RE:Anaxandrides 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 20782079
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Anaxandrides. 1) Sohn des Anaxandros (wenn der Vatersname nicht eine billige Fiction ist). Ῥόδιος ἐκ Καμίρου (diese Worte auch bei Athen. IX 374 b aus gleicher Quelle), κατὰ δέ τινας Κολοφώνιος (Suid.). Seine äussere Erscheinung schildert Chamaileon bei Athen. a. O. ἦν δὲ τὴν ὄψιν καλὸς καὶ μέγας καὶ κόμην ἔτρεφε καὶ ἐφόρει ἁλουργίδα καὶ κράσπεδα χρυσᾶ. Seine Zeit ist in doppelter Angabe bezeugt, Marm. Parium ep. 70 (Z. 82) ἀφ’ οὗ Ἀναξανδρίδης ὁ κωμ[… ἐνίκησεν? Ἀθήνησιν ἔτη ΗΔΙΙΙ ἄρχοντος] Ἀθήνησι Καλλέου, d. i. Ol. 100, 4. Darnach ist Suidas zu beurteilen: γεγονὼς ἐν τοῖς ἀγῶσι Φιλίππου τοῦ Μακεδόνος, ὀλυμπιάδι ραʹ. Hier sind zwei Angaben zusammengeworfen, erstlich das Factum vom J. 376 (Ol. 101 Epoche auch für Araros und Eubulos), zweitens die Teilnahme an Philipps Feier der pierischen Olympien nach der Einnahme von Olynth (348); vgl. Schäfer Demosthenes II² 154. Mehr chronologisches Material giebt die leider nur zum Teil erhaltene römische Inschrift IGI 1098, in der ursprünglich alle Preise des A. (aber nicht seine allein) aufgezählt waren; erhalten sind nur die zweiten (auch diese nur zum Teil), dritten und vierten Preise, die A. an den Dionysien oder Lenaeen davongetragen hat; genannt sind die Archonten der Jahre Ol. 99, 2 bis Ol. 107, 3 (382–349). Den ersten Preis hat er (Suid.) zehnmal erworben, dreimal an den grossen Dionysien (CIA II 977), siebenmal also an den Lenaeen. Das ist gar nicht wenig auf 65 Dramen, die A. nach Suidas Angabe geschrieben hat. Ein Drama (Ἄγ[ροικοι] oder Ἀγ[χίσης] hat A. im J. 349 διὰ Ἀναξίππου aufführen lassen (Inschrift Z. 9), [2079] das wir nicht kennen. Als Veranlassung, weshalb er nicht selbst die Aufführung besorgte, lässt sich mancherlei denken. In Athen ist er auch mit einem Dithyrambos aufgetreten (διδάσκων ποτὲ διθύραμβον Ἀθήνησιν εἰσῆλθεν ἐφ’ ἵππου καὶ ἀπήγγειλέν τι τῶν ἐκ τοῦ ᾄσματος Chamaileon a. O.). Heute sind noch 42 Titel nachweisbar (4 sonst unbekannte auf der römischen Inschrift), darunter 15 mythologische, Ἀγχίσης Ἀχιλλεύς Ἑλένη Πάνδαρος Πρωτεσίλαος Ὀδυσσεύς Θησεύς Ἐρεχθεύς (Ol. 99, 2) Τηρεύς Ἡρακλῆς Λυκοῦργος Διονύσου γοναί Ἀντέρως (nicht Ἀντερῶν) Νηρῇδες Ἰώ. Inhalt und Handlung ist nirgends zu erraten. Typen des Lebens bezeichnen die Titel Ἄγροικοι Ζωγράφοι Κιθαρίστρια Κυνηγέται Ὁπλομάχος Φαρμακόμαντις (aufgeführt wahrscheinlich Ol. 103, 4) und wohl auch Νηρεύς (der Koch); Charaktertypen Αἰσχρά (wenn nicht Αἴσχρα Personenname ist) Δίδυμος Εὐσεβεῖς Κανηφόρος Φιαληφόρος, unsicher ist Μαι[νόμενος] auf der Inschrift. Einen Nationaltypus behandelten wohl nur die Θετταλοί, vielleicht noch die Λοκρίδες, wogegen unter der Ἀμπρακιῶτις und Σαμία einzelne aus ihrer Heimat verschlagene Personen zu verstehen sein werden. Nach Personen benannt sind der Σώσιππος und der Σατυρίας, vielleicht auch Κέρκιον (Hetaerenname? ἐν Κερκίῳ Athen. III 106 a). Travestierung oder Parodierung der Tragödie scheint die Κωμῳδοτραγῳδία (derselbe Titel schon bei Deinolochos und Alkaios). Zu bemerken sind noch die Titel Γεροντομανία (vgl. Amphis Γυναικομανία) und Πόλεις, ein Stück, das nicht nur den Namen mit dem eupolideischen Drama gemein gehabt haben wird; das einzige Fragment (39K.) enthält die Gründe eines Atheners, weshalb er mit dem durch Sitte und Religion von ihm geschiedenen Ägypter kein Bündnis schliessen könne. A. galt als der älteste Vertreter der mittleren Komödie, darum wird von ihm gesagt, was offenbar aus alter Quelle Suidas bemerkt: πρῶτος οὗτος ἔρωτας καὶ παρθένων φθορὰς εἰσήγαγεν. Natürlich hat die ganze mittlere Komödie dergleichen Stoffe behandelt. Von allen Dichtern der μέση ist A. der einzige, den Aristoteles citiert, und zwar an mehreren Stellen der Ethik und Rhetorik, gewiss ein Zeichen der Wertschätzung des Dichters. Die Bruchstücke sind nicht ausgiebig genug, um unsererseits das Urteil des Aristoteles zu begründen. Chamaileon (a. O.) erzählt, A. sei heftigen Charakters gewesen und habe alle die Stücke, mit denen er nicht siegte, verbrannt, nicht etwa, wie andere es thaten, sie umgearbeitet: καὶ πολλὰ ἔχοντα κομψῶς τῶν δραμάτων ἠφάνιζε, δυσκολαίνων τοῖς θεαταῖς διὰ τὸ γῆρας. In den letzten Worten liegt schon die Einschränkung der allzustarken allgemeinen Behauptung; er mag es einmal oder auch einigemal so gemacht haben. Athenaeus ist gut genug, den Chamaileon beim Worte zu nehmen und sich zu wundern, dass der Tereus und andere Stücke, die doch nicht den ersten Preis bekommen hätten, erhalten blieben. Meineke hist. crit. 367. Fragmente bei Meineke III 161. Kock II 135.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 78
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S. 2078, 63f. zum Art. Anaxandrides Nr. 1:

Anstatt ‚grossen Dionysien‘ ist ‚Lenaeen‘ und anstatt ‚Lenaeen‘ vielmehr ‚Dionysien‘ zu lesen (s. Zusatz zu Art. Alexis Nr. 9 in diesem Suppl.). Das Marmor Parium verzeichnet den ersten Sieg an den Dionysien. Vgl. Capps Americ. Journ. of Philol. XXI (1900) 38ff.