RE:Ausonius 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 25622580
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3) Decimus Magnus Ausonius. Über den Namen [2563] Brandes a. a. O. 5ff., über die in der Familie des Dichters üblichen Namen Seeck Symmachus p. CLXXIV; dieselben stehen fest durch die Aufschriften der Hss., z. B. zu Anfang der Mosella. Das Geburtsjahr des A. ist unbekannt, nach dem oben unter Nr. 2 erörterten Ansatz der Eheschliessung der Eltern muss A. etwa ums J. 310 zu Burdigala (ad lect. 7 p. 2) geboren sein. Den Namen Magnus erhielt A. zu Ehren des Bruders seiner Mutter, des Rhetors Aemilius Magnus Arborius, beigelegt, der den Knaben in seine besondere Fürsorge nahm und unter dessen Einfluss A. sich vornehmlich dem Beruf des Rhetors gewidmet hat. Arborius stand dem Dichter unter allen Verwandten am nächsten, wir lernen das Lebensschicksal dieses Mannes vornehmlich aus Par. 5 p. 42 und Prof. 17 p. 66 genau kennen (Brandes a. a. O. 20ff.). Als seine ersten Lehrer in Burdigala nennt A. in den Prof. Macrinus (11, 11 p. 63) für die lateinische, Romulus, Corinthius und Menestheus für die griechische Sprachlehre, in der A. aber wenig Fortschritte machte (9 p. 62); aus der Art wie A. von diesen Lehrern spricht, fühlt der Leser heraus, dass er erst bei Arborius, der stromaufwärts in Tolosa lehrte, einen fruchtbringenden Unterricht genossen hat; altricem nostri Tolosam nennt er die Stadt (Urb. 98 p. 101). Der Aufenthalt in Tolosa brachte zum erstenmal den A. in Berührung mit dem kaiserlichen Hof, da Constantins Brüder sich dort aufhielten (Prof. 17, 10 p. 66). Arborius wurde um 330 nach Constantinopel berufen, A. kehrte nach Burdigala zurück, um im Verkehr und unter der Anleitung der dortigen Lehrer seine rhetorischen Studien weiter fortzusetzen. Die Namen derselben sind uns durch die Prof. erhalten, und der Umstand, dass Hieronymus in seiner Chronik einige derselben verzeichnet, wie Minervius, der auch in Constantinopel und Rom thätig gewesen ist, Alcimus, Delfidius, Patera, beweist, dass dieselben damals zu den illustrissimi gehörten. Er erhielt selbst von der Gemeinde einen Lehrstuhl der Grammatik, später der Rhetorik, war auch wohl als Sachverwalter thätig (ad lect. 17ff.; Par. 25, 6 p. 70). Dreissig Jahre lang lebte A. seinem Berufe und seiner Familie in Burdigala (ad lect. 23). Er vermählte sich mit Attusia Lucana Sabina (Par. 11 p. 46), welche einer vornehmen Familie der Stadt entstammt war (das Stemma derselben in Peipers Ausgabe p. CXVII); der Ehe entsprossen drei Kinder, ein Sohn A., der früh starb (Par. 12 p. 47), ein zweiter Sohn Hesperius und eine Tochter. Die Gattin wurde ihm durch den Tod frühzeitig entrissen (Peiper praef. LXXXXIV). Sein bedeutendster Schüler war damals Paulinus von Burdigala, aus vornehmem Geschlecht entstammt, der spätere Bischof von Nola (epist. 23. 33 p. 186 ego sum tum altor et ille Praeceptor primus und Paulinus carm. X 93 in Peipers Ausgabe des A. p. 296). Grössere Gedichte hat A. während der 30 Jahre seiner Thätigkeit in Burdigala nicht abgefasst, ausgenommen einige unbedeutende Familiengedichte (vgl. u. 31) und Gelegenheitsgedichte, die nicht für die Veröffentlichung bestimmt waren. Durch die Berufung an den Hof des Kaisers nach Trier erhielt diese Lebensperiode des Dichters ihren Abschluss. Das Jahr, in dem A. nach 30jähriger Thätigkeit [2564] in Burdigala an den Hof des Kaisers berufen wurde (ad lect. 25) steht nicht fest. Berufen hat ihn Valentinian I., der 364 Kaiser wurde, zum Erzieher seines Sohnes Gratianus. Da Gratian 359 geboren ist, vor dem sechsten Jahre kaum für den Unterricht reif gewesen sein wird, so muss A. etwa 365, als Paulinus (geboren 353: A. Buse Paulin I 39) 12 Jahre war, nach Trier übergesiedelt sein. Dort lernte er Symmachus kennen (vgl. u. 28), Symmach. I 14, 4. 368 nimmt A. bereits in der cohors des Valentinian an dem Kriegszug gegen die Alamannen teil, aus dem der etwa 60-jährige Witwer als Beuteanteil jene Bissula (A. p. 125 Schenkl) mit nach Hause brachte. Mit seinem vornehmen Gönner wetteiferte er während des Feldzugs in der Abfassung eines unsauberen cento nuptialis (p. 140), den vielleicht besser der bei der Hochzeit übliche altrömische Brauch der procax fescennina iocatio, ausserdem die Nachahmung seines Vorbilds, des Annianus, wenigstens verständlich zu machen vermag, als die Entschuldigungen des Dichters in der Vorrede und dem Nachwort. Zurückgekehrt von dem Feldzug schrieb A., der am kaiserlichen Hofe seine Heimat nicht vergessen konnte, gewiss auch im Auftrag oder auf Anregung des Kaisers hin die Mosella (vgl. u. 36). V. 451ff. zeigen die glänzenden Bedingungen, unter denen der Kaiser den A. in Trier zu halten suchte. Die Lesung der Hss. v. 450 (p. 96) Augustus pater et nati ergiebt, dass dieselbe abgefasst ist nach 371, dem Jahr der Geburt des zweiten Sohnes (Valentinian II.), dessen Erziehung A. gleichfalls übernehmen sollte, vor Valentinians I. Tod, der 375 erfolgte. Etwa 20 Jahre lebte A. hochangesehen am kaiserlichen Hofe. Er unterrichtete den Prinzen, wie üblich, zuerst in der Grammatik, dann in der Rhetorik (ad lect. 26), geehrt von Vater und Sohn, von vielen bewundert und umschmeichelt, gewiss auch beneidet. Noch zu des ersteren Lebzeiten wurde er comes und quaestor sacri palatii (ad lect. 35; Gratiar. act. II § 11 p. 21); in der Zeit 376–380, nach Valentinians I. Tod, bekleiden Angehörige der Familie des A. die höchsten Ehrenstellen des Westreichs (Symmach. ed. Seeck p. LXXVIIII). Sein Sohn Hesperius wurde Proconsul von Africa, bald darauf Praefectus praetorio Italiae Illyrici Africae, sein Schwiegersohn Thalassius Proconsul Africae, sein Vater Praefectus Illyrici, sein Neffe Arborius, der Sohn der Iulia Dryadia, Praefectus urbi (die Zeugnisse in Peipers Ausgabe C–CV), sein Schüler und Freund Paulinus Consul. Den Einfluss des A. auf die Gesetzgebung und Regierung des Gratian erörtert ausführlich Seeck a. a. O. Er selbst wurde 378 Praefectus Galliarum, verwaltete im folgenden Jahre mit seinem Sohne Hesperius zusammen diese Provinz nebst Italien, Illyricum und Africa (Seeck a. a. O.); 379 bekleidete er das Consulat. 383 wurde Gratian ermordet, es folgt die von ihm mit tempus tyrannicum (p. 59, 23. 158, 2) bezeichnete Periode: Maximus hatte den Thron des Westreichs erkämpft, A. war noch in Trier, aber die Sehnsucht nach der Heimat Burdigala, die sich in den Schlussversen der Mosella (449, vgl. 19) klar erkennen lässt, muss den A. bald veranlasst haben, seinem Sohn Hesperius nach Burdigala zu folgen (p. 158, 2). Den Rest [2565] seines Lebens verbrachte A. in Burdigala oder auf seinen in der Nähe gelegenen Gütern, in all der Behaglichkeit, die Wohlstand, Bildung und Ansehen verleihen können. In seiner Gesinnung war er etwas demokratisch geworden: et semper fictae principum amicitiae hat er damals in der zweiten Ausgabe des Epicedion 32 p. 33 schreiben können. Theodosius, der nach Maximus Hinrichtung, 388, alleiniger Kaiser war, bittet den A. in einem ehrenvollen Schreiben um Übersendung seiner Gedichte 1 (p. 1, ebd. die Antwort des A.). Der Dichter lebte jetzt ausschliesslich seinen Studien, seinen Poesien, in stetem Briefwechsel mit gleichgesinnten Freunden, der zumeist politische Form annahm. Erhalten ist aus jener Zeit zum Teil der Briefwechsel mit Paulin. Die Briefe des A., insbesondere aber die ergreifenden Antwortschreiben des Paulin, dem es nach seiner Taufe im J. 389 (Buse a. O. 140. 158) in demselben Masse Ernst mit seinem Christentum gewesen ist, wie durch das Leben und die Schriften des A. ein unverkennbarer Zug religiöser Gleichgültigkeit hindurchgeht, sind Denkmäler allerersten Rangs für die Geschichte der Religion. Über des A. Christentum vgl. u. zu 18. 1. 8. 17. 32. Das Todesjahr, wie das Geburtsjahr des A. sind unbekannt; die festen Punkte für die Chronologie sind der Feldzug gegen die Alamannen und sein Consulat. Dieser Briefwechsel des A. mit Paulin führt auf die Zeit von 390–393 (W. Brandes Jahrb. f. Philol. 1881, 61), bald nach diesem Jahre muss A. gestorben sein. Über das Leben des A. E. Boecking vor seiner Bearbeitung der Mosella, Rhein. Jahrb. VII, in Schenkls Ausgabe p. VIff., in Seecks Symmachus LXXV, in Peipers Ausgabe Fasti Ausoniani LXXXXff., in Hosius Ausgabe der Mosella 2. O. Ribbeck Geschichte d. r. Dichtung III 342. Von den Freunden des A., den Adressaten seiner Briefe, sind die berühmtesten Sex. Petronius Probus (vgl. o. unter Anicius Nr. 45), an den epist. 16 p. 174 im J. 371 gerichtet ist (v. 20) und den Boecking auch in den Versen der Mosella 409ff. wiedererkennen wollte (Hosius Mosella p. 18), dann Q. Aurelius Symmachus, mit dem A. in den J. 369–379 im Briefwechsel steht (ed. Seeck p. LXXIXff. 9ff.) und Paulinus; am nächsten stand ihm sein College Axius Paulus (vgl. u. 7).

