RE:Anthologia 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 23802391
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Anthologia. 1) Griechisch. Von den Gedichten, welche das spätere griechische Altertum ihres geringen Umfangs wegen vollständig in Blumenlesen (Anthologien) vereinigte, sind uns ausser den Anakreonteen nur Sammlungen von Epigrammen erhalten. Zuerst zusammengestellt unter der Einwirkung des im 1. Jhdt. v. Chr. neu erwachten Interesses an den älteren alexandrinischen Dichtungen danken sie dem Wiederaufleben dieses Interesses unter den byzantinischen Nachfolgern des Nonnos ihre weitere Erhaltung. Wie das Epigramm schon als echte Aufschrift für ein Grabmal oder Weihegeschenk durch seine Leichtigkeit und Verwendbarkeit weitere Kreise von Dilettanten interessieren musste, so war es seit dem 4. Jhdt. v. Chr. als epideiktische Spielerei zu allgemeinster Verbreitung gelangt, und hatte im Anfang des 3. Jhdts. in den sich entgegenstehenden Schulen der koisch-alexandrinischen Dichter und des Leonidas von Tarent seine höchste Ausbildung gefunden. Sammlungen der angeblich grossen Dichtern der Vorzeit (Simonides) gehörigen, zum grössten Teil auf Stein erhaltenen Inschriften waren schon früher (sicher vor Aristoteles) entstanden und wurden auch in der Folgezeit neu gefertigt oder durch Fälschungen erweitert. Historische und antiquarische Interessen führten zu Sammlungen der echten Aufschriften von Weihgeschenken und Grabmälern nach geographischen Gesichtspunkten, wie z. B. Polemon die lakonischen, Philochoros die attischen, Aristodemos [2381] die thebanischen Inschriften sammelte. Aus stilistischem Interesse scheint Neoptolemos in seinem Buch περὶ ἐπιγραμμάτων Musterbeispiele angeführt zu haben (Athen. X 454 F, wohl als Muster der Kürze). Es lag bei dem allgemeinen Interesse nahe, auch die unter dem Namen bestimmter Dichter oder Dichterkreise buchmässig veröffentlichten Epigramme, welche in den verschiedensten Sammlungen oft geringen Umfangs (vgl. z. B. die Theokritsammlung) zerstreut waren, und deren Verfasser sich doch beständig benutzten oder auf einander verwiesen, in einem Werke zu vereinigen, um so mehr, als im Lauf des 2. Jhdts. v. Chr. die Neigung, ältere Epigramme geradezu zu paraphrasieren und alles Gewicht auf die stilistische Gewandtheit zu verlegen, immer weiter um sich gegriffen hatte. Die erste Sammlung der Art ist verfasst von Meleager von Gadara. Er lebte nach der Angabe des Scholiasten des cod. Palat. zu IV 1, 1 unter dem letzten Seleukiden, womit es in vollem Einklange steht, dass er eine Grabschrift auf Antipater von Sidon (um Ol. 160) verfasst hat (Anth. Pal. VII 428), die Gedichte desselben aber an einer andern Stelle (IV 1, 42) als noch neue bezeichnet (vgl. Jacobs Anthol. gr. t. VI p. XXXIX). Er stellte alle bedeutenderen Epigramme und epigrammähnlichen Dichtungen, welche er vorfand, nebst vielen eigenen – denn er war selbst ein fruchtbarer und geschätzter Verfasser von Liebespoesien – unter der Benennung eines Kranzes (στέφανος) zusammen und ordnete sie vielleicht nach den Anfangsbuchstaben der ersten Verse. Die Namen der berühmteren Vorgänger, deren Werke er aufnahm, siebenundvierzig an Zahl, von deren einigen wir indessen nichts übrig haben, führt er in seinem ersten Gedichte (Anthol. Pal. IV 1) auf: es sind Anyte, Myro oder Moiro von Byzantion, Sappho, Melanippides, Simonides, Nossis, Rhianos, Erinna, Alkaios von Messene, Samios, Leonidas von Tarent, Mnasalkas, Pamphilos, Pankrates, Tymnes, Nikias von Milet, Euphemos, Damagetos, Kallimachos, Euphorion, Dioskorides, Hegesippos, Perses, Diotimos, Menekrates, Nikainetos, Phaennos, Simmias, Parthenios, Bakchylides, Anakreon, Archilochos, Alexander der Aetolier, Polykleitos, Polystratos, Antipater von Sidon, Hermodoros, Poseidippos, Hedylos, Asklepiades, Platon, Aratos, Chairemon, Phaidimos, Antagoras, Theodoridas, Phanias (über andere, welche noch ihren Platz in seiner Sammlung gehabt zu haben scheinen, s. Passow Opusc. acad. 181–186 und G. Weigand N. Rh. Mus. III 175–178). Wie Meleager in seinen eigenen Poesien sich keiner der streitenden Schulen anschloss, sondern die Stoffe der grossen koisch-alexandrinischen und neben ihnen der peloponnesischen Dichter aufnahm, sich in Sprache und Rhetorik aber zum