RE:Antonius 62

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 2631–2632
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62) M. Antonius Gordianus Sempronianus Romanus Africanus (II.) der Sohn, römischer Kaiser im J. 238 n. Chr., zugleich mit seinem gleichnamigen Vater (Nr. 61).

I. Quellen. Gordians (II.) Lebensbeschreibung in den Scriptores historiae Augustae (Gordiani tres cap. 17–21), angeblich verfasst von Iulius Capitolinus, geht hauptsächlich auf Iunius Cordus zurück. Die Inschriften und Münzen lassen sich von denen des Vaters bei der Gleichnamigkeit nicht immer sicher unterscheiden. Von Inschriften bezieht sich sicher auf ihn eine neugefundene griechische Inschrift aus Perge in Pamphylien (Lanckoronski Städte Pamphyliens und Pisidiens I, Wien 1890, 168 nr. 38: Αὐτοκράτορα Καίσαρα Μ. Ἀνὐτώνιον Γορδιανὸν Σεμπρωνιανὸν [Ῥ]ωμανὸν Ἀφρι[κ]ανὸν υἱὸν [Ε]ὐσεβῆ Εὐτυχῆ Σεβαστὸν σωτ[ῆρα] τῆς οἰκουμέν[ῆς] ἡ γερουσία), die zugleich mit der Inschrift zu Ehren seines Vaters (a. a. O. nr. 37), sowie seines Neffen Gordians III. (Le Bas 1372) im J. 242 gesetzt zu sein scheint. Die Münzen Gordians (II.) bei Eckhel VII 299-304. Cohen V² 5–7 nr. 1–15. Mionnet VI 404f. nr. 2877–2881. v. Sallet Ztschr. f. Numism. VII 1880, 140. Ausserdem vgl. die Quellen unter Nr. 61 I und die neuere Litteratur unter Nr. 60 Ie.

II. Leben vor der Thronbesteigung.

Gordian der Jüngere war ein Sohn des älteren Gordian (Nr. 61) und der Fabia Orestilla (Gord. 17, 4. 4, 2; vgl. den Stammbaum o. S. 2619f.), Bruder der Maecia Faustina, der Mutter des dritten Gordian (Gord. 4, 2; vgl. o. Nr. 60 II). Da er bei seinem Tode im J. 238 n. Chr. 46 Jahre alt war (Gord. 15, 2), so ist er um das J. 192 geboren. Er war ein Schüler des jüngeren Sammonicus Serenus (Gord. 18, 2). Unter Elagabal (218–222) wurde er Quaestor, unter Severus Alexander (222–235) Praetor urbanus und bald darauf (statim) Consul (Gord. 18, 4–5). Da sein Vater mit Alexander zusammen zum zweiten Mal das Consulat bekleidet haben soll (Gord. 2, 4. 4, 2) und dieses zweite Consulat durch die Münzen widerlegt wird, so liegt es nahe, eine Verwechselung beider Gordiane anzunehmen, so dass nicht der Vater, sondern der Sohn mit Alexander im J. 226 oder 229 als suffectus das Consulat verwaltet hätte. Trotz seines consularischen Ranges folgte er seinem zum Proconsul ernannten Vater als Legat nach Africa (wahrscheinlich zwischen 230 und 235, vgl. Gord. 18, 6. 7, 2. 9, 6. 11, 4. 15, 2). Wie sein Vater, soll auch er einiges in Prosa und in Versen geschrieben haben (Gord. 20, 6). Eine Gattin soll er verschmäht (Gord. 19, 9), dafür aber sich 22 erklärte Concubinen gehalten haben (Gord. 19, 3). Vgl. überhaupt über seinen lockeren Charakter und sein üppiges Leben Gord. 18, 4. 19, 1–8. 20, 6. 21, 1–4.

III. Regierungszeit.

Im J. 238 n. Chr. wurde Gordian (II.) zugleich mit seinem Vater (Nr. 61) in Africa zum Augustus ausgerufen (Gord. 8, 4. 9, 5–6; Max. 14. 3. Zosim. I 14) und vom Senate anerkannt (Herod. VII 7, 2. Max. 14, 5; Gord. 11, 4–10. 16, 2). Sein Name lautete genau so wie der seines Vaters (vgl. die unter I angeführte Inschrift und [2632] o. Nr. 61 III b); selbst die Titel scheinen völlig übereinzustimmen, obwohl es fraglich erscheint, ob der bis zu dieser Zeit nur einem einzigen Kaiser reservierte Titel pontifex maximus auch von dem Sohne geführt worden ist (Cohen V² 6 nr. 4; vgl. Eckhel VII 299–304. Mommsen St.-R. II³ 1108). Nach einer kurzen Regierung von 20–22 Tagen (Februar bis März 238, vgl. o. Nr. (60 II und Nr. 61 III c) fiel Gordian (II.) im Kampfe gegen Capellianus und wurde wie sein Vater unter die divi aufgenommen (Herod. VII 9. Gord. 15–16; Max. 19, 2; Max.-Balb. 4, 1–3. Inschriften Gordians III.). Missverständnis des Zosimus (I 16) ist es, wenn er Gordian (II.) in einem Sturm auf der Fahrt nach Rom umkommen lässt; denn dass er ebenso wie sein Vater in Africa umkam, steht auch durch den Chronographen von 354 fest.