Eine Besprechung der Werke des A. ist nicht zu trennen von der Besprechung der Überlieferung seiner Schriften. A. ist kein Dichter gewesen, er hat sich in dem Gedicht ad lectorem p. 2 als grammaticus und rhetor, nicht aber als poeta bezeichnet. Seine Gedichte sind wenig umfangreich, da ihm zu einem grösseren Werke die Lust fehlte, vielfach Übersetzungen aus dem Griechischen, ausserdem Briefe, Nachrufe, Widmungen von Büchern und Ausgaben in poetischer Form, Memorierverse für den Unterricht; es lässt sich aus dem Nachlass des A. ein vollständiger liber memorialis zusammenstellen. Er spricht demnach von seinen Werken meist als von libelli, poematia, epyllia, eclogae und besonders von opuscula; die Bezeichnung Idyllia ist modern. Seine Dichtung ist durchweg gelehrt, wenige Verse enthalten keine Anspielung auf einen Vers des Plautus oder Terenz, des Catull und Lucrez, der Klassiker Vergil (H. Speck Quaest. Auson., Vratisl. 1874, 21), Horaz, Tibull, Ovid (nicht des Properz), des [2566] Lucan, Martial, Statius, Iuvenal und auf Stellen der gelesensten Prosaiker Cicero, der beiden Plinius u. a. Afranius, Ennius und Lucilius kennt er aber wohl nur aus Commentaren und den Citaten anderer. Über seine griechischen Studien F. Stahl De A. studiis poetarum Graecorum, Kiel 1886. Als seine Vorbilder sind unter den Lateinern etwa Horaz, Catull und Martial zu bezeichnen; auch die satura des Seneca hat er nachgebildet (p. 179), vornehmlich aber in Stil, Stoff und Metrum die poetae neoterici Florus, Septimius Serenus, dem er den Titel opuscula entlehnt hat, den er oft nachahmt, aber niemals nennt, Annianus Faliscus und Apuleius, die er gelegentlich nennt, u. a. Gerade wegen der Nachahmung dieser letztgenannten Vorbilder, die uns nur in Bruchstücken bekannt sind, ist A. von besonderem Interesse für die Geschichte der römischen Dichtkunst. So kommt es, dass die Gedichte des A. mehr ihres stofflichen Inhalts, als des dichterischen Wertes halber unser Interesse erregen; selbst bei der Mosella ist es mehr die Schönheit des Flusses und seiner Ufer, das Interesse, das wir an dem Lande von altersher nehmen, das A. besingt, was diesem Gedicht von jeher besonderen Reiz verliehen und so viel Lob eingebracht hat, wie sein eigentlicher dichterischer Wert, den die Wahl des Stoffs in der Wertschätzung der Leser unwillkürlich weit höher erscheinen lässt, als er es thatsächlich ist. Unausstehlich sind die eigentlichen ludicra, wie das Technopaegnium, der Griphus ternarii numeri, der Brief an Theon über die 30 Austern, die Briefe an Axius Paulus in maccaronischen Versen u. a., Gedichte, an denen wohl seine praetextati Gefallen finden mochten, deren Geist und Einwirkung in diesen an die Spielereien des Mittelalters erinnernden Erzeugnissen erkennbar ist. Nur die Gedichte an und über Blutsverwandte, Freunde und Collegen vermögen uns etwas zu erwärmen; nach der gähnenden Öde und Leere, die uns in des A. Werken entgegentritt, bilden die Briefe des Paulin eine wahre Erquickung. A. musste es ebenso bitter empfinden, wie einst Fronto, als sein vornehmer Zögling das Bedürfnis fühlte, sich etwas Besserem und Höheren zuzuwenden und ihm über die Rhetoren die herben Worte schrieb (Paulin. carm. X 39 ed. Hartel II p. 25) qui corda falsis atque vanis imbuunt tantumque linguas instruunt. Wie der Rhetor Fronto, so erreichte auch der Rhetor A. durch die Gunst des Hofes die höchsten Ehren, ja er hat es noch erlebt, dass ein Rhetor und Grammaticus den Kaiserthron des Westreichs bestiegen hat.

Die grosse Menge dieser einzelnen opuscula wurde von dem Dichter selbst schon zu seinen Lebzeiten zu einem Corpus vereinigt, wie klar aus seinen Worten (p. 32) hervorgeht: imagini ipsius hi versus subscripti sunt neque minus in opusculorum meorum seriem relati, viele einzeln von ihm selbst neu herausgegeben, wie die doppelten Vorreden erweisen. Eine neue Sammlung seiner opuscula wurde nach dem Tode des Verfassers zusammengestellt, wie aus der hsl. Überlieferung ersichtlich. Um die Kenntnis der letzteren hat R. Peiper Die handschriftliche Überlieferung des A., Jahrb. f. Philol. Suppl. XI 189ff. und in der Vorrede seiner Ausgabe. Lips. 1886, die meisten Verdienste. Vgl. ausserdem W. Brandes Jahrb. f. Philol. 1881, [2567] 59., die Vorrede der Ausgabe von C. Schenkl in den Monumenta Germaniae historica auct. antiquiss. V 2, Berol. 1883, nach der hier citiert wird, und O. Seeck Gött. gel. Anz. 1887 I 497ff.