Teil an Leonidas von Tarent anschloss, so suchte er auch in der Auswahl der älteren Gedichte allen Richtungen gerecht zu werden. Was auf dem Gebiet des Epigramme bisher irgend namhaftes geleistet war, sollte in der Blumenlese Aufnahme finden. Gegen pseudepigraphe Sammlungen zeigte er freilich geringe Kritik. Etwa 100 Jahre nach Meleager veranstaltete Philippos von Thessalonike aus den Werken von mehreren während dieses Zeitraumes thätigen Dichtern und seinen eigenen eine neue Sammlung, welche er nach den Anfangsbuchstaben [2382] der ersten Verse ordnete. Die Zeit derselben hat Hillscher Jahrb. f. Phil. Suppl. XVIII 699ff. richtiger als Jacobs (Anthol. gr. t. XIII p. 866) bestimmt: sie erschien unter Caligula. Auch er schickte ein Gedicht voraus, in welchem er seine Sammlung ausdrücklich als eine Nachlese zu der des Meleager bezeichnete und die Namen der Hervorragenderen unter den Aufgenommenen aufzählte (Anthol. Pal. IV 2): es sind Antipater von Thessalonike, Krinagoras, Antiphilos, Tullius Laureas, Philodemos, Parmenion, Antiphanes, Automedon, Diodoros Zonas, Bianor, Antigonos, Diodoros Sardianos, Euenos (über die nicht Genannten s. Passow Opusc. acad. 188–191. G. Weigand N. Rh. Mus. III 545–552. Weisshäupl Die Grabgedichte der griech. Anth., Wien 1889, 13–20). Die Sammlung des Philippos trägt einen einheitlicheren oder besser einförmigeren Charakter, als die seines Vorgängers. Die Mehrzahl der Dichter steht ganz unter dem Einfluss der Rhetorik; Leonidas von Tarent ist für Sprache und Stoffe das Hauptvorbild. Nur einzelne Gestalten, wie der geniale Landsmann Meleagers, Philodem, tragen individuelle Züge und nähern sich wie jener den Alexandrinern. Als nächsten Sammler bezeichnet man meist Straton Sardianos, welcher bestimmt in die Regierungszeit Hadrians zu setzen sein wurde, wenn Anth. Pal XI 117, worin der unter diesem Kaiser lebende Augenarzt Artemidorus Capito verspottet wird, mit Sicherheit von ihm herrührte (vgl. Schneider Peric. crit. in Anthol. Const. Ceph. 130); allein da dasselbe von den im zwölften Kapitel enthaltenen dem Stoffe nach gänzlich verschieden ist, so ist dies sehr zweifelhaft (vgl. Jacobs Anthol. gr. t. XIII p. 955). Jedenfalls gehört er in das 2. Jhdt. n. Chr., denn er wird bei Diogenes Laertios, der unter Septimius Severus schrieb, V 61 erwähnt. Der Scholiast zu XII 1 bezeichnet zwar das ganze Kapitel als die Μοῦσα παιδική des Straton, allein dieser selbst spricht im Vorwort und Schluss (XII 1. 2. 258) nur von eigenen Gedichten. Ein Überarbeiter hat aus den Kränzen des Meleager und Philippos sowie aus späteren Dichtern ähnliche Lieder zugefügt (vor Kephalas), in welche er zum Teil die Beziehung auf Knabenliebe erst gewaltsam hineincorrigiert hat. Da der Schluss des Meleagerkranzes Lieder auf Knaben enthielt (XII 256 analog IV 1 war das vorletzte Gedicht), nahm er irrtümlich auch dessen Schlusswort (XII 257) mit auf. Ungefähr gleichzeitig gab der berühmte unter Hadrian geborene Grammatiker Diogeneianos Herakleota ein ἀνθολόγιον ἐπιγραμμάτων heraus (Suid. s. Διογενειανός), wobei uns zum ersten Male die später üblich gewordene Benennung begegnet; denn dass die neutrale Endung statt der sonstigen femininischen die Bedeutung modificieren und die Mitaufnahme prosaischer Stücke bezeichnen soll, war eine unrichtige Behauptung Passows (Notitia de Anthologio Orionis Thebani 4; vgl. Opusc. acad. 201; s. dagegen Ritschl De Oro et Orione 7 und G. Weigand N. Rh. Mus. III 553). Dass er ebenfalls die alphabetische Ordnung befolgte, ist sehr wahrscheinlich, teils weil er dieselbe noch mehreren seiner Schriften zu Grunde legte, teils weil in der Anthologie des Kephalas einige so geordnete Partien vorkommen, die unter dem chronologischen Gesichtspunkte am natürlichsten aus [2383] ihm hergeleitet werden können (s. Passow Vermischte Schriften 196 und Weigand a. a. O. 552–557). Da sie vorzugsweise dem elften Buche der Anthologia Palatina angehören, so scheint es, dass Spottgedichte, dem Geiste jener Zeit entsprechend, den wichtigsten Bestandteil ausmachten. Unter ihren Verfassern sind Ammianus, Lukian von Samosata (?), Lucillius (unter Nero), Nikarchos die bekanntesten (die Namen der übrigen s. bei Weigand a. a. O. 554. 