RE:Aristodemos 7

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 921–922
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7) Messenier zur Zeit des ersten messenischen Krieges, aus dem Königsgeschlechte der Aipytiden. Als im Verlaufe des Krieges (nach 738 v. Chr., Paus. IV 7. 7) den Messeniern durch ein Orakel aufgegeben ward, den Unterirdischen eine reine Jungfrau zu opfern und die durch das Los bestimmte Tochter des Lykiskos vom Seher zurückgewiesen ward, soll A. freiwillig seine Tochter angeboten haben. Da ihr Verlobter sich dem Opfer widersetzte und behauptete, sie sei von ihm schwanger, so tötete sie A., öffnete ihren Schoss und erwies die Unwahrheit dieser Behauptung. [922] So erzählt Pausanias IV 9, 6f.; es scheint jedoch, dass Diodor frg. VIII 8, der ebenfalls das Orakel erwähnt, von A.s That nichts weiss. Als der Krieg 13 Jahre gedauert hatte, fiel der König Euphaës in einer Schlacht, und nun wählten die Messenier den A., dem sie vor anderen Bewerbern den Vorzug gaben, zum König (731 v. Chr.). Er erfocht bei Ithome einen Sieg über die Lakedaimonier (726 v. Chr., Paus. IV 11). Als im 20. Jahre des Krieges die schlimmen Vorzeichen sich häuften, verzweifelte A. an der Sache seines Volks und gab sich im 7. Jahre seiner Herrschaft auf dem Grabe seiner Tochter den Tod (724 v. Chr.). Bald darnach wurde Ithome von den Verteidigern verlassen, Paus. IV 13,4f. Plut. de superstit. 8. A. gehört ganz der historischen Dichtung an, die wahrscheinlich erst nach der Wiederherstellung Messenes (370/69 v. Chr.) entstanden ist, wie vornehmlich dadurch bewiesen wird, dass er einen durchaus spartanischen Namen führt. Zuerst hat ihn Myron von Priene (etwa im 3. Jhdt. v. Chr.) erwähnt (Paus. IV 6, 2f.); was dann Pausanias von ihm erzählt, ist noch viel jüngeren Ursprunges. Vgl. Grote History of Greece II 421 (cap. 7). Duncker Gesch. d. Altert. (3.–5. Aufl.) V 417f. Hertzberg Gesch. des messen. Krieges 48f. Niese Hermes XXVI 16. 23f.