I. Eine Sammlung der opuscula, welche, wie es scheint, auf jene von A. erwähnte series opusculorum zurückgeht, ist uns in einer Reihe von jungen Hss. (XIV. oder XV. Jhdt.) erhalten, deren vornehmste der Tilianus T. ist (Leid. Voss. lat. Q 107, Schenkl praef. XIX. Peiper praef. LXX). Diese Recension Z bei Peiper, ω bei Schenkl bietet folgende opuscula:

1) Eine Sammlung von Epigrammata (p. 194ff.), durch Prolog und Epilog als Ganzes kenntlich; ersterer, an Gratian gerichtet, beginnt mit dem Vocativ Phoebe, letzterer, in den Versus Paschales (p. 30) bestehend, schliesst mit der Anrufung Christe, die beste Illustration der religiösen Stellung des A., dessen Kaiser inter religionum diversitates medius stetit nec quemquam inquietavit (Ammian. XXX 9, 5). Das Gedicht an Gratian ist abgefasst um 383 (Seeck a. O. 515), die Versus Paschales (vgl. v. 25) nach 367, in welchem Jahr Gratian zum Augustus ernannt wurde, sicher vor 375, Valentinians I. Todesjahr, und wahrscheinlich vor 371, dem Geburtsjahr Valentinians II., dessen Erwähnung in einem Gebet für die kaiserliche Familie, wäre derselbe damals schon geboren gewesen, nicht zu umgehen war. Über die Anordnung der Epigramme Brandes a. O. 74. Seeck a. O. 513. Nach dem Prolog hatte der Archetypus eine Lücke, das folgende Gedicht (Est quod mane legas p. 195), eine Inhaltsangabe der Sammlung, ist bis auf drei Verse am Schluss verloren (vgl. u. IV). Es folgen fünf höfische Gedichte, darauf je ein ἐπιτύμβιον (Sparge mero p. 78, 30), ein προτρεπτικόν exhortatio ad modestiam p. 197, ein σκωπτικόν p. 207 Rhetoris haec Rufi, über seine eigene Person giebt A. in den drei folgenden Dedicationsgedichten der von ihm zusammengestellten nicht erhaltenen (vgl. u. 27) fasti consulares dem Leser Aufschluss. Das eine Exemplar war 379 seinem Sohne Hesperius übersandt mit dem Epigramm 1 (p. 119) zu Anfang; ein zweites bis 382 weitergeführtes Exemplar enthielt das Widmungsgedicht 4 (p. 120) an Proculus Gregorius ex praef. (Brandes a. O. 61 Anm. 3); in demselben Jahre veröffentlichte A. das Werk, dessen Subscription uns in 3 (p. 120) erhalten ist, der Epilog, der sich an jedweden Leser richtet. Das Gründungsjahr Roms ist dem A. 739 v. Chr. Es folgt ein höfisches Gedicht (p. 196 v), darauf in mannigfacher Abwechselung eine Reihe von Gedichten, in denen ein bestimmter Plan unverkennbar ist, zuerst Epigramme über Frauen und Frauengestalten der Mythologie, ein σκωπτικόν auf eine adultera, ein ἐπιδεικτικόν auf ein Bild der Echo, ein ἀναθηματικόν auf ein Bild der Occasio (p. 197ff.), ein ἐπιτύμβιον auf Anicia (p. 80), ein ἐρωτικόν auf Galla (p. 199) – die Reihe wird unterbrochen durch drei ἐπιδεικτικά, eines auf einen gefangenen Hasen und zwei auf einen gefangenen Sclaven (p. 199) – ein σκωπτικόν auf Lais, ein ἐπιδεικτικόν über sein Verhältnis zu Frauen wie Lais und zu seiner Gattin, ein προτρεπτικόν an letztere, ein σκωπτικόν auf eine anus ebria (p. 200ff.), ein ἀναθηματικόν auf Nemesis u. s. w., eine Anordnung, [2568] die in keiner Ausgabe befolgt ist. Nach der allgemein verbreiteten Annahme hat A. hiermit die ältesten Erzeugnisse seiner Dichtkunst aufgenommen, so die erwähnten Epigramme auf seine Gemahlin Sabina (p. 200), ferner drei Epigramme auf Sabinas kunstfertige Hände (p. 203), auf deren erstes in der Überlieferung eine Aufschrift auf die Statue des Antisthenes folgt (in doppelter Form), deren letztes Sabina redend einführt, also wohl gleichfalls einem Bild der Sabina beigegeben war; A. hat in diesen Epigrammen, wie oft in dieser Sammlung, denselben Gedanken, wie in den Rhetorenschulen Sitte war, mehrfach variiert, um mit Wortschatz und Formgewandtheit zu glänzen. Sabina starb, bevor A. an den Hof übersiedelte; es erscheint aber keineswegs ausgeschlossen, dass diese Epigramme erst nach ihrem Tod entstanden sind. Die grosse Masse dieser Epigramme, darunter viele aus der griechischen Anthologie übersetzte (Peiper Überlief. 229ff.), viele sehr unzüchtigen Inhalts, die meisten in elegischen Distichen, einzelne in die Mitte und gegen Ende gestellte in Metren des Horaz, Martial und der neoterici, einzelne griechische, andere halb griechisch, halb lateinisch, ist uns nur in dieser Sammlung überliefert, viele in anderen Sammlungen und in der Form abweichend. Aufgenommen ist das Dedicationsgedicht eines unbekannten Werkes an Latinus Pacatus Drepanius (Seeck Symmachus p. CXCIII) p. 205 (v. 9 nach Tollius Emendation), das ausserdem dem Proculus Gregorius, wie es scheint, später gewidmet wurde (vgl. u. 33), ganz analog wie A. mit den Fasti und deren Dedicationsgedichten verfahren hatte. Das Gedicht p. 207 Rhetoris haec Rufi zeigt v. 4 gleichfalls doppelte Fassung; die Lesung der ändern Recension (V, vgl. u. II) ist hier im T eingeschwärzt, wie das ganze Gedicht nochmals in der Fassung der andern Recension (V) in diese Sammlung eingefügt war vor dem Gedicht auf Zoilus p. 220 nach Peiper Praef. p. LXIIII. Christliches findet sich ausser den versus Paschales nicht in dieser Sammlung, besonders interessant ist die Beschreibung des signum Pantheum in villa nostra p. 204. Die Sammlung dieser Epigramme scheint lückenhaft überliefert; eine Lücke im Archetypus ist nach v. 2 des Epigramms p. 209 Effigiem ersichtlich.

2) Es folgt im T hinter den Versus Paschales die Überschrift: Incipit liber epistularum, ein abgeschlossenes Buch, zwölf Briefe enthaltend, nur an Freunde, nicht an Verwandte, deren Anordnung gleichfalls klar ersichtlich ist; hinter dem dritten Brief ist eine Lücke des Archetypus erkennbar. Das Büchlein als Ganzes war gewiss dem Rhetor Axius Paulus gewidmet, dem die drei ersten Briefe verwandten Inhalts und die drei letzten Briefe gewidmet sind; drei Briefe sind an Paulinus gerichtet, je ein Brief an Ursulus und Tetradius, die Grammatiker, und den berühmten Sex. Petronius Probus. Die Anordnung nach Massgabe der Form ist gleichfalls klar ersichtlich; fast sämtliche Briefe sind dem Metrum oder der Sprache nach verschieden. Erster an Paulus (p. 166, 8) ist im elegischen Distichon, zweiter an Paulus (p. 168) in der ersten pythiambischen Epodenform, dritter an Paulus (p. 169) in Hendecasyllaben mit Vorrede in Prosa, vierter (p. 179) an Paulinus in Form der satura des Seneca, fünfter an Ursulus [2569] in elegischen Distichen (p. 178, abgefasst nach v. 3 zwischen 375 und 377), sechster an Paulin in Senaren mit Vorrede in Prosa (p. 181, 21), siebenter an Paulin im iambischen Epodenmass mit Vorrede in Prosa (p. 183), achter an Tetradius, den Satiriker, in demselben Mass ohne Vorrede (p. 173, abgefasst 379 nach v. 30), neunter an Probus im iambischen Dimeter mit Vorrede in Prosa (p. 174, abgefasst 371 nach v. 20), zehnter an Paulus in Hexametern halb griechisch und halb lateinisch (p. 170), elfter an Paulus ein griechisches Distichon (p. 172, abgefasst 379), zwölfter an Paulus in Distichen halb griechisch und halb lateinisch. Wie in der Sammlung der Epigramme sind die Gedichte mit griechischen Versen an den Schluss gestellt, elegische Distichen beginnen und schliessen die Sammlung der Briefe, wie Hexameter die Epigrammsammlung. Ausser dem ersten Gedicht der Sammlung, welches auch in V (vgl. u. unter II) aufgenommen ist, eben weil dasselbe in diesem Buch der Briefe zu Anfang stand (vgl. u. hinter 28), verdanken wir sämtliche Briefe nur dieser Recension; dieselben sind abgefasst etwa 370–380. Sie gehörten enge zusammen zu der Ausgabe der Epigramme, weil diese mit Osterversen schliesst, jene Briefsammlung in ihren ersten Nummern auf das Osterfest Bezug nimmt (Seeck a. O. 514). Auffallend ist, dass mitten in die Prosa des dritten Briefes an Paulus (p. 169) ein vollständiges Gedicht aus der Bissula (p. 125, 3) hereinverschlagen ist.