555; Widerspruch gegen das Ergebnis bei Hecker Comm. crit. de anthol. gr. I 25f., der statt der Sammlung des Diogenianos eine des Palladas annimmt). Auch Diogenes Laertios vereinigte, wenn eine Stelle in seiner Geschichte der Philosophen (I 39) richtig erklärt wird (s. Jacobs Del. epigr. gr. praef. p. XIII. G. Weigand N. Rh. Mus. III 558), die auf berühmte Philosophen bezüglichen Poesien Früherer nebst vielen eigenen zu einem Sammelwerke unter dem Titel πάμμετρος (βίβλος); jedoch liegt den Worten nach die Deutung am nächsten, dass mit dem angeführten Namen nur das erste Buch der Sammlung bezeichnet wurde und dass dieses aus von ihm selbst verfassten Gedichten in verschiedenen Versgattungen bestand (vgl. VII 31. VIII 74. IX 43 und O. Benndorf De anthol. gr. epigr. q. ad art. sp. 35). Jede weitere Notiz welche darüber Aufklärung gäbe, fehlt. Dass in unserer Anthologie nicht die πάμμετρος, sondern die βίοι benutzt sind, hat Weisshäupl a. a. O. 34ff. erwiesen. Nach Diogenianos Herakleota trat eine längere Ebbe ein, bis im 6. Jhdt. in Byzanz die epigrammatische Dichtung einen neuen Aufschwung nahm, freilich vorwiegend in dem tändelnden Geiste jener Zeit: die Namen des Iulianos, des Christodoros, des Leontios, des Paulos Silentiarios, des Makedonios, der neben dem etwas älteren Kyros den ersten Rang unter ihnen einnimmt, gehören hierher (über andere s. Weigand a. a. O. 562f.). Dies gab zu einer neuen Sammlung Anlass, welche Agathias von Myrine, der bekannte Geschichtschreiber unter Iustinian (oben S. 744), veranstaltete. Er nannte sie Kyklos und war der erste, der seine Einteilung nach den Gegenständen der Gedichte machte. Wir kennen dieselbe aus der zur Hälfte in Trimetern, zur andern Hälfte in Hexametern verfassten Einleitung, welche in der Anthologie Palatina (IV 3) enthalten ist. Das erste Buch bildeten fingierte Widmungsinschriften in poetischer Form, das zweite Beschreibungen von Kunstwerken, das dritte Grabgedichte, das vierte Gedichte auf verschiedene Lebensereignisse, das fünfte Schmähgedichte, das sechste Liebesgedichte, das siebente Gedichte auf die Freuden der Tafel und des Weines; innerhalb jedes Buches scheint er die Gedichte eines Dichters nie zusammengestellt, sondern immer durch eine Reihe fremder unterbrochen zu haben, so dass der Leser allemal einen Kreis von Dichtern zu durchlaufen hatte, bis er zu demselben wieder zurückkehrte (daher der Name κύκλος). Von da an hat sich, soweit dies für uns noch erkennbar ist, das Zusammenstellen von Epigrammensammlungen unter Benutzung der vorhandenen älteren während der Jahrhunderte des Mittelalters unaufhörlich fortgesetzt. Allem Anschein nach flossen die Kränze des Meleager und des Philippos verhältnismässig früh zu einem Ganzen zusammen und blieb daneben der Kyklos des Agathias selbständig; indem [2384] man aus diesen und ihnen Anverwandten Werken mit teilweise veränderter Anordnung und unter Hinzunahme anderswoher entlehnter Partien Auszüge machte, entstanden neue Sammlungen von grösserem oder geringerem Umfange. So schöpfte aus einer Quelle, die offenbar nach den Gegenständen geordnet war, ein zu Byzanz im Dienste Leos des Philosophen stehender, aus seiner Heimat verbannter Thessalier zu Ende des 9. oder Anfang des 10. Jhdts. eine kleine, in einer Pariser (nr. 2720) und einer Florentiner (Plut. 57 cod. 29) Hs. erhaltene Epigrammensammlung, die einem gewissen Euphemios gewidmet ist und deshalb als Sylloge Euphemiana bezeichnet zu werden pflegt. Ihr ähnlich war die gleichfalls nach den Gegenständen geordnete sog. Sylloge Parisina, welche zwei Pariser Hss. (cod. 1630 und cod. suppl. nr. 352) zu Grunde liegt und von Cramer für den vierten Band der Anecdota Parisina (p. 266–388) verwertet worden ist (vgl. Schneidewin Progymnasm. in Anthol. gr., Gott. 1855. Wolters De epigrammatum gr. anthologiis, Halis 1882, 28–31. Dilthey De epigrammatum syllogis quibusdam minoribus, Gott. 1887). Bekannter und vollständiger als die eben genannten ist die Sammlung, welche Konstantinos Kephalas in der ersten Hälfte des 10. Jhdts. – denn diese Zeit wird durch die Erwähnung des Mannes in Verbindung mit einer Begebenheit des J. 917 in den Fortsetzungen des Theophanes und Georgios Monachos (p. 389 und 881 ed. Bonn.) sicher gestellt – veranstaltete. Er teilte dieselbe nach den Gegenständen in Kapitel; da ihr jedoch in der