RE:Artemisia 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 1441
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2) Ἀρτεμισία, Tochter des Lygdamis von Halikarnassos, mütterlicherseits kretischer Abkunft – der Scholiast z. Aristoph. Lys. 675 nennt sie fälschlich eine Ephesierin –, übernahm nach dem Tode ihres Gatten (der Name ist nicht bekannt; die Angabe des Suidas s. Πίγρης, dass er Maussollos geheissen habe, ist sehr verdächtig und beruht wohl auf einer Verwechslung mit der zweiten A.) für ihren kleinen Sohn Pisindelis vor 480 v. Chr. die Herrschaft über Halikarnassos, Kos, Nisyros, Kalydna und beteiligte sich 480 mit fünf Schiffen an dem Feldzuge des Xerxes gegen Griechenland (Herod. VII 99. Aristoph. Lys. 675 m. Schol. Paus. III 11, 3. Iust. II 12, 23. Harpokr. Suid.). Herodot rühmt wohl mit Recht ihre Entschlossenheit und Klugheit und ihren Einfluss beim Grosskönig, im einzelnen ist allerdings an ihren Thaten manches anekdotenhaft ausgeschmückt, wenn nicht erfunden. A. machte die Kämpfe bei Euboia mit; von der Schlacht bei Salamis riet sie ab (Herod. VIII 68f. Plut. de Herod. malign. 38), nahm aber dann auch daran teil und entging geschickt der Verfolgung der Athener, die einen Preis von 10 000 Drachmen auf ihre Gefangennahme gesetzt hatten (Herod. VIII 87f. 93. Plut. Them. 14, 3. Polyaen. VIII 53, 1–3. 5). Nach der Schlacht bestimmte sie Xerxes zur Heimkehr; sie selbst brachte mehrere von des Königs Nebensöhnen nach Ephesos (Herod. VIII 101–104. Plut. de Herod. malign. 38). Ihr ferneres Schicksal ist nicht bekannt. Ganz fabel- und romanhaft ist der von Ptolemaios Chennos bei Phot. cod. 190 p. 153, 35ff. Bkk. erzählte Zug, A. habe sich aus unglücklicher Liebe, nachdem sie dem Geliebten, der sie verschmäht, die Augen ausgestochen, vom leukadischen Felsen gestürzt. Ihr Sohn Pisindelis folgte ihr in der Regierung (Suid. s. Ἡρόδοτος).