An die zwölf Episteln schliesst sich an 3) ein Buch, welches beginnt mit viermal je zwölf Monosticha, die ersten zwölf über die zwölf Arbeiten des Hercules (p. 153) aus dem Griechischen übersetzt, einer Vorrede an Hesperius (p. 112) folgen weitere zwölf Monosticha über die ersten zwölf Kaiser nach Sueton, weitere zwölf über die Zahl der Jahre der Regierung derselben, weitere zwölf über ihr Ende, es folgen sechs Tetrasticha über die Kaiser von Nerva bis Commodus. Von hier ab ist der Zusammenhang der Sammlung gestört; die andere Recension giebt die Caesares in vollständigerer Form (vgl. u. 26). Es folgt eine Reihe von Schriften die wir dieser Sammlung allein verdanken: in Polygitonem p. 224, de mensibus et IV anni temporibus p. 14, 11, die sechs Epigramme auf Silvius p. 225, das Gedicht in notarium p. 226, und die 4) Dankrede für das Consulat, 379 vor Gratian gehalten (p. 19). Offenbar war der Schluss der Caesares, die A. doch wohl bis auf seine Augusti, wie die Fasti, fortgeführt hat, verloren. Die auf die Caesares folgenden Gedichte sind Trümmer verlorener Werke oder eine Nachlese zur Anthologie, von der Hand eines mittelalterlichen Redactors. Es folgen drei Werke, die ihrem Charakter nach einander nahe verwandt sind und deshalb hier zusammengestellt erscheinen.

5) Die erste Ausgabe des Technopaegnium, dem Paulinus (p. 139, 21) mit der Vorrede p. 132, 2 gewidmet, lauter Hexameter, die auf Monosyllaba endigen. Das Stück wurde später von A. mannigfach geändert (Brandes a. O. 70ff.), erweitert, z. B. um das ganze Stück de litteris p. 138, statt der Vorrede an Paulinus wurde eine neue an Drepanius Pacatus p. 132, 1 vorgesetzt und diese neue Ausgabe 390 Pacato proconsuli [2570] gewidmet; in der letztgenannten Form erscheint das Buch in der Recension V, aus der der Name Pacatus in der ersten Ausgabe p. 134 Z. 10 interpoliert erscheint. 6) Der Griphus de ternario numero (p. 127), 368 in expeditione entstanden nach der Vorrede und einige Zeit darnach dem Symmachus gewidmet (auch in V; vgl. u. 27), und 7) der nur in dieser Recension erhaltene cento nuptialis (p. 140), aus Vergilversen zusammengestellt, der auf Wunsch des Kaisers Valentinian wohl um dieselbe Zeit entstanden ist. Dass A. diese derbe Wachtstubenpoesie dem Axius Paulus, an den auch die Bissula gerichtet ist – nach Valentinians Tod (375) – widmen konnte, beweist, dass dieser von allen Freunden ihm am nächsten stand (vgl. u. 29). Es folgt ein Brief an Theon (p. 159), gleichfalls während des Feldzugs 368 verfasst (v. 1. 81 quod militantes scribimus), von dem Redactor dieser Recension der in der andern Recension V vollständiger erhaltenen Sammlung der Briefe an Theon, wo derselbe an erster Stelle steht, entnommen, wie ähnlich der Redactor von V mit dem ersten Brief an Paulus verfuhr. Es folgt ein Brief an Paulinus (p. 181, 20), nur in dieser Recension erhalten, nach v. 4 abgefasst bald nach 379; nach den Eingangsworten Paulino Ausonius und der Analogie des vorhergehenden Briefes wohl gleichfalls der erste Brief einer Sammlung von Briefen an Paulinus. Es folgen drei zusammengehörige Gedichte, deren erstes, die oratio matutina (p. 4, Paulin. ed. Hartel II p. 4), Gott, das zweite dem eben verstorbenen Vater die Ehre giebt, betitelt 8) Epicedion in patrem (p. 32). Beide Gedichte hat A. später umgearbeitet und erweitert; in dieser späteren Form sind dieselben uns in der späteren Recension V erhalten, in der das Gebet in die Ephemeris eingefügt, dem Epicedion eine Vorrede zugefügt ist, welche mit den Worten beginnt: Post deum semper patrem colui … sequitur ergo hanc summi dei venerationem epicedion patris … Die oratio matutina, welche dem Paulin als Vorbild diente (vgl. u. 32), ist in der späteren Recension durch die oratio consulis (also 379 abgefasst) Ausonii versibus ropalicis (GL IV 467, 15. VI 505, 27) ersetzt (p. 31), das Princip der Anordnung das gleiche. Das Epicedion muss nach v. 46 um 379 abgefasst sein. A. hat dasselbe, nachdem er den Hof verlassen, bedeutend erweitert, so um den Vers 32 et semper fictae principum amicitiae, hat, wie durch die Oratio zur Ephemeris angeregt, so durch das Epicedion angeregt später die Parentalia gedichtet. Das dritte Gedicht ist 9) der Protrepticus ad nepotem, dem Sohn Hesperius gewidmet (p. 36), abgefasst um 380 (v. 95ff. Brandes a. O. 60, 2; vgl. u. 31). Die beiden letzten Gedichte der Sammlung, der 10) Cupido cruciatus, der Trierer Zeit entstammend, dem Proculus Gregorius gewidmet durch eine Vorrede in Prosa, in der dasselbe als ecloga bezeichnet wird – und die darauf folgende 11) Bissula an Axius Paulus sind lediglich in dieser Recension überliefert. Ersteres Gedicht (p. 121) ist die ἔκφρασις eines Gemäldes aus einem Triclinium zu Trier, deshalb von hervorragendem Interesse für die Geschichte der Malerei (F. Hettner Rhein. Jahrb. LXII 70); dasselbe stellte dar den Liebesgott, in der Unterwelt von den Heroinen, die er zu Lebzeiten ins Unglück [2571] gebracht, zur Strafe an einen Myrtenbaum gebunden und gepeinigt, ein Gemälde, der Darstellung nach verwandt den Wandgemälden in der vaticanischen Bibliothek (W. Helbig Führer durch d. öff. Sammlungen in Rom II 189). Auch in der Mosella 211ff. cum Venus Actiacis Augusti laeta triumphis Ludere lascivos fera proelia iussit Amores qualia Niliacae classes Latiaeque triremes … gesserunt hat A. ein Wandgemälde im Gedächtnis, ähnlich dem bei E. Presuhn Pompei VIII Taf. 6. Das Gedicht trägt in der Edit. princ. und sonst die Überschrift incipit eclogarum liber, die wohl nur auf einer Vermutung eines Abschreibers oder Herausgebers beruht. Die Bissula (p. 125), bald nach 368 gedichtet, ist leider am Schluss verstümmelt, von dem letzten Gedicht, in dem A. mit Glück die Anacreonteen nachahmt, ist nur ein Distichon erhalten, woraus zu schliessen, dass vermutlich mit dem Schluss der Bissula in der Ur-Hs. dieser Recension noch mehr zu Grunde gegangen ist. Nach den oben angegebenen chronologischen Bestimmungen ist diese Sammlung in den J. 365–388 entstanden, in dem letzteren Jahr, ob von A. selbst ist ungewiss, zum Abschluss gebracht worden (Brandes Jahrb. a. O. 61).