einzigen erhaltenen Hs., der palatinischen, augenscheinlich fremdartige Abschnitte sowohl vorangehen als nach folgen, so steht nicht völlig fest, wie viele der in dieser enthaltenen Kapitel von ihm herrühren. Gewiss ist, dass das nach Jacobs Zählung vierte Kapitel der Hs. mit den Proömien des Meleager, Philippos und Agathias, an denen er seinem Werke gleichsam eine Gesamtvorrede hat geben wollen, das erste auf ihn zurückzuführende ist, aber während ein Scholion auf S. 81 anzudeuten scheint, dass von den sich daran anschliessenden nur die Zusammenstellungen der erotischen, der anathematischen, der sepulcralen und der epideiktischen Epigramme (Kap. V. VI. VII. IX der Jacobsschen Zählung) ihn zum Urheber haben, macht andererseits die Gleichartigkeit der einleitenden Sätze, mit welchen ebenso wie diese Kapitel auch die die protreptischen, die skoptischen und die Knabenepigramme des Straton umfassenden (Kap. X–ΧII der Jacobsschen Zählung) versehen sind, eines gemeinschaftlichen Verfasser sehr wahrscheinlich, und dazu kommen noch einige Momente der Übereinstimmung in der Art der Zusammenstellung (s. Jacobs Anthol. gr. t. VI p. LXVIII—LXXIII und Wolters Rh. Mus. XXXVIII 99–119, der die entgegenstehende Ansicht von Henrichsen in den Schr. d. k. dän. Ges. d. Wies. 1869 und Graux Revue crit. 1877 II 245–249 bekämpft; vgl. auch Weigand N. Rh. Mus. V 276. Sternbach Meletemata graeca 21ff.). Daran kann nach den von Wolters Rh. Mus. XXXVIII 110–119 gelieferten Nachweise nicht gezweifelt werden, dass in der Hs. das von Kephalas Herrührende nicht über die Knabenepigramme des Straton hinausreicht, wie dies auch Jacobs ursprünglich [2385] (a. a. O. p. LXXIII; anders freilich in Ersch und Grubers Encycl. I 4, 260) angenommen hatte. Die in den Proömien des Meleager und des Philippos enthaltenen Dichterregister geben für das, was Kephalas aus den Anthologien dieser Männer geschöpft hat, Kriterien ab; zuweilen kann man wahrnehmen, dass er innerhalb der einzelnen Abschnitte einer Reihe von Stücken die alphabetische Folge gelassen hat, welche sie in ihren Werken hatten. So sind Anthol. Pal. V 104–133. VI 87–108. 227–261. 348–350. VII 174–176. 183–187. 233–237. 364–405. 622–645. 691–694. 699–702. IX 81–86. 215–312. 403–423. 541–562. 705–709. X 18–25. 100–103. XI 23–46. 318–322. 324–327. 346–348 aus dem des Philippos geflossen (s. Passow De vestigiis coronarum Meleagri et Philippi in Anthol. Const. Ceph., in Opusc. acad. 176–197. Weigand a. a. O. 167. 168. 541. 542 und Weisshäupl; vgl. auch Birt D. ant. Buchwesen 389). Ähnlich stammen die gleichfalls alphabetisch geordneten Partien V 17–22. 38–41. 43–45. XI 80–83. 174–177. 214—218. 310–312. 313–316. 329–332. 388—398. 399–413. 417–436 vermutlich mittelbar aus dem Anthologien des Diogenianos Herakleota (vgl. Passow Verm. Schr. 196 und Weigand a. a. O. 552–557). Diejenigen Bestandteile des Sammelwerkes, welche Constantinus dem Agathias verdankt, der in der Einteilung nach den Gegenständen sein ältestes Vorbild war und ihm allem Anschein nach noch selbst vorlag, lassen sich nur nach den Verfassern der Epigramme mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit bestimmen (s. Weigand a. a. O. 560—564. Weisshäupl 21—25); im ganzen ergiebt sich, dass er innerhalb der Hauptabschnitte gern beisammen liess, was er in der ihm vorliegenden Quelle beisammen fand. Ausser diesen früheren Sammlungen benützte er Copien poetischer Aufschriften von Grabsteinen und Bildwerken, die der mehrmals erwähnte Magister Gregorios für ihn angefertigt hatte. Als Dichter, deren Originalwerke ihm noch vorlagen, lassen sich nur Palladas, Leonidas von Alexandria und Nikodemos von Heraklea nachweisen; unter diesen nimmt der von den Neueren sehr verschieden beurteilte Palladas aus der Regierungszeit des Arkadios den grössten Raum ein, von dem sich an vielen Stellen der palatinischen Anthologie fortlaufende Reihen von Epigrammen finden, nämlich VII 681–688. IX 165–176. 180–183. 377–379. 393–395. 399–401. X 44–63. 77–99. XI 283–293. 299–307. 383–387; übrigens hält Hecker (a. a. O. 26) auch ihn für den Verfasser einer Anthologie, in der er eigene und fremde Gedichte vereinigt habe (vgl. Weigand a. a. O. 561. 562 und über die Quellen und die Anordnung des ganzen Werkes im N. Rh. Mus. V 276–288).

