RE:Aretaios

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 669–670
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Aretaios (Ἀρεταῖος) aus Kappadokien, griechischer Arzt, lebte nach Archigenes und vor Alexander Aphrodisiensis, der ihn zuerst citiert (Ideler Phys. et med. gr. minores I 92. 97. 105), d. h. in der zweiten Hälfte des 2. Jhdts., war also ein Zeitgenosse des Galen. Für diese Zeit, in welcher die archaistische Richtung in der griechischen Litteratur blühte, spricht auch der Umstand, dass er in Imitation des Hippokrates ionisch schreibt. Wir besitzen von ihm noch zwei Schriften, vier Bücher περὶ αἰτιῶν καὶ σημείων ὀξέων καὶ χρονίων παθῶν und ebenso viele περὶ θεραπείας ὀξέων καὶ χρονίων παθῶν, beide in lückenhafter Gestalt, namentlich die erstere zu Anfang und die letztere in der Therapie der chronischen Krankheiten. Seine Bedeutung wird im allgemeinen überschätzt; er ist kein selbständiger Arzt, und sein Verdienst besteht darin, dass er einen der hervorragendsten Ärzte des Altertums, den Archigenes, seinem Werke zu Grunde legte. Er gehörte wie sein grosser Vorgänger der eklektischen Schule an, ohne die Lehren des pneumatischen Systems zu vernachlässigen (vgl. Sprengel Gesch. d. Med. II 114f.). Ausserdem schrieb er περὶ πυρετῶν (Aret. ed. Kühn 185), περὶ γυναικείων (209), περὶ φυλακτικῶν (Alex. Aphrod. a. a. O., vgl. 99, 14), χειρουργίαι (Aret. 295) und über Pharmakologie (213. 254). Seine Krankheitsbilder sind lebhaft und naturgetreu und bestehen aus folgenden Teilen: Beschreibung des leidenden Orts mit genauen anatomischen Mitteilungen, Erklärung des Namens, Angabe der Symptome der Krankheiten und ihrer Veranlassung mit beständiger Berücksichtigung der Disposition der einzelnen Lebensalter und Geschlechter zu denselben und der Jahreszeiten. In der Therapie bedient er [670] sich möglichst einfacher Mittel; als Abführmittel spielt die Hiera des Archigenes eine grosse Rolle, häufig wandte er den Aderlass und Schröpfköpfe an, seltener heroische Kuren wie Incisionen in die Kopfhaut, Arteriotomie und Trepanation. Grosse Aufmerksamkeit widmete er der Diät und Lebensweise. Vgl. Sprengel Gesch. der Arzneikunde II 113f. Fabricius Bibl. gr. IV 703f. Puschmann Alex. v. Trall. I 53. Die beste Ausgabe von F. Ermerins A. Capp. quae supersunt rec. et illustr. nebst Proleg., Utrecht 1847. Älteste Ausgabe des griechischen Textes Paris 1554 (apud Turnebum) nebst lateinischer Übersetzung v. G. Henisch (Augsburg 1603). J. Wigan (Oxford 1723), dessen treffliche Annotationes und Index graecus in Aretaeum bei C. G. Kühn (Lips. 1828) Bd. II 728ff. 795ff. H. Boërhaave (Leyden 1731). Dazu Aretaeus des Kappadokiers auf uns gekommene Schriften, aus dem Griechischen übersetzt von A. Mann, Halle 1858, und die Abhandlungen von C. G. Kühn De dubia Aretaei aetate constituenda, Lips. 1779 = Opusc. acad. (Lips. 1827) I 13ff. P. H. Suringar De A. medico diagnostico summo, Lugd. Bat. 1837. H. Locher A. aus Cappadocien, Zürich 1857.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 125
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S. 670, 21 zum Art. Aretaios:

The extant works of Aretaeus the Cappadocian. Edited and translated by Francis Adams. London, printed for the Sydenham Society.