II. Eine Sammlung der opuscula ganz verschiedenen Charakters, verschiedener Anordnung, verschiedener Recension und späterer Zeit ist uns ausschliesslich erhalten in dem cod. Leid. Voss. lat. fol. 111 saec. IX (Ausg. von Schenkl XXXII, von Peiper XVIII. Paulinus ed. Hartel II p. Vff. C. O. Axt Quaest. Auson. maxime ad cod. Voss. 111 spectantes, Lips. 1873, 3). Diese Sammlung, mit V bezeichnet, enthält viele Schriften des A. in zweiter Auflage, merklich verändert und erweitert, eine Sammlung der Epigramme steht bedeutend verkürzt nicht zu Anfang, sondern am Ende, weggelassen sind alle unzüchtigen Epigramme und Schriften, wie Cento und Bissula, die Schriften zum Ruhm des Hofes wie die Dankrede u. a.; die Sammlung hat ein durchaus unhöfisches Gepräge, wie schon aus dem jetzt zugesetzten v. 32 des Epicedion ersichtlich. Dieselbe ist nicht von A., sondern – man vermutet von seinem Sohn Hesperius (Brandes a. O. 67) – erst nach des A. Tod zusammengestellt, wie aus den Überschriften p. 34. 158 hervorgeht; die Schriftzüge der Hs. sind nach F. Rühl Jahrb. f. Philol. CXXXVII 338 westgothisch, weisen also nach Südfrankreich, wo A. gestorben ist. Während die Sammlung I (ω) nur Gedichte des A. enthält, sind uns in dieser und in dieser Sammlung verwandten Sammlungen auch fremdes Gut, Briefe des Paulinus, Symmachus, Theodosius, Verse des Q. Cicero erhalten. Dieselbe umfasst im cod. V folgende Schriften in folgender Reihenfolge: 12) vorangestellt des A. Selbstbiographie in elegischen Distichen p. 2, zu der Ovid. Trist. IV 10 Vorbild war, abgefasst nach 379 (v. 38) vor 383 (v. 34), wohl 381, weil das darauf folgende 13) Gedicht an Syagrius der in diesem Jahr Consul war, gerichtet ist und ihm einen liber, wir wissen nicht welchen, widmet, beide Gedichte allein im V überliefert; v. 30 weist auf die Zeit des Epigramms p. 204, 29, 1. 14) Brief an Theodosius den Kaiser, der ihn um Übersendung seiner Schriften gebeten hatte (p. 1, 2; vgl. u. [2572] 35), abgefasst zwischen 388 und 393. 15) Ephemeris (p. 3), bestehend aus einem Gedicht in der zuerst hier begegnenden sapphischen Strophe, es folgt ein zweites in iambischen Dimetern, in das die oratio matutina in erweiterter und verbesserter Form (vgl. o. vor 8) eingelegt ist, dann folgt ein Gedicht in iambischen Senaren, ein viertes in elegischen Distichen ist am Schluss verstümmelt durch einen Schaden der Überlieferung, der auch den Anfang des folgenden Gedichts in Hexametern über Träume (abgefasst nach v. 18 nach 377: Mertens Jahrb. f. Philol. CXLI 786) vernichtet hat. Ausser der oratio sind diese Gedichte nur in V überliefert. 16) Eclogarum liber, nach der gewiss urkundlichen (vgl. o. 10. 11) Überschrift des V incipit eglogarum (p. 9ff.), wohl im Anschluss an Suetons Pratum (Suet. 297ff. Reiffersch.) verfasste versus memoriales enthaltend über Wochentage, Monate, Jahreszeiten, Sonnenwende, Feste (nach Suetons historia ludicra?), u. drgl. m. Gedicht 1–10. 12–16, die nur hier überliefert sind (über p. 14, 11, das im V fehlt, vgl. o. vor 4), die monosticha über die Thaten des Hercules (vgl. o. 3), dann Verse des Q. Cicero über Sternbilder, die uns wohl durch Sueton, den A. ausschreibt, erhalten sind, und über die Wochentage p. 17, die letzten beiden Nummern nur hier erhalten; das Gedicht zu Anfang ist gleichen oder ähnlichen Inhalts wie das Gedicht zu Ende, was das Buch als geschlossenes Ganze kennzeichnet. Warum die Verse über die Thaten des Hercules hier aufgenommen sind, wissen wir nicht. Es folgen (in ähnlicher Anordnung wie o. unter 8) zwei nur hier erhaltene 17) Precationes consulis in Hexametern (p. 17–19) an Ianus, das erstere interessant durch die Anwendung des versus intercalaris (W. Brandes Comment. Woelfflinian. 139ff.), durchweg heidnisch in der Anschauung, abgefasst 378 Ende. Auf die Gebete an den Gott folgt die Anrufung der Geister der parentes in den 18) Parentalia (p. 41ff.), der Amts- und Fachgenossen in den damit zusammenhängenden Professores (beide nur in V), den bei weitem interessantesten Schriften des A. Der Dichter führt uns in dem Familienbegräbnis der Seinen umher und liest uns die Aufschriften vor, die zumeist im elegischen Distichon abgefasst sind; in der zweiten Hälfte sind Masse der Epoden und insbesondere der neoterici angewandt, unter denen die getreue Nachahmung des Serenus (Schenkl zu p. 54, 29) von besonderem Interesse ist. Die Parentalia haben wie jene Precationes einen durchweg heidnischen Charakter; dass, wie in der Familie des Paulinus und Augustinus, so auch in des A. Familie Frauen die Trägerinnen des christlichen Glaubens gewesen sind, lernen wir aus 8, 8 p. 44. 28, 3 p. 54. 14, 8 p. 48 (über des A. Christentum M. Mertens Quaest. Auson. Lips. 1880, 1ff. H. Speck Quaest. Auson., Vratisl. 1874, 1ff. G. Boissier Fin du paganisme II 77ff.). Enge nach Ausweis der Vorrede mit den Parentalia verbunden ist die 19) Commemoratio professorum Burdigalensium, die uns ein vortreffliches Bild des Lebens und Treibens einer römischen Hochschule des 4. Jhdts. gewährt, ein kulturgeschichtliches Denkmal ohnegleichen (G. Kaufmann in F. Raumers Histor. Taschenbuch 1869, 90ff.). Auch in dieser Sammlung hat A. [2573] neben dem elegischen Distichon die sapphische Strophe und die Masse der neoterici angewandt. Während die drei eben besprochenen Werke in innerem Zusammenhang mit einander stehen, zeigt die Vorrede zu dem folgenden Werke, wie A. oft auch nur rein äusserlich seine opuscula aneinanderreihte (p. 72): Ad rem pertinere existimavi, ut vel vanum opusculum materiae congruentis absolverem et libello (den Professores) … 20) Epitaphia subnecterem, scilicet titulos sepulcrales Heroum, qui bello Troiano interfuerunt. Quae antiqua (Aristoteles Peplos: E. Wendling De Peplo Aristotelico, Argentorati 1891) cum apud philologum quendam repperissem (Porphyrius: Wendling a. O. 47. Bergk PLG II⁴ 355 Anm. 63. 357ff. (Stahl a. O. 27. 22ff.) e. q. s. Es sind im ganzen 26 Nummern (p. 72ff.), nur in V überliefert, die gleiche Zahl wie in den vorangehenden Professores. Die drei besprochenen Werke sind demnach gleichzeitig abgefasst, wie aus Prof. 6, 35 (p. 59, vgl. Vinetus Anm.) hervorgeht, nach 385; ebd. v. 23 temporis tyrannici (383–388) ergiebt als Abfassungszeit etwa 389 (Mertens Jahrb. f. Philol. CXLI 790). Der Redactor der Sammlung hat aus der Masse der in ω erhaltenen Epigramme hier neun Epitymbia zugefügt (p. 78 nr. 28. 29. p. 209 nr. 49. 50. p. 78ff. nr. 30–34). Von denselben sind heute vier nur im V überliefert, sie standen aber wohl alle in ω, weil dort nr. 50 p. 209 bis auf die zwei ersten Verse verloren ist, die demnach darauffolgende Lücke u. a. den Verlust des Epigramms auf Niobe p. 78 nr. 28 deshalb wahrscheinlich macht, weil unmittelbar auf dieselbe ein Epigramm auf Niobe p. 210 nr. 51 in ω folgt (Peiper praef. LXII). Es folgt 21) ein zweiter liber eclogarum, dem (ο. 16) besprochenen an Umfang etwa gleich, sechs Stück umfassend, in Hexametern, durch die Einheitlichkeit des Metrums und des Inhalts als Ganzes sich ausweisend und verschieden von 16. Die ersten drei Stücke p. 147–151, bezeichnet als Pythagorica, de ambiguitate vitae (hier in der Überlieferung P [vgl. u. unter III] der richtige Titel ecloga erhalten), de viro bono und ναὶ καὶ οὐ sind ethischen Inhalts (vgl. auch unter IV), die drei folgenden de aetatibus Hesiodion (p. 152), de ratione librae (p. 154), de ratione puerperii (p. 155) metaphysischen und astrologischen Inhalts. Es geht dem Liber vorauf eine 22) Widmung in Hendecasyllaben an Pacatus Drepanius, nach Catull zu Anfang, nach Martial III 2 am Schluss gearbeitet (p. 120), im Ton ähnlich dem unter 1 oben besprochenen Epigramm. Folgen die nur hier überlieferte Elegie 23) de herediolo (p. 34), nach dem Scholion des Redactors 379, kurz nach des Vaters Tod abgefasst, als er auf seinem Gütchen angekommen sein väterliches Erbe antrat, die versus Paschales (vgl. o. unter 1), die oratio consulis A. versibus ropalicis (vgl. o. unter 8) und das Epicedion, mit der nur hier erhaltenen Vorrede, in zweiter Ausgabe (vgl. o. unter 8). 