Im 14. Jhdt. veranstaltete der Mönch Maximus Planudes in Constantinopel unter dem Titel einer ἀνθολογία διαφόρων ἐπιγραμμάτων eine neue Sammlung in 7 Büchern, welche er, die Anordnung nach den Gegenständen weiter durchführend, wieder in Kapitel teilte. Davon umfasst das erste Buch in 91 Kapiteln die epideiktischen Epigramme, das zweite in 53 Kapiteln die Spottgedichte, das dritte in 32 Kapiteln die Grabgedichte, das vierte in 33 Kapiteln die Aufschriften von Bildwerken und Beschreibungen von Ländern und Tieren, das [2386] fünfte des Christodoros Beschreibung der Statuen des Gymnasiums des Zeuxippos und einige damit verwandte Epigramme, das sechste in 27 Kapiteln die Widmungsgedichte, das siebente, nicht weiter eingeteilte, die Liebesgedichte; allerdings ist seine Anordnung für uns dadurch etwas verdunkelt, dass sie nur in der marcianischen Hs. nr. 481 in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten, dagegen in den übrigen und mit ihnen in den gedruckten Ausgaben durch Aufnahme seiner am Schlusse der Sammlung angefügten Nachträge zu den 4 ersten Büchern in diese Bücher selbst abgeändert ist (s. Sternbach Anthol. Planudeae app. Barb.-Vat. p. VIII). Das vierte seiner Bücher ist zum grössten Teile aus Epigrammen zusammengesetzt, welche in der Anthologie des Kephalas fehlen, während in den übrigen Büchern solche nur in geringer Zahl vorkommen; dies wird am wahrscheinlichsten so erklärt, dass Planudes das meiste aus der Anthologie seines Vorgängers entlehnt, aber daneben auch die grössere Sammlung, welche diesem als Quelle gedient hatte, benützt hat (s. Wolters De epigramm. gr. anthol. 35 und im Rh. Mus. XXXVIII 109). Übrigens nahm er mit einer gewissen Vorliebe Epigramme aus den ersten Jahrhunderten des byzantinischen Kaiserreichs auf und liess dafür die besseren Producte älterer Zeiten vielfach unberücksichtigt. Über die Geschichte der griechischen Anthologie vgl. Jacobs Anthol. gr. t. VI p. XXXI–XC; Delectus epigr. gr. p. XI–XVII und in der Allgem. Encycl. von Ersch u. Gruber I 4, 259–262.

Im Abendlande wurde die griechische Anthologie zuerst in der von Planudes herrührenden Redaction veröffentlicht und blieb lange Zeit nur in dieser bekannt. Die erste Ausgabe war die nach einer Hs. mit vieler Treue besorgte des Janus Lascaris, Florenz 1494, von welcher die erste, zweite und dritte Aldina (Venedig 1503. 1521. 1551), die Juntina (Florenz 1519) und die Ausgabe des Badius Αscensius (Paris 1531) wesentlich nur Wiederholungen sind. Ein ausführliches Namen- und Sachregister brachte die seltene Ausgabe des Petrus und Jo. Maria Nicolinus Sabiensis, Venedig 1550. Ein ziemlich ungenügender Commentar erschien von Vincentins Opsopoeus, Basel 1640, ein viel besserer, besonders in betreff der Sacherklärungen, in Verbindung mit einer Ausgabe des Textes von Johannes Brodaeus, Basel 1549. Eine von den früheren vielfach abweichende Ausgabe veranstaltete Henr. Stephanus, Paris 1566, indem er die Anordnung des Planudes in manchen Stücken abänderte, aus alten Schriftstellern eine Anzahl von diesem nicht aufgenommener Epigramme hinzufügte und den Text teils nach Hss., teils und namentlich durch Conjecturen berichtigte. Der Wert derselben und seiner erklärenden Anmerkungen ist geringer als bei anderen von ihm behandelten Schriftstellern. Lange Zelt hindurch las man den Text nur in der von ihm begründeten Gestalt, besonders in dem Wechelschen Abdruck seiner Ausgabe, Frankfurt 1600, machte daraus Chrestomathien, commentierte ihn und übersetzte ihn lateinisch; noch Hieronymus de Bosch in der Ausgabe Utrecht 1795–1822, 5 voll., welche die gelungene, häufig besseren Lesarten folgende Übersetzung des Hugo Grotius in lateinischen Versen enthält, schloss sich in den griechischen Worten [2387] enge ihm an. Aber allmählich wurde die Aufmerksamkeit auf eine Heidelberger, später römische Hs. gelenkt, welche, und zwar allein unter den bis jetzt bekannt gewordenen, die alte Anthologie des Konstantinos Kephalas enthält, weshalb diese auch die palatinische Anthologie genannt worden ist. Die Schicksale dieser Hs. sind überaus wechselvolle gewesen. Schon die Art ihrer Entstehung ist rätselhaft, denn während ihr erster und, abgesehen von zwei am Schlusse angeklebten Blättern, ihr letzter Teil (p. 1–452. 645–707) auf gleichem Pergament von der gleichen Hand geschrieben sind, zeigt der mittlere (p. 453–644) bei gleicher Zahl der Zeilen (31) auf jeder Seite ein von diesem verschiedenes Pergament und eine andere Schrift (s. die Erklärungsversuche bei Finsler Krit. Untersuch. z. Gesch. d. gr. Anth. 121 und bei Wolters De epigr. gr. anthol. 