RE:Aurelius 75

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 2455–2456
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75) M. Aurelius Carinus = Imp. Caes. M. Aurelius Carinus (Karinus) Aug. (CIL II 4829 u. a. VIII 7002): regiert 283—284. Die Quellen sind in den nachfolgenden Litteraturwerken angegeben, das inschriftliche Material nur vollständig bei Ruggiero, die Münzen bei Cohen VI 363—366. 382—404. 408; die alexandrinischen Kaisermünzen bei v. Sallet Die Daten der alexandrinischen Kaisermünzen 89. Die sehr unzuverlässige Hauptquelle ist die Vita (Hist. Aug. Carus et Carinus), die im folgenden mit blosser Zahlenangabe citiert wird.

Litteratur: Bernhardt Geschichte Roms von Valerian bis zu Diocletians Tode I 256—260. Schiller Geschichte der römischen Kaiserzeit I 884—885. Ruggiero Diz. epigr. II 125.

Bei der Thronbesteigung seines Vaters Carus wurde Carinus nebst seinem jüngeren Bruder Numerian zum Caesar ernannt, daher er auch u. a. princeps iuventutis heisst (CIL II 4103). Da sein Vater nach dem Osten des Reiches ziehen musste, so ernannte er ihn zum Stellvertreter für den Westen (16, 2). So erklärt sich (Mommsen St.-R. II³ 1164) auch die Verbindung von nobilissimus Caesar und princeps iuventutis mit dem Imperator- und Augustustitel (CIL II 3835. 4761 und wohl auch Eph. ep. VIII 758 — bei Ruggiero nicht ganz correct abgedruckt —); vgl. auch v. Sallet a. a. O. In dieser Stellung hat er vielleicht einen Sieg über die Germanen davongetragen, wie aus Cohen 158 hervorzugehen scheint, und sich infolge dessen den Titel Germanicus Maximus zugelegt. Von einer gemeinsam auf Carinus und Numerian geprägten Münze (Schiller 884, 7) weiss Cohen nichts. Gegen die Britannier hat Carinus ebenfalls gekämpft (sein Beiname Britannicus Maximus: CIL XIV 126). Den Ehrennamen Persicus Maximus (CIL XIV 126) verdankt er dem Partherkriege seines Vaters Carus (s. u. Nr. 77).

Das erste Consulat bekleidete Carinus mit seinem Vater gemeinsam — unmöglich doch invito patre (16, 6) — im J. 283, das zweite zusammen mit seinem Bruder im J. 284 (Klein Fast. cons. 112). In Rom veranstaltete er mit grosser Pracht die ludi Romani (19) und feierte auch den Sarmatensieg seines Vaters (s. u. Nr. 77) durch Spiele (19, 3). Calpurnius Siculus ecl. 7 kann sich jedoch auf diese ludi Romani des Carinus nicht beziehen (Teuffel Gesch. d. Rom. Litt.⁵ 749, 2). Von Hungersnot und Brandunglück in Rom während seiner Regierung berichtet [2456] der Chronograph vom J. 354 (Mommsen Chron. min. I 148), von einem Brande auch der Biograph (19, 2).

Sein amtliches sowie sein privates Leben war durchaus anstössig; eine Liste seiner Vergehen und Ausschweifungen bietet die Lebensbeschreibung (16—18, 1). Er soll eine ganze Reihe von Gemahlinnen gehabt haben (16, 7); uns ist nur Magnia Urbica mit Namen bekannt (CIL II 3394. VIII 2384. Cohen 405—408). Augenscheinlich ist der divus Nigrinianus (Röm. Mitt. IV 249 = Dessau Inscr. lat. select. 611. Cohen 409. 410) sein Sohn (von der Magnia Urbica?: Cohen 409 Anm.). Die Nachricht des Malalas (XII 305) von einem Verbot des Carinus, die Christen zu belästigen, will schlecht zu seinem sonstigen Auftreten passen.

Aus seiner Ruhe in Rom scheuchte ihn die Nachricht von der Ermordung seines Bruders und Mitregenten und von der Erhebung des Diocletian auf. Er verliess mit seinen Truppen Rom, beseitigte unterwegs (ep. de Caes. 38, 6: bei Verona) den Usurpator M. Aurelius Iulianus (Cohen VI 410—411. epit. de Caes. 38, 6 und Zos. I 73 irrtümlich: Sabinus Iulianus; über seine amtliche Stellung s. Mommsen Eph. ep. I p. 140. Mendelssohn zu Zos. a. O.), und stiess in Moesien auf das Heer des Diocletian. In mehreren Kämpfen soll Diocletian dem Carinus unterlegen sein (18, 2); in der für ihn siegreichen Schlacht an der Morawa (Margus) unweit von Viminacium fiel er einer Soldatenverschwörung zum Opfer (Eutr. IX 20, 2). Jahr und Monat des Kampfes s. unter Diocletianus.

Der Versuch, Carinus zu consecrieren, ist naturgemäss gänzlich unterblieben; eradiert ist sein Name auf vielen Inschriften.