RE:Askos a

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 171–173
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Askos (ἀσκός, ὁ). Ursprünglich der aus Ziegen oder Rindsleder (Hom. Od. X 19) verfertigte Schlauch (so stets bei Homer), in dem Wein aufbewahrt wurde. Die Gestalt des Ziegenfelles mit zwei Enden, einem als Öffnung und vier Beinstümpfen, ist auch bei der Herstellung der Schläuche mehr oder minder gewahrt worden.

Der Name ἀ. wurde dann auf Nachbildungen [172] des Schlauches in Ton und Metall übertragen. Auf welche Arten von Gefäßformen die Bezeichnung im Altertume angewendet wurde, läßt sich aus den spärlichen Zeugnissen der Schriftsteller, in denen über die Form nichts gesagt wird, nicht ermitteln. In der modernen Archäologie herrschte eine Zeitlang eine gewisse Unsicherheit im Gebrauche des Namens, indem man verschiedene, der Grundform fernstehende Typen von Vasen ἀσκοί nannte. Demgegenüber hat M. Mayer (Arch. Jahrb. XXII 207ff.), von der Grundform des Schlauches ausgehend, die zu dieser Gattung gehörigen Gefäßtypen untersucht und für die älteste Zeit der griechischen Keramik folgende Gruppen unterschieden (S. 212):

  • A. Ägyptisch? in Mykene, Kypros auch sonst vorkommend: fischförmig.
  • B. Kypros, Kreta, Süditalien (östl. Hälfte): Gedrungene Form, nach Art eines Schwimmvogels, ohne Kopf.
  • C. Kyprisch: Schlanker Vogelkörper mit Rückenröhre.
  • D. Kyprisch-phoinikisch: vierfüßiges Tier (Rind, Hirsch) in den natürlichen Proportionen oder in Vermischung mit B und C.
  • E. Kleinasiatisch-kyprisch: eiförmig, auch zugespitzt, mit Tierkopf oder -gesicht an einem Ende. (Schweins-ἀ.).
  • F. Kykladentypus, auch mykenisch: kugelförmig oder gedrückte Kugel mit kurzem Hals.
  • F¹. Entstellungen mit vornüberfallendem Flaschenhals.
  • F². Andere Entstellungen: schiefe Kanne.
  • F³. Klassisch-griechische Spielarten: kleine Kalotte, auch linsenförmig.
  • G. Troisch-kyprisch: ringförmige und andere Spielformen.
  • H. Troisch-kyprisch: kugelförmig mit zwei bis drei aufrechten Halsröhren.

Für alle diese Arten des ἀ., so verschieden sie scheinbar gestaltet sind, ist charakteristisch die Hauptausdehnung in der Längsachse und die seitliche Öffnung; allerdings tritt bisweilen, so besonders in den Klassen F und G, der Einfluß anderer Gefäßformen zutage (vgl. S. 228).

Nach Mayers Zusammenstellung ergibt sich (S. 284), ,daß der mykenische Anteil an der Gestaltung der ἀσκοί gering oder überhaupt gleich Null ist, daß jedoch den Kypriern ein beträchtlicher Anteil zufällt. Daneben finden sich alte Typen, die nicht von der Insel ihren Ausgangspunkt genommen zu haben brauchen, so die Fischaskoi (A) und die Kugelaskoi (F)‘.

Auch in der späteren Zeit der griechischen Keramik haben sich die alten Formen der ἀσκοί erhalten(vgl. Furtwängler Berl. Vasenkatal. Form 84). Manchmal sind sie mit einem Fuß versehen. Sie sind oft bemalt oder mit plastischem Schmuck verziert. Etwas veränderte Gestalt zeigen prächtige Metallgefäße hellenistischer Zeit (Pompeii, Priene), doch ist auch bei diesen die Grundform, ein etwa zur Hälfte gefüllter Ziegenschlauch, zu erkennen (Pernice Arch. Anz. XV 185. Wiegand-Schrader Priene 386).

Von den ἀσκοί sind die mykenischen Bügelkannen zu trennen, die vielleicht kleinasiatischen Ursprungs sind (Mayer a. a. O. 234).

[173] Für das Vorkommen und die Verwendung der ἀσκοί bietet das meiste Material Süditalien, ungefähr 700—300 v. Chr. Dort erscheint vor dem Eindringen der griechischen Kultur entweder der Schlauch oder die Kanne, selten werden beide Formen gleichzeitig benutzt. Vor der Kanne hat der ἀ. den Vorzug, ,daß er, wenn man ihn zum Schöpfen des Wassers an einem Strick in die Quelle oder den Brunnen hinabläßt, sich dort infolge des seitlichen Halses und dessen Übergewicht nach vorne überschlagt, um sich dann von selbst zu füllen‘. Bisweilen findet sich ein besonderer Mechanismus zum Herablassen des Gefäßes am Henkel, eine eckige Öse mit rollenförmig auslaufenden Enden (vgl. Mayer a. a. O. 209 Abb. 2).

Den Gebrauch des ἀ. als Schöpfgefäß bezeugt die Glosse bei Hesych: ἀ. ὑδρία. Außerdem dient er zum Aufbewahren von Wein (Poll. VI 14. X 71) und wird dann gerne den Satyrn als Attribut gegeben; vgl. die großgriechischen Terrakotten Mayer a. a. O. 210. Kekulé von Stradonitz Die antiken Terrakotten, Teil III: F. Winter Die Typen der figürl. Terrak. II 293