14; über die Frage, ob die Schrift des mittleren Teiles für jünger oder für älter zu halten ist als die des ersten und letzten s. Jacobs Anthol. gr. t. VI p. LXIV. Finsler a. a. O. 12. 13. Wattenbach Anl. z. gr. Paläogr.² 54. Wattenbach und v. Velsen Exempla cod. gr. p. 11; Zweifel an der Verschiedenheit der beiden Hände bei Graux Revue crit. 1877 II 249; facsimilierte Nachbildungen von p. 343 bei Wattenbach Zwölf Schrifttafeln zu W.s Anleitung T. 5, und von p. 452. 453 bei Wattenbach und v. Velsen Exempl. cod. gr. T. XXXVI). Die Hs. hat während des 16. Jhdts. mehrmals ihren Besitzer gewechselt und kam dann gegen Ende desselben nach Heidelberg in die palatinische Bibliothek, wo Salmasius, der zuerst auf sie aufmerksam wurde, 1607 ihre unedierten Bestandteile abschrieb und ihre in der planudeischen Anthologie schon edierten collationierte. Nach der Einnahme Heidelbergs durch Tilly 1622 schenkte sie Herzog Maximilian I. von Baiern mit den übrigen reichen Schätzen der pfälzischen Bibliothek an Papst Gregor XV., der das ihm gemachte Geschenk 1623 durch den Scriptor der Vaticana Leo Allatius nach Rom bringen liess; dieser liess entsprechend seiner Instruction zur Erleichterung des Transportes die Einbanddecke abnehmen, was zur Folge hatte, dass die Hs. in Rom in zwei Teile von ungleichem Umfange getrennt wurde, von denen der erste p. 1–614, der zweite p. 615–711 umfasst. Nach dem Frieden von Tolentino 1797 entführten die Franzosen beide Teile nach Paris, aber bei der Rückgabe der Heidelberger Hss. an die Deutschen 1816 kam nur der erste wieder nach Heidelberg und wird dort als nr. 23 aufbewahrt, wogegen der zweite in Paris als cod. suppl. nr. 384 zurückblieb und lange Zeit keine Beachtung fand, bis ihn 1839 Dübner entdeckte und 1873 eine photographische Nachbildung von ihm an die Heidelberger Bibliothek geliefert wurde; vgl. F. Wilken Gesch. der Bildung, Beraubung und Vernichtung der alten Heidelberger Büchersammlungen, Heidelb. 1817. A. Theiner Schenkung der Heidelb. Bibl. durch Maximilian I. an Papst Gregor XV., München 1844. Zimmermann in Ztschr. f. Alterthwss. 1839, 464. Augsb. Allg. Ztg. 1876, Beil. nr. 30. 31. Val. Rose Anacr. Teii q. f. συμποσιακὰ ἡμιάμβια p. III–VIII. In dieser Hs. ist zwischen die Grabgedichte und die epideiktischen der kephalanischen Anthologie (s. o.) [2388] ein Abschnitt mit Epigrammen des heiligen Gregor von Nazianz (Kap. VIII der Jacobsschen Zählung) eingeschaltet; ausserdem enthält sie sowohl vor den zu der genannten Anthologie gehörigen Abschnitten als nach denselben eine Reihe von anderen; eine auf ihrer ersten Seite gegebene Kapitelübersicht stimmt mit ihrem tatsächlichen Inhalt nicht in allen Punkten überein, woraus Rückschlüsse auf ihre nächste Quelle gezogen werden können. Die in ihr der kephalanischen Anthologie vorangehenden Partien sind des Paulos Silentiarios Gedicht über die Sophienkirche, ein paar Gedichte biblisch-theologischen Inhalts des Gregor von Nazianz, christliche Epigramme, eine Statuenbeschreibung des Christodoros und eine Sammlung kyzikenischer Aufschriften, die auf dieselbe folgenden eine Sammlung von Epigrammen in verschiedenen Veranlassen, eine Sammlung von arithmetischen Problemen, Rätseln und Orakeln, eine Gemäldebeschreibung des Ioannes Gaza, die sog. Technopaignien (Syrinx des Theokritos), die sog. Anakreontea, einige Gedichte verschiedener Verfasser, besonders des heil. Gregor, zum Teil wiederholt, und, den Inhalt der beiden am Schlusse angeklebten Blätter (p. 708–710) bildend, einige Statuenaufschriften aus der Rennbahn zu Constantinopel. Der ursprüngliche Text dieser Hs. ist vielfältig verderbt; in den nachträglich angebrachten Verbesserungen lassen sich die Hände verschiedener Correctoren erkennen, über welche G. Finsler eine sehr eingehende Untersuchung geführt hat (Krit. Untersuch. z. Gesch. d. gr. Anthol., Zürich 1876); sehr bestritten ist auch der Grad der Glaubwürdigkeit, den die in ihr den Epigrammen beigefügten Dichternamen haben (vgl. Finsler a. a. O. 123–141 und andererseits Bergk PLG I⁴ VII–X). Obwohl die palatinische Hs. seit ihrem Bekanntwerden mehrmals unmittelbar und mittelbar copiert worden ist (s. Jacobs Anthol. gr. t. VI p. CXLI–CLII. Sternbach Anthol. Planudeae app. Barb.