24) Ordo urbium nobilium (p. 98ff.), beginnend mit Rom, es folgt Constantinopel, Carthago, Antiochia, Alexandria, Trier (vgl. die Bilder im Chronogr. v. 354, Jahrb. d. arch. Inst. 1887, Ergänzungsheft I Tafel IVff.), den Abschluss macht Burdigala, abgefasst nach des Maximus Niederlage (v. 70), nach 388. Folgt das Technopaegnium in [2574] neuer Bearbeitung (vgl. o. 5) vom J. 390, an Pacatus. Demselben in demselben Jahr gewidmet 25) der ludus VII sapientum (p. 104ff., vgl. u. unter III), die Widmung in elegischen Distichen (Seeck a. O. 508. H. Zimmer Herm. XXIX 317ff.), in dem zuerst der Prologus (hier Suetons historia ludicra benützt?), darauf der ludius auftreten, die Schar der 7 Weisen in iambischen Senaren anzukündigen, die darnach einer nach dem andern in demselben Mass ihre Lebensweisheit verkündigen. Die Schrift legt insbesondere Zeugnis ab von dem Studium des Plautus und Terenz (z. B. Chilon 4 ~ Plaut. Persa 410). 26) Die Hesperius gewidmeten Caesares (vgl. o. 3) in vermehrter Auflage. Zugefügt sind die Tetrasticha p. 114, 2 (Caesar bis Domitian p. 116), und p. 118 (Helvius Pertinax bis Heliogabalus), der Schluss ist verloren, da die Vorlage des V eine Lücke hatte. 27) Widmungsgedicht und Subscription zu der 379 verfassten Ausgabe der fasti consulares an Hesperius (vgl. o. unter 1) p. 119, 1 und 2, letzteres nur in V, endlich der Griphus (o. 6). Hieran schliesst sich eine Briefsammlung, zusammengestellt aus den Werken des Symmachus, A. und Paulinus. Weil der Griphus dem Symmachus gewidmet ist, folgt zuerst ein Brief des Symmachus an A. (I 31 p. 16 Seeck; über die Zeit Seeck Praef. LXXXII), dann 28) ein Brief des A. an Symmachus in Prosa, der einzige unter den Briefen des A. an Symmachus, der in die Sammlungen der Schriften beider aufgenommen wurde und uns deshalb erhalten ist (Symm. I 32 p. 17 Seeck. Auson. p. 177 Schenkl). Wir lernen aus demselben, dass beide am Trierer Hof sich kennen gelernt (§ 4: dum in comitatu degimus ambo aevo dispari e. q. s.). Nur der Symmetrie wegen hat der Redactor noch einen Brief des Symmachus an A. (I 25 p. 14 Seeck) beigefügt. Darauf folgt der erste Brief des liber epistularum (vgl. o. 2) an Axius Paulus (p. 166 nr. 8) und ein nur hier überlieferter 29) Brief über Austern (p. 166 nr. 9) an Paulus, der als adsuefactus meis ioculari carmine nugis v. 10 angeredet wird. 30) Fünf Briefe an Theon, deren erster 368 abgefasst, auch in die Sammlung ω (vgl. o. hinter 7) einverleibt ist, die vier übrigen in der Reihenfolge: p. 164. 1. 2, ein später überarbeitetes Jugendgedicht über Austern, 162, 5 und 163, 6 (mit der Überschrift drei Stücke verschiedenen Metrums, 379 abgefasst) nur hier erhalten. 31) Fünf Familiengedichte, die Zahl der vorangehenden Sammlung entsprechend, lauter hochinteressante Stücke, zum Teil vor der Zeit des Aufenthalts am Hofe, zum Teil aus dem Nachlass des Dichters, die ersten drei nur hier überliefert. Die Reihenfolge zeigt die ordnende Hand des Redactors. Das erste, unbedeutendste der Sammlung (p. 158, 3), das mittlere, nach dem Scholion des Redactors nach 383 zu Trier verfasst und in dem Concept nach des Dichters Tod vorgefunden (p. 158, 2), das letzte der Sammlung (p. 36), der Protrepticus ad nepotem (vgl. o. 9) sind an den Sohn Hesperius gerichtet; dazwischen sind zwei auf Geburten bezügliche Gedichte eingeordnet, das eine an zweiter Stelle, wohl das älteste Stück des gesamten Nachlasses, kündigt dem Vater die Geburt des Erstgeborenen an (p. 157), abgefasst um 340, das andere, an vierter Stelle (p. 40) der Genethliacos [2575] ad Ausonium nepotem, der nach v. 20 zur Zeit der Abfassung 18 Jahre alt war, also den letzten Lebensjahren des Dichter entstammend. 32) der Briefwechsel mit dem seit 389 (Buse Paulin 140) in Spanien weilenden Paulinus. Vorangestellt sind die drei Briefe des A. p. 187. 190ff. – dieser Brief ist als aus zwei Briefen bestehend aufgefasst, indem von v. 103 ein neuer Brief beginnt – und p. 186, also vier Stücke, auf die vier Briefe des Paulinus folgen, XI p. 39 ed. Hartel (1–48). X p. 28 (103ff.). X p. 24 (1–18). X p. 25 (19–102), letztere, wie es scheint, nach dem Metrum geordnet (Hexameter, elegisches Distichon, Epoden), wodurch verständlich wird, warum der Schluss des ersten Briefes des Paulinus XI p. 41 (49–68), der sonst erhalten ist (vgl. u. unter III hinter 34), hier weggelassen ist. Die Reihenfolge der Briefe dieser Sammlung ist in den verschiedenen Überlieferungen, die Hartel praef. XVf. erörtert, verschieden; in den Hss. des Paulinus (BO bei Hartel), welche X p. 24 (1–18) weglassen, ist die Anordnung derart, dass immer auf einen Brief des A. ein Brief des Paulin folgt, überall willkürlich. Die chronologische Reihenfolge behandelt Schenkl praef. XI. A. Puech De Paulini Ausoniique epistularum commercio, Paris 1887, 35. Peiper Überlief. 326. Hartel Praef. XVI. Das Vorhandene ist nur ein Rest eines umfangreicheren Briefwechsels. Das älteste erhaltene Stück, nicht aber, wie v. 1 erweist, das älteste Stück des Briefwechsels jener Zeit, ist der Brief des A. 23 (Proxima quae p. 186 Schenkl), dann der Brief 24 desselben (Quarta tibi haec notos detexit epistula questus p. 187), aus deren Anfangsversen hervorgeht, dass uns zwei Briefe des A. verloren sind. Auf diese Briefe antwortet Paulin in Gedicht X (p. 24ff. Hartel), dessen Anfangsvers Quarta redit duris haec iam messoribus aestas an den Anfang des letzten Briefs des A. anklingt. Da Paulin etwa 389 nach Spanien sich wandte, muss dieser Brief 393 fallen und bildet so das späteste Datum in des A. Leben. V. 8 berichtigt Paulin den A. mit der Meldung, dass er überhaupt nur drei Briefe empfangen hat, und antwortet demgemäss in drei Metren. Er nimmt sehr oft deutlich Bezug auf A. 24 (z. B. 157 ~ A. 72 u. a. m.), einmal auf A. 23 (192 ~ A. 31), v. 103 auf den uns verlorenen Brief. Das folgende Gedicht 25 p. 190 ist das letzte Werk des A., das uns bekannt ist; die Antwort ist uns in Paulin XI (p. 39ff. Hartel) erhalten, die nur auf das letztbezeichnete Gedicht Rücksicht nimmt. Über die Verschiedenheiten der Überlieferung dieser Briefe Schenkl praef. XLII. Peiper praef. XXXV. Hartel praef. Paulin. II p. XVI; Patrist. Studien VI, Wien 1895, 3ff. Den Beschluss macht die oratio Paulini, ein Gebet, das der Schüler der oratio matutina des A. nachgebildet hat (p. 3 Hartel); vgl. o. 8 und Mertens Jahrb. f. Philol. CXLI 785ff. Den Abschluss bildet 33) eine Sammlung von 22 Epigrammata de diversis rebus, wie die Überschrift lautet, in Schenkls Ausgabe (praef. XXXIII o.) aufgezählt, in Peipers Ausgabe 310–317 und p. 318 XXIII–319 XXIIII in der Reihenfolge des V abgedruckt. Dieselben sind sämtlich mit Ausnahme von zweien (72. 73 p. 216 Schenkl) in der Sammlung der Recension ω (I) erhalten. Vorangestellt ist das Dedicationsgedicht [2576] (p. 205, 35) an Proculus Gregorius (vgl, o. 1), so dass die Sammlung den Eindruck macht eines geschlossenen Ganzen, einer von A. selbst herrührenden Ausgabe. Allein der Umstand, dass diese Sammlung unsaubere Gedichte meidet, also denselben Charakter trägt, wie das ganze V vereinigte Corpus, dass dessen Redactor aus der in ω verstümmelt erhaltenen Sammlung der Epigramme Epitymbia ausgelesen und der Übersetzung des Peplos zugefügt hat (o. unter 20), all dies macht es wahrscheinlicher, dass wir hier eine Auslese des Redactors, nicht des Dichters erhalten haben, die uns die Lückenhaftigkeit der grossen Epigrammensammlung abermals bestätigt. Dass auch dieses in V überlieferte Corpus der Werke des A. lückenhaft überliefert ist, ist mehrfach bemerkt worden (vgl. zu 15 und 26) und erhellt aus der Betrachtung der gleich unter III zu besprechenden Sammlung.

