RE:Allobroges

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 1587–1588
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Allobroges (Sing. Allobrox Hor. epod. 16, 6; Accus. Allobroga Iuv. VII 214; der Nomin. Allobrogae Schol. Iuv. VIII 234; bei den Griechen meist Ἀλλόβριγες, seltener Ἀλλόβρογες, ersteres aber nicht richtig, vgl. Glück Kelt. Namen 26f. Polyb. III 49ff. Strab. IV 185. Ptol. II 10, 7. Plut. Cic. 18. Dio XXXVII 47. Steph. Byz. s. Ἀλλόβρυγες u. a.; Alobriges Geogr. Rav. IV 26), mächtiges und zahlreiches Volk im Norden von Gallia Narbonensis, schon zu Hannibals Zeit berühmt (Liv. XXI 31, 5). Sie bewohnten ein ausgedehntes Gebiet zwischen Rhodanus, Isara (daher die insula oder νῆσος bei den Schriftstellern Liv. XXI 31. Polyb. a. O. Strab. a. O.), den Alpes Graiae und dem Lacus Lemanus (vgl. CIL XII p. 217f. 305), also das heutige Savoyen und die Dauphiné, ein fruchtbares, weinberühmtes (Colum. XII 23. Mart. XIII 107) Land. Ihre Hauptstadt Vienna (Caes. b. G. VII 9. Mela II 75) war neben Lugudunum die bedeutendste Stadt Südgalliens in der Kaiserzeit; ihre nördlichste Grenzstadt das wichtige Genava (Caes. b. G. I 6), im Süden lag Cularo (später Gratianopolis). Wer vor ihnen dieses Land bewohnte, wissen wir nicht; ihr Name, der alienigenae bedeutet (Schol. Iuv. VIII 234. Zeuss Gramm. Celt.² 207. Glück a. O. 26. Desjardins Géogr. de la Gaule II 234), scheint anzudeuten, dass sie die ursprüngliche Bevölkerung verdrängt haben. In der Geschichte erscheint ihr Name zuerst beim Zuge des Hannibal, [1588] der ihr Gebiet passieren musste (Polyb. a. O. Liv. a. O.). Gegen die Römer wehrten sie sich vergeblich, sie wurden von Cn. Domitius Ahenobarbus und Q. Fabius Maximus (121 v. Chr.) unterworfen, welch letzterer den Ehrennamen Allobrogicus erhielt (Vellei. II 10. 39; vgl. CIL I p. 178. 460. Desjardins Géogr. de la Gaule II 280). Als sie 60 Jahre später eine Empörung versuchten, stellte der Praetor C. Pomptinus die Ruhe wieder her (Cic. de prov. cons. 32. Liv. epit. 103. Dio XXXVII 47. XXXIX 65); Caesar nennt sie daher nuper pacati b. G. I 6. Von den Helvetiern bedrängt, suchten sie Schutz bei Caesar (b. G. I 11), und in der Folgezeit scheinen sie sich ruhig verhalten zu haben, wenn sie auch gelegentlich Lust bezeigen mochten, ihre Unabhängigkeit wiederzugewinnen (vgl. Caes. b. G. VII 64. 65, das Verhalten ihrer Gesandten bei der catilinarischen Verschwörung, Sall. Cat. 40 und den infidelis Allobrox bei Hor. epod. 16, 6). Zur Geschichte und Topographie vgl. Kiepert Alte Geogr. § 439. Herzog Gall. Narb. 45. 66ff. 146. Desjardins Géogr. II 235ff. 273. 277ff. u. besonders Hirschfeld CIL XII p. 217ff. Die Zeugnisse vollständig gesammelt bei Holder Altcelt. Sprachschatz I 96ff.

[Ihm.]