-Vat. p. XVII), so liess man es doch lange Zeit bei Veröffentlichungen einzelner ihrer Abschnitte durch den Druck, unter denen die von Reiske (Anthologiae a Const. Cephala conditae libri III. Lpzg. 1754) hervorzuheben ist, bewenden, ohne zu einer Gesamtpublication zu schreiten. Endlich stellte sich Philipp Brunck die Aufgabe, alle aus dem Altertume erhaltenen Epigramme, auch die nur bei anderen Schriftstellern angeführten oder aus Inschriften bekannten, zu einer grossen Sammlung zu vereinigen, und gab sie unter dem Titel Analecta veterum poetarum graecorum editore R. F. Ph. Brunck, Argentor. 1776. 3 voll. heraus, liess indessen darin viele namentlich christliche Gedichte der beiden Anthologien des Kephalas und des Planudes aus. Die von ihm gewählte Anordnung nach den Dichtern hatte wegen der häufigen Identität mehrerer Namen und der Unsicherheit der Herkunft vieler Gedichte manche Nachteile, und sein Verfahren in der Herstellung des Textes war sehr willkürlich, wozu der Umstand beitrug, dass er keine genaue Collation der damals vaticanischen Hs. besass; allein der Sinn für das Studium der Epigramme wurde durch ihn in hohem Grade geweckt. Als seine Analecta vergriffen waren, unternahm Friedrich Jacobs eine neue Ausgabe, in welcher er einiges von Brunck aufgenommene Fremdartige wegliess, übrigens aber [2389] die von diesem gewählte Anordnung im wesentlichen beibehielt. Sie erschien unter dem Titel Anthologia graeca sive poetarum graecorum lusus ex recensione Brunckii, indic. et comm. adiecit Frid. Jacobs, Lipsiae 1794–1814, 13 voll. Mit dem Texte sind in ihr nur die von Brunck selbst nachträglich in den Anmerkungen vorgeschlagenen Änderungen vorgenommen, aber der sehr wertvolle und reichhaltige, Tom. VI–XII umfassende Commentar (wozu in Tom. XIII ausser Nachträgen und Registern eine litterargeschichtliche Behandlung der einzelnen in der Anthologie vorkommenden Dichter tritt) bahnte in seinen auf die Kritik bezüglichen Bestandteilen bereits eine neue Gestaltung desselben an, wobei eine sehr sorgfältige Copie der damals vaticanischen Hs., die Joseph Spaletti, Secretair der vaticanischen Bibliothek, im J. 1776 gemacht hatte und die dann von dem Herzoge Ernst von Gotha angekauft worden war, die wesentlichsten Dienste leistete. Den wirklich erneuerten Text lieferte Jacobs dann in der Ausgabe: Anthologia graeca ad fidem codicis olim Palatini nunc Parisini edita, curavit Frid. Jacobs, Lipsiae 1813–1817, 3 voll., für deren dritten, die kritischen Anmerkungen enthaltenden Band er noch die inzwischen nach Heidelberg zurückgekehrte Hs. selbst durch Vermittlung A. J. Paulsens benutzen konnte. Hier gab er den wesentlichen, sowohl kephalanischen als nichtkephalanischen Inhalt dieser Hs., von deren Bestandteilen er nur die beschreibenden Gedichte des Paulos Silentierios und des Ioannes Gaza, die theologischen des Gregor von Nazianz und die Anakreontea wegliess (s. das von ihm t. I p. LII Bemerkte), unter Beibehaltung ihrer Anordnung wieder und machte daraus fünfzehn Kapitel, denen er am Schlusse noch 388 nur in der Sammlung des Planudes befindliche und 394 aus Schriftstellern und Inschriften geschöpfte Epigramme hinzufügte. Die so zu einem Ganzen gestaltete Sammlung, die man als Anthologie Palatina zu bezeichnen sich gewöhnte, gab ein halbes Jahrhundert später Fr. Dübner unter dem Titel: Epigrammatum Anthologia Palatina cum Planudeis et appendice nova epigrammatum veterum ex libris et marmoribus ductorum, annotatione inedita Boissonadii etc. et apparatu critico instruxit Fr. D., 2 voll., Par. 1864. 1872, neu heraus und konnte dafür die Resultate der weiteren Studien von Jacobs, die ihm dieser bereitwillig zur Verfügung gestellt hatte, vieles aus dem Nachlasse von Boissonade, sowie zahlreiche inzwischen im Druck erschienene Bemerkungen von G. Hermann, Meineke, Hecker und andern Kritikern verwerten (gegen manche seiner textkritischen Entscheidungen Widerspruch bei L. Sternbach Meletemata graeca p. I, Vindob. 1886): leider hat der verdienstvolle Herausgeber, der 1869 starb, das Erscheinen des zweiten Bandes nicht mehr erlebt und konnte um so weniger seine auf dem Titel angekündigte Absicht einer Ergänzung der Jacobsschen Anthologie durch weitere Nachträge noch zur Ausführung bringen. Allein die Überzeugung, dass eine weitere Vervollständigung des von Jacobs Gegebenen durch inschriftlich erhaltene, aus anderen hsl. Sammlungen bekannt gewordene und von Schriftstellern angeführte Epigramme erforderlich sei, hatte sich in den Jahrzehnten zwischen dem Erscheinen der Jacobsschen [2390] und der Dübnerschen Ausgabe immer allgemeiner Bahn gebrochen, und aus dem Streben, diese Lücke auszufüllen, sind zahlreiche Arbeiten entsprungen, unter welchen hervorzuheben sind: Sylloge epigrammatum gr. ex marmoribus et libris coll. et ill. F. Th. Welcker, Bonnae 1828. Supplément à l’anthologie grecque per N. Piccolos, Par. 1853. F. G. Schneidewini Progymnasmata in Anthol. graecam, Gott. 1855. Epigrammata graeca ex lapidibus conlecta ed. G. Kaibel, Berol. 