III. Nahe verwandt mit dieser in V erhaltenen Sammlung ist eine dritte Sammlung, erhalten im Parisinus 8500 (P) saec. XIV (Schenkl praef. XXXIX. Peiper praef. XXXVI. Hartel Paulin. II praef. X, wo derselbe mit n bezeichnet ist), im Harleianus 2613 saec. XV (Schenkl praef. XL Anm. 37 [h]. Peiper praef. XXXVIII [p], Hartel a. O. XI [H]) und im Harleianus 2599 saec. XV (Schenkl a. O. Peiper praef. XXXXI. Seeck Symmachus LXXV). Dieselbe enthält den Ludus VII sapientium (vgl. o. 25), am Schluss erweitert durch die nomina et sententiae VII sapientium (p. 111) eines unbekannten Verfassers (Manitius Jahrb. f. Philol. CXXXVII 79), dahinter die 34) Periochae Homeri IIiadis et Odyssiae, nur hier überliefert (p. 227). Dieselben entbehren in P der Überschrift. Die Sprache, z. B. der Gebrauch von plasma in der Vorrede (vgl. p. 168, 2. 69, 26), von coetus für coitus per. Odyss. 23 (vgl. Epigr. 67, 1 p. 214. 107, 5 p. 224), die Entlehnungen oder Anklänge an Verse des A. (Per. II. 2 hominumque genus superabile curis = p. 179, 5. Peiper praef. LXXX. Per. Odyss. 10 patriamque domumque ~ Mosell. 440 patriaque domoque) sprechen dafür, dass wir es hier mit einem von A. selbst verfassten Schulbuch (vgl. Protrept. 46) zu thun haben; das Citat aus Ennius Annalen Per. II. IV ist einem Vergilcommentar entnommen. Es folgt der Briefwechsel mit Paulinus in der am vollständigsten erhaltenen Fassung (vgl. o. 32) jedoch ohne die oratio Paulini. Die Anordnung ist willkürlich, indem hier die Briefe des Paulin vorangestellt sind (Hartel Paulin. II p. XV). Darauf der Briefwechsel mit Symmachus (vgl. o. 281 in derselben Ausdehnung wie in V, und der Briefwechsel mit dem Kaiser Theodosius, dessen erstes Stück 35) das Handschreiben des Theodosius an A. (p. 1) nur hier, die Antwort des A. in elegischen Distichen auch in V erhalten ist (vgl. o. 14). Die Sammlung enthält ausserdem noch: Griphus (vgl. o. 6), das erste Gedicht der Epigrammensammlung von V (o. 33), Protrepticus (o. 9), Genethliacos (o. 31), die ecloga de ambiguitate vitae (o. 21), das erste Gedicht des zweiten eclogarum liber von V (p. 147) mit einer am Schluss nur hier hinzugefügten Widerlegung, die noch aus dem Altertum stammt, ein Gedicht des Prudentius und die urbes nobiles (vgl. o. 24). Diese Recension ist derselben Vorlage entnommen, der [2577] V entnommen ist, und stimmt deshalb da, wo V und ω von einander abweichen, mit V (p. 205, 35 v. 9). Vgl. auch IV zu Ende.

IV. Incipiunt excerpta de opusculis Decimi Magni Ausonii lautet die Überschrift in einer weiteren Sammlung von Ausoniana, die vornehmlich durch einen Sangallensis 899 saec. X (Schenkl praef. XLIV. Peiper praef. LIII) G und einen Bruxellensis 5369/73 saec. XII (Schenkl a. O. Peiper LIV) B vertreten ist. Vorangestellt ist die 36) Mosella (p. 82), die in I–III nicht überliefert ist, das Gedicht, das neben der Bissula den Deutschen am meisten interessiert, herausgegeben u. a. von E. Boecking Rhein. Jahrb. VII 1845. H. de la Ville de Mirmont La Moselle d’Αusone, Bordeaux 1889 (F. Buecheler Westdeutsche Zeitschrift IX 1890 Correspondenzblatt nr. 6, 129), vgl. ders. De Ausonii Mosella, Paris 1892. C. Hosius, Marburg 1894. Über die Abfassungszeit s. o. S. 2564. Das Gedicht, gewiss mit Willen und Wissen des Kaisers abgefasst, enthält Preis und Lob des Landes an der Mosel, dessen Hauptstadt Trier ist, seines Weines, dessen Blume damals wie heute besonders Eindruck machte (v. 25), des Schiffsverkehrs, den uns die Neumagener Monumente ergänzend vor die Augen führen, seiner Bewohner aller Stände. Ausführlich wird die Schönheit des Stromes geschildert, seine Nebenflüsse unter Zuhülfenahme der Landkarte sämtlich aufgezählt. Das Gedicht klingt wie ein Lockruf an alle Bewohner des Erdkreises: ‚kommt hierher, hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen!‘ Villen von staunenswerter Grösse und Pracht erheben sich überall, die Badehäuser wetteifern mit denen von Baiae, überall herrscht Comfort, cultus et nitor, die Eltern finden hier Quintiliane als Erzieher für ihre Kinder, die friedfertigen Ansiedler gerechte Beamte, Richter und tüchtige Anwälte, die Sportlustigen finden hier Regatten, Angel und Netz fördert die köstlichsten Fische aller Arten zu Tage, die dem verwöhntesten Gaumen genügen müssen. Den Charakter des Gedichtes geben am besten die Schlussverse zu erkennen: Te stagnis ego caeruleis magnumque sonaris Amnibus, aequoreae te commendabo Garumnae. Die Mosella ist ein carmen commendaticium; wie die neue Residenz Constantinopel durch ihre Residenten mit allen Mitteln, in jeder Weise gehoben wurde, so sollte durch das Lied des Hofpoeten auch Trier verherrlicht werden, die Stadt, über die A. in den clarae urbes (p. 99) die beruhigenden Worte schreibt: quae proxima Rheno Paris ut in mediae gremio secura quiescit, so wie zu Anfang der Mosella der Dichter seine Bewunderung über die starken Mauern des neubefestigten Bingen zum Ausdruck bringt. Wer bedenkt, wie damals jenseits des Rheins die Barbaren drohend der Stadt fast gegenüber standen, wie bald nach des A. Tod Trier viermal hintereinander von Vandalen, Gothen und Hunnen zerstört und geplündert worden ist (Gibbon History of the decline and fall VI, London 1827, 102), und erwägt, dass A. die Zerstörung und Plünderung Kölns durch die Franken miterlebt hat, dass sich damals die Städte der Rheinlinie zumeist in der Gewalt der Barbaren befanden (A. Riese Westdeutsche Ztschr. VII Correspondenzbl. nr. 6, 128), wird verstehn, warum der Kaiser dem berühmten [2578] Professor die höchsten Ehren in Aussicht stellte, um denselben in Trier zu halten und warum der Dichter in so auffälliger Weise in seinem Lied den Ruhm des bedrohten Grenzlandes ertönen lässt, in dem sich damals wohl so mancher nicht mehr behaglich fühlen mochte. Dass die Mosella weithin über das Reich verbreitet wurde und bald in aller Hände war, in Italien und Rom überall gelesen wurde, zeigt der in der Sammlung derselben angehängte 37) Brief des Symmachus an A. (I 14 p. 9 Seeck), in dem Symmachus seine Bewunderung für des A. Poesie zu erkennen giebt, aber, was die thatsächlichen Angaben betrifft, seine Zweifel nicht unterdrückt oder mit schönen Wendungen verschleiert. Es folgen die Caesares in der Fassung von V (vgl. o. 26), die Herculis aerumnae (vgl. o. 3), die drei eclogae de viro bono, ναὶ καὶ οὐ und de aetatibus (vgl. o. 21), und zwei Epigramme (p. 214, 68. 195, 2); die ersten fünf Verse des letzteren sind nur hier erhalten (vgl. o. 1).

