza Bull. com. 1900, 147–219 (wo weitere Litteraturangaben). 362–369 (Grottaferrata). Colini und Mengarelli Not. d. scavi 1902, 114. 135–198 (Grottaferrata). Die ältere Litteratur bei Mau Katalog d. röm. Inst.-Bibl. I 93f. 428.