1878. E. Hoffmann Sylloge epigr. gr. quae ante medium saec. a. Chr. n. III incisa ad nos pervenerunt, Halle 1893 (nur durch die Nachträge zu dem Vorigen wichtig). Th. Preger Inscriptiones metricae e scriptoribus praeter anthologiam collectae, Leipzig 1891, sowie mehrere Züricher und Göttinger Universitätsprogramme K. Diltheys. Die von Dübner gehegte Absicht, das gesamte auf diese Weise zu gewinnende Material der palatinischen Anthologie als Ergänzung anzufügen, hat erst lange nach seinem Tode ein anderer Herausgeber in einem dritten Bande der von ihm begonnenen Pariser Ausgabe (Epigrammatum Anthol. Pal. etc. instruxit Ed. Cougny vol. III. Par. 1890; vgl. darüber G. Kaibel DLZ XII 582) zur Ausführung zu bringen versucht. Über die Ausgaben im allgemeinen vgl. Jacobs Anthol. gr. t. VI p. XC–CLXXXIV; Delectus epigr. gr. p. XVII–XXXIV. Schöll Gesch. d. gr. Lit., übers. v. Pinder III 38–50. Chrestomathien aus der griechischen Anthologie sind von jeher nach verschiedenen Gesichtspunkten und Bedürfnissen angelegt worden, die erste von Oecolampadius in seinen Dragmata graecae literaturae, Basil. 1521; aus unserem Jahrhundert sind die wichtigsten der Delectus epigrammatum graecorum, concinnavit Frid. Jacobs, Gothae et Erfordiae 1826, und der Delectus poetarum Anthologiae graecae cum annotatione critica Aug. Meinekii, Berol. 1842. Von diesen führt der erstere, der zunächst für jüngere Leser bestimmt ist, die Anordnung nach den Stoffen streng durch, so dass z. B. die auf die Götter bezüglichen Epigramme in der Folge des mythologischen Systems, die auf Dichter und Philosophen bezüglichen in litterargeschichtlicher Folge aneinander gereiht sind, und gewährt so einen Gesamtüberblick über mehrere Gebiete des griechischen Lebens und der griechischen Anschauung; der zweite teilt die erlesenen Werke der vorzüglichsten Epigrammendichter der alexandrinischen Epoche sämtlich mit und hat durch die am Schlusse hinzugefügten kritischen Bemerkungen, in denen viele Stellen mit glücklicher Leichtigkeit verbessert werden, einen besonderen wissenschaftlichen Wert (gegen manche Ergebnisse dieser letzteren Widerspruch von G. Hermann Wiener Jahrb. CIV 225–260 und von N. Piccolos Suppl. à l’Anthol. gr. 1–86). Übersichten über die zwischen 1873 und 1887 erschienenen Beiträge zur Kritik und Erklärung geben die Berichte von Blass und Hiller im Jahresber. V 100–103. XIII 202–207. XXVI 135–138. XXXIV 292. 293. XLVI 84. LIV 203; von früheren ist besonders die Schrift von Alphons Hecker Commentationis crit. de Anthol. gr. pars prior, Lugd. Bat. 1852, eine Umarbeitung der älteren comment. crit. de Anthol. gr., L. B. 1843, von neueren die Anthologiae Planudeae appendix Barberino-Vaticana [2391] rec. Leo Sternbach, Lips. 1890 (Publication einer in der vaticanischen Hs. nr. 240 und Barber. gr. I 123 befindlichen, hauptsächlich Epigramme des 5. und 12. Kapitels der palatinischen Anthologie enthaltenden Sammlung mit zahlreichen textkritischen Erörterungen) namhaft zu machen. Eine den Inhalt der Brunckschen Analecta in ungefährem Anschluss an deren Anordnung wiedergebende deutsche Gesamtübersetzung der griechischen Anthologie haben Weber und Thudichum verfasst und mit Anmerkungen versehen, die dem nichtphilologischen Leser das Verständnis erleichtern (Griech. Anthol., metrisch übersetzt von W. E. W. und G. Th., neun Bdchen., Stuttg. 1838–1870); unter den zahlreichen Übersetzungen einzelner Teile verdienen die bahnbrechende von Herder Blumen aus der griechischen Anthologie gesammelt, in den Zerstreuten Blättern, Samml. I u. II, Gotha 1785. 1786 (vgl. Herders sämtl. Werke, z. schön. Lit. u. Kunst, Tübingen 1808, 1–40), die den Ton des Originals glücklich wiedergebende von Fr. Jacobs Uebersetzung der schönsten Epigramme der griech. Anthologie, in dessen Leben und Kunst der Alten I, Gotha 1824 (Umgestaltung von ‚Tempe von F. J.‘, 2 Bde., Leipzig 1803), und die dem Principe strenger Wörtlichkeit folgende von J. G. Regis Epigramme der griechischen Anthologie, ausgewählt und in den Versmassen der Ursprache verdeutscht, Stuttgart 1856, hervorgehoben zu werden.

  1. Revidiert von R. Reitzenstein.