Das Verhältnis der Sammlungen III und IV zu einander und zu I und II ist heute nicht mehr mit Sicherheit zu bestimmen. Keine dieser Sammlungen enthält alle Gedichte des A., es giebt kein Gedicht, das in allen vier Sammlungen, keines, das zugleich in I und III nicht aber in II, oder in III und IV erhalten wäre, woraus man schliessen darf, dass die Sammlung IV als Ergänzung zu III dienen sollte und dass, wie schon oben (III zu Ende) bemerkt, die I, II und III und die I und III gemeinschaftlichen Stücke aus der Vorlage von II entnommen sein müssen. Die Sammlung IV scheint am Schluss Excerpte aus der in I erhaltenen Epigrammensammlung zu bieten, die im Mittelalter noch vollständiger vorlag.

V. Dass die in I (ω) erhaltene Sammlung von Epigrammen in der That zur Zusammenstellung von Florilegien im Mittelalter benützt worden ist, beweist das aus einem cod. saec. XI Wien. Stud. XII 130 von Gottlieb veröffentlichte Epigramm 8 p. 197, das v. 3 der Lesung von ω folgt. Eine Reihe von kleineren Gedichten ist nur in den ältesten Drucken erhalten (p. 252ff.). Achtzehn in der von H. Avantius besorgten Edit. Veneta 1496 zuerst abgedruckte Gedichte (Peiper Überlieferung 226ff.; praef. LXXXV) sollen in Mailand gefunden sein, eine weitere Anzahl (p. 257ff.) ward zuerst durch die Ausgabe des T. Ugoletus, Parma 1499, bekannt. Unter diesen Gedichten, die vielfach corrupte Lesarten aufweisen, befindet sich gewiss auch manches Stück aus dem Nachlass des A. Wenn das Fragment p. 259, 23 v. 8 strataque temptavi sicca pavente manu anklingt an das dem Inhalt nach verwandte letzte Gedicht der Ephemeris (p. 8 v. 14) totum bene conscia lectum Pertractat secura manus, so spricht dies dafür, dass das Gedicht in der That von A. herrührt, der Hom. Odyss. XX 87ff. weiter ausführte. Das Gedicht de rosis p. 243 galt deshalb für von A. herrührend, weil dasselbe neben den Eclogae Est et non und Vir bonus in die sog. Sammlung der Jugendgedichte des Vergil aufgenommen wurde (Peiper praef. LV); für die der Metrik und Sprache nach der Art des A. ähnlichen Gedichte über die sieben Weisen (p. 246ff. Bährens PLM III 159ff. und andere Verse, welche in den Ausgaben des A. von altersher mitgeführt werden [2579] fehlt jeder Anhaltspunkt zur Bestimmung des Verfassers.

Ausgaben: Peiper praef. LXXXV. Edit. princ. des B. Girardini, Venet. 1472 (die weiteren Ausgaben unter V). T. Pulmann, Antwerp. 1568. Jos. Scaliger (nebst seinen lectiones Ausonianae, Lugd. 1575 u. ö.). El. Vinetus, Bordeaux 1580. 1590. J. Tollius, Amsterdam 1669. J. B. Souchay, Paris 1730. Ed. Bipontina 1785. Nach den beiden letztgenannten Ausgaben pflegte man bisher zu citieren; über die Ausgaben von Schenkl und Peiper s. o. Mit Recht verlangt Seeck Gött. Gel. Anz. 1887 I 519 eine neue Ausgabe, in der die verschiedenen von A. selbst besorgten Ausgaben seiner Gedichte besser, als dies bisher geschehen ist, nebeneinander zum Ausdruck kommen.

Über Sprache und Metrik des A. vgl. L. Müller D. r. m.² 412. 370. 439 und sonst, insbesondere den Index grammaticae elocutionis rei metricae in Schenkls Ausgabe 286ff. T. Raehse D. r. m. Ausonii, Berol. 1868. A. Meurer De A. genere dicendi, Monasteri 1873. De la Ville d. Mirmont De A. Mosella 107. Die Prosodie des A., welche mit der Prosodie des Avien und Paulin zusammen behandelt werden muss (Beziehungen zwischen Avien und A.? Stahl a. O. 19), bietet vieles für die Geschichte der lateinischen Sprache in Gallien, das A. nie verlassen hat, Interessante: contra, in der klassischen Zeit stets Spondeus seit dem ersten Corpus der Satiren des Lucilius, braucht A. als Trochaeus (p. 1 v. 16) wie Plautus Ennius und Lucilius in dem zeitlich früheren zweiten Corpus, umgekehrt ego und quia als Iamben (p. 3 v. 35. p. 62 v. 7): analog dem contră nonagintă, trigintă, frustră (p. 12 nr. 8, 1 p. 11 v. 7. p. 114 v. 15). In zweisilbigem cui, in der Verkürzung des schliessenden o in Wörtern wie oblectatio faciendo u. a., hatte er viele Vorgänger (de la Ville d. M. 109) seit Seneca (L. Müller De r. m.² 318. 417); aber er braucht auch das adv. internĕ p. 103, 142 und sonst nach der Analogie von superne inferne (L. Müller 418) mit kurzer Endsilbe; vgl. Schenkls Index s. longae vocales. Der Sprache, der griechischen wie lateinischen, hat A. Gewalt angethan in seiner Maccaronischen Poesie, zu der er sich im Hinblick auf des Lucilius ne rhetoricotero’ tu sis und des Fronto p. 47, 1 N. in hac εἰκόνε berechtigt halten mochte. Aber auffallen müssen Messungen wie Acindy̆nos, Phĭdias, hĕrede: in Messungen wie sŏlĭcismus, trĭgŏnorum, Cĭthĕron, Cly̆tĕmestra (so auch Livius Andronicus) tritt eine Gewaltsamkeit zu Tage, die nur in der ältesten Periode der lateinischen Litteratur ihresgleichen hat, ebenso in der uneingeschränkten Neubildung lateinischer wie griechischer Wörter (Schenkl Index unter vocabula). Was die Metrik betrifft, so ist dem A. in den Epyllien wie Mosella, Cupido, Clarae urbes Vergil das Vorbild, der von ihm wie ein Gott verehrt wird (superorum adiunctus honori … Maro p. 40, 25 mit richtig gestellter Interpunktion); Versschlüsse wie Mosell. 129 ambiguusque sind hier vereinzelt. Viel weniger sorgfältig in der Form sind die Episteln. Über die Caesuren der Mosella die Tabelle bei W. Meyer S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 1077. de la Ville d. M. a. O. 131ff. In dem Pentameterschluss weicht A. von der strengen [2580] Form des Ovid ab, wie schon Apuleius, wie die Fragmente beweisen. Von den poetae neoterici entnahm er die mannigfachen Masse der kleineren Gedichte, deren Vorbilder sich in den Bruchstücken des Annianus, Septimius Serenus (vgl. o. unter 18), Hadrian, besonders des Septimius nachweisen lassen, ebenso den trochaeischen Septenar (vgl. o. Bd. I S. 2267) und die iambischen Senare, die auch Apuleius angewandt hat (W. Meyer Abh. Akad. Münch. XVII 1, 113ff.); das Pervigilium Veneris spricht dafür, dass A. auch den dem Volkslied eigenen Refrain öfters bei den neoterici vorfand. Dem Horaz bildete er die Masse der Epoden, die Asclepiadeen und sapphische Strophe, dem Martial die Hendecasyllaben und Choliamben nach, dem Seneca die Form der menippeischen Satire, deren Beliebtheit in damaliger Zeit das Werk des Martianus Capella erweist.