RE:Antidoros 7

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 120–121
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7) Philosoph unbekannter Richtung, der im Zeitalter Epikurs lebte. Er ist deutlich erkennbar als dessen Gegner. Epikur belegte ihn mit einem Scheltnamen (Diog. Laert. X 8 in einer Liste von Schmähworten gegen andere Philosophen): καὶ Ἀντίδωρον Σαννίδωρον (sic. Codd.; Σαινίδωρον Hadrianus Iunius und danach die Vulgata; vgl. zum Charakter dieses Namens das Material bei F. Bechtel Die einstämmigen männlichen Personennamen des Griechischen, die aus Spitznamen hervorgegangen sind [Abh. d. Gött. Ges. d. Wiss., philol.-hist. Kl. N. F. II 5, 1898] S. 66 und dazu Kratin. frg. 337 K.: σάννας = μωρός). Auf Grund dieses Zeugnisses hat H. Usener Epicurea 1887, 400 s. Ἀντίδωρος die bei Diog. Laert. X 26 (= Epicurea ed. Usener p. 86, 26) erwähnte zweibändige Schrift Ἀντίδωρος α β als ein gegen den im Titel bezeichneten Mann gerichtetes Werk erkannt, der nach Plut. adv. Coloten 32 p. 1126a (= Epicurea p. 92, 15ff.) auch von dem Epikurschüler Kolotes bekämpft wurde. Auf zwei Stellen in herculanensischen Papyri, in denen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit der Name A. ergänzt ist, hat dann W. Crönert Kolotes und Menedemos (Studien z. Paläogr. u. Papyruskde., herausg. von C. Wessely 6) 1906, 19. 177 (zu 25. 1) hingewiesen. Daneben tritt als literarischer Gegner des Herakleides Pontikos ein Epikureer auf, genannt Diog. Laert. V 86 ἀλλὰ καὶ Αὐτόδωρος (Ἀντόδωρος BP) ὁ Ἐπικούρειος ἐπιτιμᾷ αὐτῷ τοῖς περὶ δικαιοσύνης ἀντιλέγων. Man wird Menagius’ Änderung der in der Überlieferung erscheinenden Namensformen, von denen keine mit sicheren Zeugnissen belegt werden kann und überdies Αὐτόδωρος bei Fick-Bechtel Griech. Personennamen² 1894, 76 mit Skepsis betrachtet wird, in Ἀντίδωρος beipflichten müssen, ist aber gezwungen, Crönerts Schluß, der beide Vertreter dieses Namens identifiziert und diesem von ihm erschlossenen Philosophen einen Entwicklungsgang vindiziert, welcher ihn aus einem Anhänger und Schüler Epikurs zu einem Gegner des attischen Philosophen machte, als Hypothese zu bezeichnen, die vielleicht einmal eine Bestätigung aus künftig zu erschließenden herculanensischen Rollen erfährt. Zum Namen Ἀντίδωρος selbst sei noch bemerkt, daß er, wie Ἀντιδωρίδης, im 5., 4. und beginnenden 3. Jhdt. in einer ziemlich reichlichen Anzahl von epigraphischen Belegen [121] nur aus Attika bezeugt erscheint (vgl. Kirchner Prosopogr. Att. I 1901, 74f.). Vgl. Crönert a. a. O. 24–26 u. pass.